Pläne für Baumschulwäldchen: Sanierung statt Totalumbau: Anwohner formieren sich

Pläne für Baumschulwäldchen : Sanierung statt Totalumbau: Anwohner formieren sich

Die Bürger der Weststadt formieren sich gegen die geplante Umgestaltung des Baumschulwäldchens. Anwohner rund um den kleinen Park aus kurfürstlicher Zeit trafen sich jetzt noch einmal vor Ort, um die vorliegenden Pläne der Stadt zu diskutieren.

Im Rahmen des Masterplans "Innere Stadt" soll die Fläche als "grüner Trittstein" vollkommen neu gestaltet werden (der GA berichtete). "Wir brauchen kein neues Konzept und keinen Ideenwettbewerb. Wir wollen einfach nur, dass das Wäldchen so, wie es ist, erhalten bleibt", positioniert sich Martin Lützeler. "Es reicht uns vollkommen, wenn der Park in Schuss gebracht und besser gepflegt wird."

Vor allem die neue Wegeführung durch zwei Hauptachsen stößt auf Kritik der Anwohner. Dadurch würden "Fahrradschnellstraßen" geschaffen, die Spaziergänger und Kinder unnötig gefährdeten. "Was sollen wir mit einer Promenade direkt am Wittelsbacher Ring?", fragt Lützeler. Dadurch werde der Blick geradewegs auf die stark befahrene Straße gelenkt. "Mit der Folge, dass wir den Verkehr viel stärker wahrnehmen." Das bestehende Wegenetz werde im Gegenzug zerstört. "Dann gibt es auch nicht mehr den kleinen Rundweg", beklagt eine Anwohnerin, die fast täglich mit ihrem Hund kommt.

Dabei hat der Park heute eine viel weitreichendere Funktion als vor Jahrhunderten. Denn während der Kurfürst dort, am Rande der urbanen Bebauung, exotische Pflanzen für seine Parks und Alleen ziehen ließ, ist das Baumschulwäldchen heute für das Stadtklima unverzichtbar. "Und die neuen Pläne gehen daran komplett vorbei", so eine besorgte Anwohnerin. "Wir brauchen hier hohe Bäume und keine niedrige Bepflanzung."

Zwar haben Hecken und Sträucher schon lange keinen Pflegeschnitt mehr bekommen, eine Neuanpflanzung hätte jedoch weitreichende Folgen für den alten Baumbestand. Denn nicht nur eine rund 250 Jahre alte Kastanie wächst in direkter Nähe zum Kriegerdenkmal, viele andere alten Bäume würden durch die Bodenarbeiten mit schwerem Gerät in Mitleidenschaft gezogen. "Wir würden ganz sicher einige Bäume verlieren", vermutet Michael Eckhardt.

Dass der Park als Kulturgut gepflegt werden muss, fordert Susanne Schoen. Bei ihren Recherchen im Stadtarchiv fand sie Belege dafür, dass das Baumschulwäldchen bereits 1907 mit besonderem Fingerspitzengefühl behandelt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch einige der Rhododendren, die man damals mit Bedacht ausgewählt hat. "Das Baumschulwäldchen ist ein Denkmal. Und Denkmäler müssen nun einmal gepflegt und erhalten werden", so Schoen. Mit den vorliegenden Plänen werde die homogene Verbindung durch einen Kahlschlag total zerstört, wehrt sie sich.

Hoffnung macht den Bürgern Herbert Spoelgen, der sich mit den Anwohnern vor Ort traf. "Wir haben die Angelegenheit in der Bezirksvertretung erst einmal gestoppt", erklärte er. Denn die Planung ist derzeit offenbar nicht mehrheitsfähig. "Weshalb sollen wir für etwas Geld ausgeben, was die Bürger gar nicht wollen?", so der Stadtverordnete. Auch die Bonner FDP lehnt die Pläne ab. Elmar Conrads-Hassel erklärte dazu: "Nicht nur die Konzeption an sich, sondern vor allem die offenkundig viel zu niedrig angesetzten finanziellen Belastungen von 84 000 Euro für den städtischen Haushalt sind unzumutbar, egal ob 70 Prozent der Gesamtkosten aus Landesmitteln bezahlt werden oder nicht."

Die Stadtverwaltung wird die Bürger bei einer Veranstaltung am Dienstag, 17. November, ab 17 Uhr (Stadthaus, Sitzungssaal I) über die detaillierte Planung informieren.

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