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Rosenmontag in Bonn: Stadt und Polizei ziehen positive Zwischenbilanz

250.000 Jecke feiern : So schön war der Bonner Rosenmontagszug

Die Jecken regieren Bonn. Am Montag ist der große Rosenmontagszug durch die Innen- und Nordstadt der Bundesstadt gezogen. Großer Jubel brach in der Jeckenschar aus, als es auf dem Marktplatz einen Heiratsantrag gab. Stadt und Polizei haben ein erstes Zwischenfazit gezogen.

Erneut haben Zugleiter Axel Wolf und sein Team einen Rekord beim Rosenmontagszug in Bonn aufgestellt: In diesem Jahr zählte der Zoch rund 6000 Teilnehmer – so viele wie noch nie zuvor. Zufrieden ist auch die Stadt Bonn mit dem Verlauf des Bonner Rosenmontagszuges. Wie das städtische Presseamt am Nachmittag mitteilte, sei er bis dahin erfreulich und ohne besondere Vorkommnisse durch Innen- und Nordstadt gezogen. Nach Veranstalterangaben verfolgten den „Zoch“ rund 250.000 Zuschauer.

Fast 4000 von ihnen waren zu Fuß unterwegs, mehr als 1000 fuhren auf den großen Prunkwagen mit. Die restlichen Teilnehmer verteilten sich auf kleinere Fahrzeuge und Gepanne. Und dass keiner der Narren am Straßenrand im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kam, darauf achteten rund 850 Wagenbegleiter. Der Stadtordnungsdienst, der mit 59 Mitarbeitern im Einsatz war, von denen 22 die Zug- und Rettungswege überwachten, vermeldete bis 16 Uhr 19 Falschparker, die Halteverbote missachteten und abgeschleppt werden mussten. Das sind zum jetzigen Zeitpunkt zwölf weniger als im Vorjahr.

22 weitere Mitarbeiter kontrollierten Jugendliche in der Altstadt, sechs in der Innenstadt. Laut Stadt wurden etwa 300 junge Jecken bis zum Nachmittag kontrolliert. Sie mussten rund 250 Flaschen Alkohol und somit 78 Flaschen weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr leeren. Dreimal mussten sie zudem ihre Zigaretten entsorgen (2019: 2). Eine stark betrunkene und hilflose Jugendliche musste zudem an Sanitäter übergeben werden. Im Vorjahr waren es zwei Personen.

So schön waren die Rosenmontagszüge 2020 in Bonn und Siegburg

Das Wetter spielt mit

Einig waren sich alle Organisatoren am Ende: Petrus muss ein Jeck sein. Denn Punkt 12 Uhr, als die ersten Wagen sich von der Thomas-Mann-Straße aus in Bewegung setzten, hörte es auf zu regnen. Und als Prinz Richard I. und Bonna Katharina III. unter großem Jubel vor dem Alten Rathaus einen Stopp einlegten, um Oberbürgermeister Ashok Sridharan zu begrüßen, lugte obendrein die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Der OB, der den kompletten Zoch von der Rathaustreppe aus kenntnisreich und mit närrischem Frohsinn moderiert hatte, lobte denn auch die Tollitäten in den höchsten Tönen: Immer haben Prinz und Bonna in dieser Session mehr als 370 Auftritte absolviert.

„Jötterfunke övall – Ludwig, Bonn un Karneval“: Dem Sessionsmotto machten zahlreiche Teilnehmer des Zuges – und nicht nur die Teilnehmer des Beethovenzochs im Zoch – alle Ehre. Auch viele Jecken hatten sich ebenfalls als Ludwig van Beethoven verkleidet – kein Wunder, dass in ganz Bonn und darüber hinaus keine Beethoven-Perücke mehr zu haben war. Natürlich war auch Festausschuss-Präsidentin Marlies Stockhorst, die GA-Redakteur und Zoch-Moderator Holger Willcke als „Erfinderin des Karnevals“ adelte, dem Sessionsmotto entsprechend kostümiert. Auf dem Wagen der Beethovenjubiläums-Gesellschaft (BTHVN 2020) beglückwünschte Sridharan Ralf Birkner zum Geburtstag. Der Kaufmännische Geschäftsführer der BTHVN 2020 ist an Rosenmontag 56 Jahre alt geworden.

Jugendliche bewarfen Zugteilnehmer mit Flaschen

Ärger erwartet einen Kioskbetreiber. Er erhielt eine Anzeige, weil er die erforderlichen Informationen zum Jugendschutz über die Abgabe von Alkohol und Tabakwaren an Jugendliche nicht im Geschäft ausgehängt hatte. Darüber hinaus fielen einige Jugendliche auf, weil sie Gläser und Flaschen vom Stadthausplateau in der Maxstraße auf den Zug warfen.

