Ärger um Trauerweide: Riesenbaum in Endenich radikal gestutzt

Ärger um Trauerweide : Riesenbaum in Endenich radikal gestutzt

Die Stadt forderte den Rückschnitt einer Trauerweide nach Astbruch. Das Ergebnis ist jedoch erschreckend.

„Der Baum hat Äste, das ist das Beste, denn wär' er kahl, dann wär's ein Pfahl.“ So hat es Komiker-Urgestein Heinz Erhard formuliert, und wie das in der Realität aussieht, kann am vielbefahrenen Kreisverkehr Auf dem Hügel/ Am Propsthof betrachtet werden. Dort stand viele Jahre eine mächtige Trauerweide in voller Pracht, die nach dem Rückschnitt nur noch an zwei Pfähle erinnert.

Wie kann man einen Baum nur so verstümmeln? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten – es passierte jedenfalls mit Zutun der Stadt Bonn und der Eigentümerin, der Vonovia-Wohnungsgesellschaft. Diese erklärt aber: „Wir sind von der Stadt Bonn aufgefordert worden, das so zu tun“, erklärt Sprecherin Bettina Benner.

Der Reihe nach: Wie die Stadt zur Vorgeschichte mitteilte, war im Sommer ein kräftiger Ast aus dem 18 Meter hohen Baum abgebrochen und auf den Gehweg gefallen. Beobachter sprechen sogar von zwei oder mehreren dicken Ästen. Jedenfalls habe das Ordnungsamt die Eigentümerin, also die Vonovia, angeschrieben und sie aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, teilte eine Sprecherin des Presseamtes mit. „So sollte die Verkehrssicherheit wieder hergestellt werden und das so genannte Lichtraumprofil freigeschnitten werden“, erklärte sie, was bedeutet, dass der Gehweg und die Kreuzung nicht durch Äste verdeckt werden dürften. Dieser Aufforderung sei die Gesellschaft nachgekommen. Bei einem Ortstermin habe sich der Kollege des Amtes für Stadtgrün davon überzeugt.

Der jüngste Schnitt müsse aber in den letzten Wochen vorgenommen worden sein, glaubt die Stadt. Und dieser sei tatsächlich sehr radikal und nicht fachgerecht gewesen. „So ist das Verhältnis von Feinastwerk und Starkholz nicht mehr ausgeglichen.“ Eine Weide sei zwar sehr regenerationsfähig und treibe wieder stark aus, aber hier sei sehr stark eingegriffen worden.

Fällantrag gestellt

Die Vonovia weist das zurück: Es sei nur einmal geschnitten worden, nämlich am 4. Oktober, nachdem am 26. September das Bruchholz entfernt worden sei, wobei der Kontrolleur zugegen gewesen sei. Mit der Aussage, der Schnitt sei zu radikal, sei die Vonovia bisher nicht konfrontiert worden. Das sei auch nicht nachzuvollziehen. Denn in der Ordnungsverfügung der Stadt heißt es: „Zur Gefahrenabwehr ist es notwendig, die gesamte Krone um circa vier bis fünf Meter fachgerecht einzukürzen, und das Lichtraumprofil über dem Gehweg auf 2,5 Meter anzuheben sowie über der Fahrbahn auf 4,5 Meter.“

Wie es mit dem Baum, der auch von einem Pilz befallen ist und andere Vorschäden hat, weiter geht, ist unklar. Die Vonovia hat Ende September einen Fällantrag gestellt. „Der wird derzeit geprüft“, so die Stadt. Demnächst werde es deshalb einen Ortstermin mit dem Amt für Stadtgrün und einem Baumkontrolleur der Vonovia geben, in dem das weitere Vorgehen erörtert wird. Dann klärt sich auch, ob ein Bußgeld verhängt wird.

Der örtliche Ratsherr Rolf Beu (Grüne) glaubt nicht, dass es sich um einen Baumfrevel handelt. „Die Trauerweide wurde 1963 beim Bau der Siedlung gepflanzt und leider vorher nie geschnitten“, erklärt er. Der Schnitt sei zur Gefahrenabwehr erfolgt, nachdem die beiden Starkäste beim Sturm herausgebrochen waren. Diese hätten dann wochenlang unter dem Baum gelegen.

Beu: „Nach meiner festen Überzeugung erfolgte entgegen der Mitteilung der Verwaltung lediglich ein Schnitt.“ Warum hätte die Vonovia auch zwei Schnittmaßnahmen innerhalb kürzester Zeit beauftragen und bezahlen sollen?

In der Siedlung, die die Vonovia von der Gemeinnützigen Eisenbahnwohnungsbaugesellschaft übernommen hatte, gab es früher sogar weitere Trauerweiden. Eine wurde vor mindestens einem Jahrzehnt gefällt, ebenfalls nach einem Sturm. „Eine dritte müsste nach meiner Erinnerung noch im Innenbereich der Siedlung zwischen Am Propsthof 110 und Auf dem Hügel 127-129 stehen.“