Am Hölder: Regenwasser am Neubaugebiet in Röttgen fließt in Mulden

Am Hölder : Regenwasser am Neubaugebiet in Röttgen fließt in Mulden

Es gibt wohl kaum einen Spaziergänger, dem noch nicht die modellierten Wiesen hinter dem Neubaugebiet Am Hölder in Röttgen aufgefallen sind. Es handelt sich um Retentionsflächen, die bei Regen das Wasser aufnehmen sollen.

Wie die Stadt Bonn auf Anfrage des GA mitteilte, haben diese Versickerungsbecken keine Hochwasserschutzfunktion, sondern dienen der Oberflächenentwässerung bei „normalem Bemessungsregen“. Bei stärkeren Regenfällen können die Becken allerdings geordnet überlaufen und in Richtung Götgesbach abfließen, erklärt das städtische Tiefbauamt.

Wer genau hinschaut, erkennt die unterschiedlichen Mulden, die in unterschiedlichen Höhen angelegt sind, damit bei Bedarf Wasser von einer Teilfläche in die andere überlaufen kann. Fachleute bezeichnen das als Entwässerung im Trennsystem, was laut Tiefbauamt in Bonn eher untypisch ist. Regenwasser von Straßen und Dachflächen wird in die unterschiedlichen Mulden abgeführt (siehe Grafik). Die Schmutzwässer der einzelnen Zonen werden allerdings im Mischwasserkanal in Richtung Reichsstraße abgeleitet. Das ist insofern untypisch, als dass in Bonn in der Regel meist beides im Mischsystem entwässert wird – also Regen und Abwasser in ein Rohr abfließen.

Flache Versickerungsbecken

„Bei den Mulden handelt es sich um flache Versickerungsbecken“, erklärt Monika Frömbgen, Vize-Chefin des Tiefbauamtes. „Diese Becken haben keine Hochwasserschutzfunktion, sondern sind dafür ausgelegt, dass die Oberflächenwässer der entsprechenden Zonen sich dort sammeln und über eine gewisse Zeit weiter in den sandig-kiesigen Untergrund versickern können.“ Damit das funktioniert, befinden sich unterhalb der Versickerungsbecken rund 1,50 Meter tiefe Rigolenkörper aus Kies mit der Körnung 16 bis 32 Millimeter – ummantelt mit einem Filtervlies.

Insgesamt gibt es sechs solcher Mulden. Fünf davon liegen unmittelbar hintereinander, die sechste etwas weiter nördlich. Die Überläufe sind mit Steinen befestigt. Das Speichervolumen der Versickerungsbecken ergibt sich zum einen aus den Hohlräumen des Kieskörpers, zum anderen können die Versickerungsmulden Wasser bis zu rund 30 Zentimeter Höhe fassen, so die Stadt. Insgesamt passen so etwa 2000 Kubikmeter Wasser in die Mulden.

Gebaut wurden die Mulden im Jahr 2013 und im Frühjahr 2014. Als der Kanalbau Am Hölder fertig wurde, nahm man auch die Mulden in Betrieb. Die Kosten betrugen laut Stadt rund 400 000 Euro. Die Kosten für Bodenaustausch und Kieseinbau werden, so weit sie eindeutig dem Neubaugebiet zuzuordnen sind, durch die Erhebung der endgültigen Erschließungsbeiträge finanziert, so die Auskunft aus dem Bauordnungsamt der Stadt.

Drei Zuläufe

Zu den Mulden führen drei Zuläufe, vor ihnen sind Sandfangschächte angeordnet, die dafür sorgen, dass der Sand, Kies und Steine von den Versickerungsmulden angehalten wird. Jeder Sandfang hat ein Volumen von rund drei Kubikmetern, sie müssen regelmäßig gewartet und bei Bedarf entleert werden.

„Im Falle eines Starkregens, der die Leistungsfähigkeit der Mulden überschreitet, laufen die Mulden über zwei Überlaufschwellen in den angrenzenden Acker über“, erklärt Frömbgen. Das nennt sich im Fachjargon Notüberlauf. Die Ackerflächen entwässern dann weiter in nordwestlicher Richtung in den Götgesbach.

Die Stadt stellt in diesem Zuge klar: Der Bau der Mulden hat nichts mit der kritischen Entwässerungssituation in Röttgen und den Starkregen-Ereignissen von 2013 und 2014 zu tun. Diese hätten auch entlang der Villiper Allee/Reichsstraße und nicht auf dem Hölder zu Schäden geführt.

Das Landeswassergesetz fordere laut Tiefbauamt explizit den Bau von Trennsystemen mit ortsnaher Regenwasserbeseitigung. Sie können in Bonn jedoch nur an wenigen Stellen errichtet werden, da die Versickerungsfähigkeit der anstehenden Böden in vielen Fällen nicht ausreicht und ortsnahe Gewässer zur Ableitung zu weit entfernt sind.

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