Wasserspeicher neben Marienhospital: Rundgang: Behälter vermeiden Versorgungsengpässe

Wasserspeicher neben Marienhospital : Rundgang: Behälter vermeiden Versorgungsengpässe

Die Tür in die Dunkelheit öffnet sich nur einmal im Jahr. Dann, wenn für eine Reinigung die Wassermassen aus der Kammer abgelassen werden.

Das geschieht meist im Winter, weil die Haushalte weniger Trinkwasser brauchen, die Leute zum Beispiel im Garten nicht gießen. Doch auch jetzt befindet sich nur ein plätscherndes Rinnsal in den Katakomben, weil der Wahnbachtalsperrenverband (WTV) neuverlegte Rohre gründlich durchspült.

Dass sich unter der großen Wiese neben dem St.-Marien-Hospital drei riesige Wasserbehälter befinden, lässt sich von außen kaum erahnen. Zwei gehören dem WTV, einer den Stadtwerken Bonn. Zwei der Kammern fassen je 7000 Kubikmeter, die dritte 6800 Kubikmeter Wasser. Wie viel das wirklich ist, lässt sich erst beim Spaziergang durch die düsteren Hallen erahnen.

Doch erst einmal müssen sich die Techniker Gummistiefel anziehen und diese in einem Bad mit Chlorbleichlauge desinfizieren. Eine Treppe führt sieben Meter nach unten, der Raum aus Beton ist knapp fünf Meter breit. Die gegenüberliegende Wand in 70 Metern Entfernung können auch die starken Grubenlampen nur schwach erleuchten.

Doch das ist nicht alles. Es geht um eine Kurve und wieder 70 Meter zurück. Das Ganze noch zweimal, so dass die Wasserkammer sich dreimal windet und demnach vier Zellen nebeneinander hat. Am einen Ende befindet sich das Einlaufrohr, ganz am anderen der Ausfluss.

So ist immer eine Fließbewegung in der Kammer, wie WTV-Geschäftsführer Norbert Eckschlag sagt, der selbst zum ersten Mal in dem Tank unterhalb des Venusbergs unterwegs ist. Mancher erinnert sich noch an die Baustelle auf der Robert-Koch-Straße. Dort hatte der WTV eine poröse Rohrleitung aus den 60er-Jahren ausgetauscht.

Die hielt vor allem deshalb nicht mehr, weil auf 150 Meter Länge neben Stahl auch andere Materialien, etwa bei den Verbindungsstücken, verwendet wurden. Die neue Hauptwasserleitung ist wieder aus Stahl, " aber besser gegen Korrosion geschützt", sagt Eckschlag. Sie soll mindestens 50 Jahre halten, könne sogar 100 schaffen.

"Zurzeit haben wir eine Noteinspeisung zur Spülung der Kammer und der Rohre", sagt Peter Tybel, Ingenieur in der Planungs- und Bauabteilung des WTV. Es wird auch geprüft, ob alles dicht ist. Derzeit lagert sich als Ausfallstoff am Boden der Kammer Mangan ab.

Das Material "wird vom Wahnbachwasser aus dem felsigen Untergrund der Talsperre gelöst und fällt bei Belüftung in den Anlagen, Rohrleitungen und Trinkwasserbehältern aus", sagt Eckschlag. Die bräunliche Ablagerung hinterlässt bizarre Muster, die durch Tropfen von oben mit Kreisen überzogen sind. Wenn einer spricht, erzeugt das ein Echo von fast 15 Sekunden.

Es muss ein besonderes Ereignis sein, wenn hier jemand Flöte oder Saxofon spielt und die Töne im Raum stehenbleiben. Solch ein Konzert habe es woanders schon gegeben, sagt Eckschlag. Doch warum gibt es diese eingegrabenen Wassertürme überhaupt? "Das Wasser aus der Wahnbachtalsperre und dem Hennefer Siegbogen kommt aus den Siegelsknippen in Siegburg", sagt Eckschlag.

Pumpen bringen es in rund 170 Meter Höhe, wo Behälter 20.000 Kubikmeter fassen. So fließt es von ganz allein über drei Hauptversorgungsleitungen (Durchmesser je 80 Zentimeter) unter dem Rhein durch, im freien Gefälle in den Bonner Norden (Graurheindorf) und den Bonner Süden (Posttower).

Die Kammern am Venusberg liegen auf etwa 100 Höhenmetern, so dass das Wasser mit rund sechs Bar dort ankommt. Diese und die Behälter in Röttgen, am Hardtbergbad und in Gielsdorf dienen der Zwischenspeicherung und Absicherung der Bonner Trinkwasserversorgung. Nachts, wenn in der Stadt weniger Wasser benötigt wird, laufen sie automatisch voll.

Tagsüber, wenn alle duschen, kochen, spülen und sich die Zähne putzen, ist dann genug Wasser da, die Kammern laufen wieder leer. "Die Behälter auf dem Wachtberg und dem Tomberg dienen der Versorgung von Wachtberg, Rheinbach, Meckenheim sowie Bad Neuenahr-Ahrweiler, Grafschaft und Eifel-Ahr", sagt Eckschlag. Nach der Reinigung und Desinfektion geht dann gegen Ende April auch die linke Kammer neben dem Marienhospital wieder ans Netz.

Wasserversorgung

An der Robert-Koch-Straße befinden sich drei Kammern, von denen zwei dem Wahnbachtalsperrenverband (WTV) gehören und eine den Stadtwerken Bonn (SWB). Letztere sind für die Einspeisung des Trinkwassers in die Haushalte zuständig. Seit 1933 befindet sich auf dem Grundstück auch ein altes Pumpwerk, das für die höheren Zonen des Venusbergs benötigt wird.

So kommt in den Wohnungen Wasser mit zwei Bar Druck an, "damit etwa der Durchlauferhitzer funktioniert", sagt WTV-Ingenieur Peter Tybel. Der Verband liefert Trinkwasser für rund 800.000 Menschen in Bonn und aus dem Rhein-Sieg-Kreis.

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