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Reuterstraße in Bonn: Keine Fahrverbote - offene Fragen um mögliche Pförtnerampel

Keine Fahrverbote in Bonn : Fragen und Antworten zur möglichen Pförtnerampel an der Reuterstraße

Pförtnerampeln sollen den Verkehr auf der Reuterstraße in Bonn reduzieren. Doch das Verfahren wäre in dieser Form neu in NRW. Die Industrie- und Handelskammer warnt vor den Folgen. Der GA gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Pförtnerampeln, die möglicherweise ab Sommer den Verkehr auf der Reuterstraße reduzieren sollen, alarmieren die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. „Wir befürchten, dass sie die Staubildung auf der A565 erheblich vergrößern werden und die Erreichbarkeit der Stadt für den Wirtschafts- und Pendelverkehr dadurch leidet“, erklärt Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille. In der IHK geht die Sorge um, dass die Rückstaus sich bis auf die A555 und die A59 auswirken könnten – besonders während der kommenden Bauarbeiten an der Autobahn 565. Wenn das angekündigte Gutachten zu den Pförtnerampeln in sechs bis acht Wochen vorliegt, will die Kammer eine abschließende Bewertung vornehmen.

Die Maßnahme ist Bestandteil des Vergleichs, den die Deutsche Umwelthilfe, das Land und die Stadt Bonn vor dem Oberverwaltungsgericht Münster geschlossen haben, um Fahrverbote abzuwenden. Sollte der Stickoxid-Grenzwert im Jahresmittel 2020 überschritten werden, würden die Pförtnerampeln spätestens 2021 scharf geschaltet, außerdem das Tempo 30 auf der Reuterstraße ausgeweitet und die Zufahrt vom „Endenicher Ei“ zur Reuterstraße geschlossen. Die Bezirksregierung Köln, zuständig für den Luftreinhalteplan, ließ am Freitag etliche GA-Anfragen unbeantwortet. So blieb unklar, wer die endgültige Entscheidung über das Aufstellen der Pförtnerampeln trifft, und auch die Frage, ob dann mit Rückstaus auf die Autobahn zu rechnen sei, ließen die Bezirksregierung und der Landesbetrieb Straßen NRW offen.

Was ist eine Pförtnerampel?

Zuflussregelungsanlagen, so der Fachbegriff, steuern mit Ampellichtern die Zufahrt zu Autobahnen bei erhöhtem Verkehrsaufkommen. In NRW existieren seit Jahren mehrere Dutzend solcher Anlagen. Auch in städtischen Hauptstraßennetzen gibt es ähnliche Systeme.

Wie stark würden die Pförtnerampeln den Zufluss auf die Reuterstraße reduzieren?

In Bonn soll der Verkehr von der Autobahn auf die städtische Reuterstraße gedrosselt werden. „Eine vergleichbare Anlage gibt es bisher in NRW nicht“, sagt Friederike Schaffrath, die als Projektleiterin beim Landesbetrieb Straßen für die Bonner Autobahnen zuständig ist. Fragen nach dem Ausmaß der Drosselwirkung könne man deshalb nicht beantworten.

Wann beginnt der Ausbau der Autobahn 565?

Zuerst soll das Brückenbauwerk am „Endenicher Ei“ über die A565 durch einen Neubau ersetzt werden, der schon 2021 fertig sein soll. Danach wird die Autobahn zwischen Hardtberg und Autobahndreieck Bonn-Nordost sechsstreifig ausgebaut. Für den Abschnitt zwischen Anschlussstelle Endenich und Bonn-Nord mit dem Ersatzneubau des „Tausendfüßlers“ soll laut Projektleiterin Schaffrath noch im ersten Quartal 2020 bei der Bezirksregierung die Planfeststellung beantragt werden. Baustart sei Ende 2021, abhängig vom Verlauf des Planfeststellungsverfahrens. Für den Abschnitt zwischen Kreuz Bonn-Nord und Dreieck Bonn-Nordost mit Ersatzneubau der Rheinbrücke laufen Voruntersuchungen – Baubeginn frühestens 2028. Der Landesbetrieb sichert zu, während der jahrelangen Arbeiten zwei Spuren in beide Fahrtrichtungen offen zu halten, rechnet aber trotzdem mit Staus.

Wie stark ist der Verkehr auf der A565 und der Reuterstraße?

Allein die Zufahrt von der Anschlussstelle Poppelsdorf zur Reuterstraße nutzen laut Landesbetrieb Straßen durchschnittlich 45.000 Fahrzeuge am Tag – das wäre eine der beiden Spangen, auf denen eine Pförtnerampel Rückstau in Richtung Autobahn verursachen würde. Auf dem Tausendfüßler sind es täglich 90.000 Fahrzeuge, auf der Nordbrücke 104.000. Diese Zahlen des Landesbetriebs stammen aus dem Jahr 2015, dürften also heute höher sein. Auf der Reuterstraße sind nach Stadtangaben montags bis freitags im Schnitt 52.000 Fahrzeuge unterwegs. Am stärksten frequentiert ist sie am Nachmittag in Richtung Autobahn mit 2100 Fahrzeugen in der Spitzenstunde.

Wie kontrolliert die Umwelthilfe die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen?

Er habe „keinen Anlass zu Misstrauen gegenüber den Verantwortlichen bei der Stadt Bonn“, sagte Jürgen Resch. Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe am Freitag dem General-Anzeiger. Insofern gehe er davon aus, dass alle Daten wie vereinbart übermittelt werden. Für März, so Resch, plane er eine Veranstaltung in Bonn, um mit den Bürgern in Dialog zu treten.