„Aus Sicht der Stadt ein nicht hinzunehmendes aggressives und gefährliches Verhalten, das in keiner Weise toleriert und geduldet werden kann. Wer so leichtfertig in Kauf nimmt, dass Zugteilnehmer und Jecken verletzt werden, hat am Rosenmontagszug nichts verloren“, sagte Carsten Sperling, Abteilungsleiter des Stadtordnungsdienstes. Die Polizei nahm die Personalien der Randalierer auf. Laut Mitteilung der Bonner Behörde wurde auch ein Zivilfahnder in der Maxstraße durch einen offenbar gezielten Flaschenwurf getroffen. Er musste mit Verletzungen am Oberschenkel in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Täter ist bislang unbekannt, Hinweise nimmt die Polizei unter 0228/150 entgegen.

Einen ruhigen Rosenmontag vermelden bisher auch Feuerwehr und Rettungsdienst. Während die Wehrleute bis dato keinen Einsatz verzeichneten, hatte der Rettungsdienst acht, davon zwei mit Notarzt. Außerdem musste der Sanitätsdienst des Veranstalters 18 Mal Hilfe leisten.

Polizei nimmt drei Personen in Gewahrsam

Zufrieden ist die Stadt auch mit der Verteilung sogenannter Safe-Packs, die Mitarbeiter des Bonner „event sprinters“ in der Altstadt an Kinder und Jugendliche übergaben. Inhalt: Obst, Wasser und Heißgetränke. „Bereits am Nachmittag waren mehr als 350 Safe-Packs an Jugendliche verteilt worden - und die Zahl von 400 aus dem Vorjahr dürfte übertroffen werden“, so die Stadt in ihrer Mitteilung. Die Mitarbeiter des „event sprinters“ tauschten außerdem etwa 20 Liter alkoholische Getränke gegen Snacks, Trinktütchen oder Handschuhe ein.

Überwiegend friedlich nennt auch die Polizei den Verlauf des Rosenmontagzugs. Bis 18 Uhr nahmen die Beamten, die mehrfach wegen Streitigkeiten, Körperverletzungen oder weil Feiernde über die Stränge schlugen, einschreiten mussten, drei Personen in Gewahrsam. Ein Zivilfahnder stellte mutmaßlich 35 Einheiten Kokain sicher, die Beamten nahmen insgesamt zehn Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten auf. Zudem ermittelt die Polizei wegen eines möglichen Sexualdelikts in der Adolfstraße.

"Ich freue mich, dass die Menschen, trotz des anfänglichen Regens, sich nicht die Laune haben verderben lassen. Durch unsere starke Präsenz und das konsequente und frühzeitige Einschreiten haben wir mit dazu beigetragen, dass die Menschen überwiegend friedlich miteinander feiern konnten. Hervorheben möchte ich ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn, dem Rettungsdienst, dem Technischen Hilfswerk sowie der Zugleitung", zog Polizeidirektorin Anja Gans eine erste positive Bilanz.

Zug setzte sich gegen 12 Uhr in Bewegung

Die Bonner Innen- und Nordstadt war schon seit dem Morgen in fester Hand der Jecken, um kurz nach 12 Uhr setzte sich dann auch der Rosenmontagszug in Bewegung. Mit 5.920 Zug-Teilnehmern feiert die Bundesstadt in diesem Jahr einen neuen Rekord.

Pünktlich zum Start hörte auch der Regen auf. „Das Einzige, was heute noch regnen soll, ist Kamelle“, sagte der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan bei der Begrüßung der Jecken auf dem Bonner Marktplatz.

Dort traf der Zug um kurz nach 12.30 Uhr ein - angeführt von Polizei und Technischem Hilfswerk. „Wir können allen Einsatzkräften für ihre Arbeit nur danken“, so Sridharan. Direkt hinter Polizei und THW führte eine große Schnecke den Zug an, auf der in großen Lettern das diesjährige Motto des Bonner Karnevals zu lesen war: „Jötterfunke överall – Ludwig, Bonn un Karneval.“

Großer Jubel brach in der Jeckenschar gegen 14.15 Uhr auf dem Bonner Marktplatz aus: Auf dem Wagen der Bönnschen Funkentöter gab es einen Heiratsantrag. Und: Sie sagte „Ja“. Auch auf dem Wagen der KG Narrenzunft gab es einen Antrag mit gleich schönem Ausgang.

Kurz nach 16 Uhr löste sich das jecke Treiben vor dem Alten Rathaus langsam wieder auf. Dann nämlich waren auch Prinz Richard I. und Bonna Katharina III. am Marktplatz angelangt. Der Zug war damit aber noch lange nicht vorbei: Tausende Jecken warteten noch auf dem restlichen Zugweg, etwa in der Bonner Altstadt. Um 17.46 Uhr hatten schließlich alle Mottowagen, Musikkapellen und Fußgruppen das Ende der Zugstrecke an der Dorotheenstraße erreicht.