Ratsbeschluss: Umweltspur in Bonn-Endenich kommt doch nicht

Nach heftigem Schlagabtausch : Rat kippt Pläne für Umweltspur in Bonn-Endenich

Es wird vorerst doch keine Umweltspur auf dem vierspurigen Hermann-Wandersleb-Ring geben: Nach einem Schlagabtausch der Politiker stimmt eine Mehrheit im Bonner Stadtrat gegen einen Probelauf.

Bis 2035 soll die Stadt Bonn klimaneutral sein. Das ist ein Punkt des sogenannten Klimaschutzleitbilds, das der Stadtrat am Donnerstagabend beschlossen hat und das einen ganzen Rattenschwanz an Maßnahmen nach sich zieht. Dazu gehört, da sind sich die Mandatsträger einig, den Individualverkehr in der Stadt zu reduzieren und den öffentlichen Nahverkehr zu beschleunigen, um ihn damit attraktiver zu machen. Eine Möglichkeit dazu wäre aus Sicht der Verwaltung eine Umweltspur auf dem vierspurigen Hermann-Wandersleb-Ring, wo viele Buslinien verkehren, indes oftmals mit den Autos im Stau stehen. Doch diesen Vorschlag hat der Rat in derselben Sitzung nach heftigem Schlagabtausch mit Mehrheit gekippt.

Sehr zu Ärger von Grünen, SPD, Linken sowie Teilen des Bürger Bundes Bonn und der Sozialliberalen, die vehement für den Test einer Umweltspur für die Dauer von einem Jahr auf der Hauptverkehrsader im Bonner Westen Bonns geworben hatten. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte sich, wie berichtet, als einziger in der Sitzung der Stimme enthalten hatte. Er hätte für eine Vertagung plädiert, erklärte der OB. Hintergrund: Seine Verwaltung hatte zunächst auch vorgeschlagen, den Test einer Umweltspur auch in der Verlängerung auf der Endenicher Straße zwischen Endenicher Ei und Viktoriabrücke durchzuführen. Doch den Punkt hatte der Rat mit Mehrheit vertagt, da im Vorfeld die Verwaltung selbst ihren Vorschlag nach Überprüfung der Situation vor Ort wieder in Zweifel gezogen hatte.

Grüne warben vergeblich für den Probelauf

„Es gibt zunehmend Klagen über Ausfälle und Verspätungen der Busse“, hatte Grünen-Verkehrsexperte Rolf Beu zuvor inständig für den Probelauf auf dem Hermann-Wandersleb-Ring geworben. „Erst durch den Versuch können wir beurteilen, ob es dort funktioniert oder nicht.“ Während die Ausfälle in erster Linie mit dem Fahrermangel zusammenhingen, lägen die Verspätungen dagegen an einer mangelnden Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs in Bonn. „Die Busse und Bahnen werden überall behindert, sei es vor den Ampeln, sei es durch parkende Fahrzeuge, die einen Begegnungsverkehr von Bussen unmöglich machen oder weil Busse mit im Stau stehen müssen“, kritisierte Beu. Die Busse müssten da Vorrang haben, wo es Stau gebe. Dies sei auf dem Wandersleb-Ring gut möglich, da die Straße vierspurig ausgebaut sei. Beu machte auch deutlich: „Eine Lösung, die am Ende keinem weh tut, wird nicht funktionieren.“ In das selbe Horn stießen Linke und SPD. „Wir müssen dringend etwas was tun. Eine Umweltspur geht auf einer vierspurigen Straße relativ gut. Das hat die Verwaltung doch dort sorgfältig geprüft“, sagte SPD-Ratsherr Helmut Redeker.

CDU-Planungssprecher Bert Moll hielt dagegen: „Es gibt andere Stellen, wo es Sinn macht, Umweltspuren einzurichten. Zum Beispiel am Hauptbahnhof.“ Dort ist auch ein Probelauf geplant, mit Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft hat die Verwaltung ihn jedoch auf nach Weihnachten verschoben. Für Moll sind auch die Kosten ausschlaggebend: Immerhin koste die Einrichtung einer Umweltspur auf Probe auf dem Hermann-Wandersleb-Ring 190 000 Euro. „Das ist viel Geld für einen Versuch, der am Ende nichts bringt“, ist er mit den Kollegen von FDP, BBB und AfB überzeugt.