Roboter im Deutschen Museum Bonn: Rhino schrieb Wissenschaftsgeschichte

Roboter im Deutschen Museum Bonn : Rhino schrieb Wissenschaftsgeschichte

Vor 20 Jahren erklärte ein Roboter Besuchern das Deutsche Museum in Bonn. Rhino ist ein Vorläufer selbstfahrender Autos. Die Erschaffer arbeiten heute in der Spitzenforschung.

Rhino entspricht so ziemlich jedem Kindchen-Schema, das man sich vorstellen kann: große Kulleraugen, schräg stehende Augenbrauen, die etwas traurig wirken. Andrea Niehaus, Direktorin des Deutschen Museums in Bonn, kann sich noch erinnern, wie die Brauen auf- und abwippten, als Rhino vor 20 Jahren die Rolle des Museumsführers übernahm und damit ein Stück Wissenschaftsgeschichte schrieb. Ein sanft blickender Roboter, der aneckte, aber nicht aufgab auf der Suche nach dem richtigen Weg durch die Exponate des Wissenschaftsmuseums an der Ahrstraße und seinem Publikum erläuterte, was es da sah. „Er konnte sich im Raum orientieren. Das machte ihn für damalige Verhältnisse einzigartig“, sagt Niehaus.

Erwähnenswert ist das vor allem, weil Rhino ein direkter Vorläufer selbstfahrender Autos ist. Mit den Algorithmen, mit denen er seine Aufgabe bewältigte, arbeiten heute unter anderem Google, BMW und Daimler.

Die Bonner Forschungsgruppe Künstliche Intelligenz arbeitete ab 1993 am Rhino-Projekt und ist dafür zuletzt Anfang Februar ausgezeichnet worden. Zu diesem Zweck hatte das Land NRW den mittlerweile emeritierten Informatik-Professor Armin B. Cremers mit so viel Finanzmitteln ausgestattet, dass er gar nichts anders konnte, als den Ruf an eine US-amerikanische Universität abzulehnen. Seine damaligen am Projekt beteiligten Mitarbeiter arbeiten seit Jahren in der Spitzenforschung. Wolfram Burgard hat einen Lehrstuhl für Informatik an der Universität Freiburg inne, Sebastian Thrun war zwischenzeitlich stellvertretender Chef bei Google, bevor er wieder als Professor zurück an die Stanford Universität ging.

Mit dem damaligen Projekt Rhino habe das Deutsche Museum „aktiv zur Wissenschaftsgeschichte beigetragen“, so Burgard. Er und die Wissenschaftler Armin Cremers, Sebastian Thrun, Dieter Fox, Dirk Hähnel, Gerhard Lakemeyer, Dirk Schulz und Walter Steiner sind für ihre Forschungen zum Rhino-Projekt mehrfach ausgezeichnet worden.

Sechs Tage lang führte der tonnenförmige Roboter mit dem netten Gesicht Besucher in die Tiefen der Exponate ein. Niehaus, damals im ersten Jahr Leiterin des Deutschen Museums, erinnert sich, dass Rhino nicht nur direkt über eine Art Touchscreen, sondern sogar über das Internet angesteuert werden konnte und „nachts durch das Museum wanderte“. Zurzeit verhandelt Niehaus mit der Universität Bonn, ob Rhino nicht als Exponat an die Ahrstraße kommen kann.

Ob das zustande kommt, ist auch abhängig davon, wie die Verhandlungen über die Rettung des Museums über das Jahr 2018 hinaus ausgehen. Der Verwaltungsvorstand des Deutschen Museums tagt dazu am 10. März in München. Der Stadtrat hatte beschlossen, die bisherigen jährlichen Zuschüsse von 830.000 Euro zu streichen. Mittlerweile ist er bereit, 300.000 Euro weiterhin zu finanzieren. Der Rhein-Sieg-Kreis will 75 000 Euro geben, der Kreis Ahrweiler stellt einen noch nicht festgelegten Betrag in Aussicht. Noch klafft in dem neuen Finanzierungskonzept des Museums und seines Fördervereins „Wissen schaf(f)t Spaß“ eine Finanzierungslücke von 225.000 Euro, um über die Runden zu kommen. Und der Stadtrat tagt erst Ende März wieder.

Schützenhilfe kommt nun fraktionsübergreifend aus dem städtischen Wissenschaftsausschuss. „Das Deutsche Museum Bonn benötigt eine Basisfinanzierung der öffentlichen Hand für die kommenden fünf Jahre. Dieses Ziel ist nun in greifbare Nähe gerückt“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Der Ausschuss fordert nun die Wiederaufnahme der Beratungen über die Höhe des städtischen Zuschusses ab 2019.

Drei Tage vor der richtungsweisenden Sitzung des Museumsverwaltungsrats haben die Rhino-Wissenschaftler Cremers und Burgard ihr Kommen angekündigt. Sie werden am Dienstag, 7. März, um 18 Uhr an der Ahrstraße über Rhino und seine Bedeutung für die Robotik sprechen.

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