Groß-Projekt für den Vorruhestand: Reisen nach Namibia und Indien

Groß-Projekt für den Vorruhestand : Reisen nach Namibia und Indien

In der Lessenicher Wohnung von Marlene Lautze und Rainer Preuß hängen schon die Landkarten von Namibia und Indien. Dabei führt sie ihr Weg doch erst im Herbst dorthin.

Zunächst drei Monate nach Afrika, dann – nach dem Weihnachtsmonat Dezember, den sie daheim verbringen wollen – drei Monate in die Tiefen Asiens. Die Ziele sind markiert: Okakarara und Vijayawada. Das sind verdammt viele „A's“ für zwei Städte, deren Aussprache die beiden aber mittlerweile beherrschen.

Was sie da wollen? Freiwilligen Sozialen Dienst verrichten in zwei Entwicklungshilfeprojekten. Nur sind sie keine 20 Jahre mehr jung. Marlene Lautze, 58, arbeitet als Lehrerin am Gymnasium Am Oelberg in Königswinter. Und Rainer Preuß, 60, ist gelernter Elektroingenieur im Vorruhestand.

„Es ist ein überschaubares Experiment, aber mit Sicherheit eine neue Herausforderung“, sagt Marlene Lautze. In erster Linie ist sie es gewesen, die die Initialzündung gegeben hat für die lange Reise, die stattfinden sollte, solange das Paar noch gesundheitlich auf der Höhe ist. Aber, bitte schön, kein Segeltörn, keine touristische Reise, von denen die beiden schon genug gemeinsam unternommen haben.

„Bequem haben können wir es auch Zuhause“, findet die Lehrerin. Das Sabbatjahr sollte neben Stationen in Europa und Neuseeland auch einen tieferen Zweck verfolgen, irgendwie Sinn ergeben. Lautze: „Sicher spielt auch unsere christliche Weltanschauung eine Rolle.“ Schon als 17-Jährige war sie beeindruckt von den Taizé-Geistlichen, die in der ganzen Welt ihr Zuhause sahen.

Wie das Leben so spielt, kamen die Projekte, an denen die Lessenicher sich nun beteiligen werden, mehr oder minder ohne großes Zutun zu ihnen. Ein früherer Schüler hat an dem Aids-Waisen-Projekt der Stiftung „Steps for children“ in Namibia selbst teilgenommen und davon berichtet, eine Kollegin vom Straßenkinderprojekt „Navajeevan“ Indien.

Seit einigen Jahren wird der Trip nun vorbereitet. Rainer Preuß leitete seine Vorruhestandsregelung ein, Marlene Lautze bekommt seit drei Jahren weniger Gehalt, wird dafür während der Sabbatzeit durchgehend bezahlt.

Die beiden mussten, wie jeder andere Bewerber auch, einen „Letter of Motivation“ schreiben, weshalb sie die Unternehmung angehen wollen. Es gab Treffen mit den Projektleitern. Man empfand gegenseitig Sympathie. Die Sprache unter den Mitarbeitern wird Englisch sein, also besuchen Lautze und Preuß einen Sprachkurs.

Es ist nicht so, dass die Reise ins Unbekannte nicht gut vorbereitet wäre. Dennoch beschleicht Rainer Preuß auch „ein leichtes Unbehagen“, vor allem, was Indien angeht. „Dieses Land scheint mir so gegensätzlich zu sein, gerade, was die Unterschiede zwischen Arm und Reich betrifft.“ Deshalb sind sie als Touristen dort gewesen.

„Ich glaube jetzt, dass ich mit den Menschen umgehen kann“, sagt Rainer Preuß. Er habe als erfahrener Ingenieur schließlich eine rechte und eine linke Hand. Keine schlechten Voraussetzungen, um Tausende Kilometer entfernt von daheim klar zu kommen.

Er hat schon einmal darüber nachgedacht, ein Solarprojekt in Namibia anzuregen. Wie auch immer es laufen wird: Marlene Lautze ist sich ziemlich sicher: „Wir werden als andere Menschen wiederkommen.“

Das Aids-Waisen-Projekt in Namibia der Stiftung „Steps for children“ stellt Johannes Vogelsang, ehemaliger Schüler des Gymnasiums Am Oelberg, unter der Leitung von Marlene Lautze und Rainer Preuß vor. Am Montag, 11. April, geht es um 20 Uhr im Gemeindehaus der Trinitatiskirche Bonn-Endenich, Brahmsstraße 14, los.