Ersatzteile für die LED-Wand fehlen: Rettungsleitstelle in Bonn wird für 1,7 Millionen Euro saniert

Ersatzteile für die LED-Wand fehlen : Rettungsleitstelle in Bonn wird für 1,7 Millionen Euro saniert

Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Bonn wird für 1,7 Millionen Euro saniert. Auch die Siegburger Leitstelle muss nachziehen. Beide Leitstellen sind so aufgebaut, dass sie bei einem Ausfall die Aufgaben der anderen übernehmen können.

Ein Großteil der Technik der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle der Stadt Bonn muss im nächsten Jahr für rund 1,7 Millionen Euro erneuert werden - obwohl der Neubau in der Feuerwache 1 am Lievelingsweg dann erst sieben Jahre in Betrieb ist. Als Grund gibt die Stadtverwaltung an, dass es in der IT üblich sei, Komponenten nach fünf bis sieben Jahren auszutauschen - und es nun wirtschaftlicher sei, ein Gesamtpaket neu auszuschreiben, anstatt nur einzelne Komponenten aufzurüsten. Weil die Bonner Leitstelle mit der des Rhein-Sieg-Kreises im Verbund betrieben wird, muss auch Siegburg nachziehen. Beide Leitstellen sind so aufgebaut, dass sie bei einem Ausfall die Aufgaben der anderen übernehmen können.

Die Leitstelle erlebt derzeit dasselbe wie viele Telekom-Kunden: Nach und nach stellt das Unternehmen die Telefonanschlüsse auf sogenannte IP-Telefonie um. Das bedeutet, das herkömmliche Festnetztelefone nicht mehr ohne Weiteres funktionieren. Aber es sind noch viele weitere Punkte, die aus Sicht der Stadtverwaltung den Austausch der sogenannten Notrufabfragetechnik notwendig machen. "Aufgrund des Alters ist ein Austausch für den Erhalt der Funktionssicherheit sowie für die Sicherstellung von Wartung und Ersatzteilversorgung zwingend erforderlich", heißt es in der städtischen Vorlage für die Einleitung eines Vergabeverfahrens, das der Finanzausschuss vor Kurzem einstimmig beschlossen hat.

Darin sind auch die verschiedenen Komponenten kurz beschrieben: Telefonanlage, Langzeitdokumentation des Telefon- und Funkverkehrs, Umstellung auf IP-Technik, Ansteuerung von Tor- und Schrankenanlagen, Aufschaltung von Türüberwachungskameras, Funkgateways zur Digitalisierung und Verarbeitung der Funkgespräche sowie Medien- und Anzeigetechnik zur Lage- und Informationsdarstellung in der Leitstelle. Dahinter verbergen sich komplexe Systeme, weshalb die Stadt ein Planungsbüro beauftragen will.

"Aufgrund der immer schneller fortschreitenden technischen Neuerungen erfolgte eine Abwägung, ob die Anpassungen durch die bisherige Wartungsfirma oder über eine Neuausschreibung realisiert werden sollten", erklärt Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt Bonn. Aus wirtschaftlichen Gründen fiel die Entscheidung für eine Neuausschreibung.

Derzeit funktioniert alles einwandfrei. "Die Telefonanlage ist vom Grundsatz noch funktionell, sie müsste nur erweitert werden, um den aktuellen Anforderungen zu entsprechen", sagt Schmitz. Dazu zählt zum einen die IP-Technik, aber auch der sogenannte Digitalfunkstecker. Er ist kein Stecker im herkömmlichen Sinne, sondern beschreibt Zusatzfunktionen, die die Leitstelle beim Digitalfunk hat. So lassen sich beispielsweise Funkgeräte fernsteuern. Diese Technik sei laut Schmitz beim Bau der Leitstelle noch nicht verfügbar gewesen.

In der Leitstelle laufen alle Fäden zusammen

Ein zentraler Punkt der Ausschreibung ist die Anzeigentechnik im Lageraum. "Damit ist die Technik gemeint, mit deren Hilfe Bilder aus verschiedenen Quellen, die für die Beurteilung einer Einsatzlage benötigt werden, dargestellt werden können", erklärt Schmitz. Dazu zählen beispielsweise die Überwachung des Godesberger Straßentunnels, Bilder aus U-Bahnhöfen oder solche, die ein Unwetterprogramm liefert. Das Problem: Für die mehrere Quadratemeter große LED-Wand gibt es laut Stadt keine Ersatzteile mehr. Überwachungskameras sind zwar schon jetzt an jeder Bonner Feuerwache installiert, um den Zugang zu kontrollieren. Dennoch soll nachgebessert werden: Nicht bei den Kameras selbst, sondern bei der Steuerung und der Anzeige. Auch im Rhein-Sieg-Kreis stehen diese Arbeiten an - die Leitstellen sind in einem Verbund identisch aufgebaut. "Somit sind die Funktionalitäten wie Notrufweiterleitung und Übernahme bei Ausfall der jeweils anderen Leitstelle, welche vor der Erneuerung möglich waren, auch nach der Erneuerung möglich", sagt Schmitz. Das bedeute zudem, dass man gleichzeitig umrüsten müsse, wie Kreissprecher Antonius Nolden erläutert.

Während der Umbauphase, die voraussichtlich mehrere Monate dauern werde, müsse diese Redundanz weiterhin gewährleistet sein. "Auch deshalb wird in enger Abstimmung mit der Stadt Bonn ein Planungsbüro beauftragt", so Nolden.

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