Rheinaue Bonn: Horst Burbulla wirbt für Turm "Aire"

Bauprojekt in Bonn : Unternehmer Burbulla wirbt für Turmbau an der Rheinaue

Der Unternehmer Horst Burbulla kommt seinem Traum, einen Turm nahe der Rheinaue zu bauen, einen Schritt näher. In dem geplanten Turm „Aire“ sollen mal Veranstaltungen stattfinden.

Horst Burbulla wirkt auf den ersten Blick nicht so träumerisch, wie er auf den zweiten Blick offensichtlich ist. Seine Worte wählt der Bonner Unternehmer mit Bedacht. Er spricht eher leise als laut. Und er hat das, was man wohl eine Vision nennt. Er will einen knapp 220 Meter hohen Turm mit Veranstaltungssaal für 1100 Gäste und Restaurants in rund 160 Meter Höhe am Rande der Rheinaue bauen (der Posttower misst 162,5 Meter). An diesem Projekt arbeitet er schon einige Zeit. Ab diesem Samstag nimmt er eine weitere Stufe, um seinem Traum etwas näher zu kommen. Für sechs Monate hat er an der Fürstenstraße 3 Räume in der Stadt angemietet.

Eingerichtet ist das öffentliche Atelier weitgehend schon am Freitag gewesen. Das drei Meter hohe Modell seines Veranstaltungsturms "Aire" steht im Schaufenster. Auf breiten Leinwänden sind Visualisierungen zu sehen, wie der an einen umgedrehten Kronleuchter erinnernder Hochbau aussehen soll, wenn er sich denn in die Tat umsetzen ließe.

Das Ungewöhnliche in diesem Fall ist die Herangehensweise. Burbulla, der 61 Jahre alt ist und im tschechischen Pilsen ein Maschinenbau-Unternehmen mit 60 Mitarbeitern führt, will mit einem Bürgerbegehren sein Ziel erreichen. Nach eigenen Angaben hat er bislang 800 Unterschriften bei mehreren Einzelaktionen im Stadtgebiet einsammeln können. Bürger, die sich dafür aussprechen, dass der Stadtrat ein Bauleitverfahren für den Turm beschließt und die Stadt das dafür vorgesehen Grundstück auf dem ihr gehörenden Parkplatz an der Charles-de-Gaulles-Straße für 50 Jahre an Burbulla verpachtet. Der Unternehmer sagt: "Ich will dieses Projekt gemeinnützig umsetzen. Geld habe ich in meinem Leben genug verdient." Und er wolle an eine alte Tradition anknüpfen, wie er sagt. Früher habe an dem geplanten Standort für den Turm die Gronauer Stadthalle gestanden, die im Krieg zerstört wurde. Alte Ansichtskarten zeigt der Unternehmer ebenfalls in seinem Atelier, das täglich von 14 bis 20 Uhr geöffnet haben wird. Dass mancher ihm gegenüber geäußert habe, der Turm mute doch recht kitschig an, bringt Burbulla nicht aus der Fassung. "Ich habe weiterhin das Gefühl, ich löse mit dieser Idee Begeisterung aus." Die verspielten Ornamente aus dem Architektenentwurf stünden für eine vergessene strahlende Zeit. Auf sie zu verzichten, "würde letztlich aussehen wie eine Hase ohne Fell".

Denkmalschutz der Rheinaue könnte entgegenstehen

Die Stadt äußert sich bisweilen "nicht inhaltlich zu dem Vorhaben", wie Stadtsprecherin Monika Hörig sagte. Sie bestätigte aber, dass die Verwaltung Burbulla in der Sache beraten habe. Aus einer städtischen Mitteilungsvorlage gehen die Details für ein sogenanntes initiierendes Bürgerbegehren hervor. Dass der Denkmalschutz der angrenzenden Rheinaue ein Problem wäre, steht nicht in dem Dokument. Wohl aber, dass der Unternehmer 9944 gültige Unterschriften von Bonnerinnen und Bonnern einreichen müsste, um die Pläne zu verwirklichen. In der Folge würde der Stadtrat sich mit dem Projekt befassen. Sollte kein Beschluss für den Bau ergehen, würde ein Bürgerentscheid folgen, also eine Bürgerbefragung wie beim geplanten Schwimmbad in Dottendorf. Zehn Prozent der Bonner müssten teilnehmen und mehrheitlich für das Projekt stimmen.

Burbulla geht von Kosten in Höhe von 80 Millionen Euro aus. 40 Millionen würde er selbst finanzieren können, für die zweite Hälfte Finanziers suchen. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Kosten für die Steuerzahler. Die Stadt geht von Kosten in Höhe von 12,2 Millionen Euro aus. Zwölf Millionen Euro müsste sie dem Bund zahlen. Er hatte das Grundstück für den Bau des Kongresszentrums an die Stadt kostenlos übertragen, aber im Kaufvertrag 2003 festschreiben lassen, dass die Stadt nachzuzahlen habe, wenn auf dem Grundstück in den folgenden 25 Jahren Baurecht geschaffen würde.

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