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Tödliche Messerattacke in Muffendorf: Richter erlässt Haftbefehl gegen 26-Jährigen

Tödliche Messerattacke in Muffendorf : Richter erlässt Haftbefehl gegen 26-Jährigen

Der Haftrichter hat dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen und Haftbefehl gegen einen 26-jährigen Kosovaren und einen 30-jährigen Albaner erlassen, und zwar wegen vollendeten Totschlags.

Der 26-Jährige soll am Sonntagabend einen 32-Jährigen vor der Flüchtlingsunterkunft an der Deutschherrenstraße erstochen haben. Inwieweit sein 30-jähriger Begleiter an der Tat beteiligt gewesen ist, wird zurzeit ermittelt.

Die Polizei hob die Arbeit des Sicherheitsdienstes lobend hervor. Dieser hatte die beiden Verdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei in einem Raum separiert und für Ruhe gesorgt. Diese gute Erfahrung bestätige das positive Bild der bisherigen Zusammenarbeit, sagte der Leitende Polizeidirektor Helmut Pfau. Das gelte nicht nur für die Sicherheitsdienste, sondern auch für die Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte. Mit beiden stehe man in gutem Kontakt.

In Bonn, Bad Honnef, Königswinter und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis liegen mehr als 80 Einrichtungen, in denen mehr als 20 Flüchtlinge leben, so Pfau. Von August bis Dezember 2015 habe man 69 Vorfälle registriert: 37 Körperverletzungen, 13 Bedrohungen, sieben Fälle von häuslicher Gewalt, sieben Diebstähle, drei Küchenbrände (ausgelöst unter anderem durch eine Kaffeemaschine), einen Raub und ein Sexualdelikt. Die Tendenz sei eher fallend, das sei ein landesweiter Trend. „Das Einsatz- und Kriminalitätsaufkommen in den Flüchtlingseinrichtungen ist überschaubar und beherrschbar“, bewertete Pfau die Situation.

Insgesamt sei die Polizei in den Unterkünften eher präventiv tätig, das sei ein landesweiter Trend. Mehr als 95 Prozent der Einsätze seien dieser Art, lediglich in drei Prozent der Fälle sei die Polizei gerufen worden. In Bonn zeige man vor allem „mit dem Bezirksdienst Präsenz“. In den großen Einrichtungen des Landes – an der Deutschherrenstraße und in der Ermekeilkaserne – schaue man einmal pro Schicht, also dreimal pro Tag, nach dem Rechten. Das habe eine hohe Einsatzzahl zur Folge: Allein im letzten Quartal 2015 „sind wir dort mehr als 500 Einsätze gefahren, und zwar fast ausnahmslos präventiver Art“.

Prinzipiell sei zu erkennen, dass die Sicherheitsdienste allgemein „eine geringe Akzeptanz bei den Bewohnern haben“, so Pfau. Soll heißen, dass diese bei Konflikten häufig die Polizei rufen. „Das führt meist schnell zu Ruhe, die Beamten genießen ein hohes Ansehen bei den Flüchtlingen.“