Liebfrauenschule in Bonn: Rätsel um vergiftete Mädchen

Liebfrauenschule in Bonn : Rätsel um vergiftete Mädchen

Die Schülerinnen der Liebfrauenschule, die am Freitag ins Krankenhaus eingeliefert wurden, leiden wahrscheinlich unter einer Vergiftung. Drei der elf Betroffenen haben Lähmungserscheinungen und sitzen im Rollstuhl. Führt die Spur in den Sportpark Nord?

Am Montag befanden sich die Mädchen noch im Krankenhaus und mussten zeitweise auf der Intensivstation betreut werden, hieß es von Schulleitung und Elternvertretung.

Acht Schülerinnen waren zuvor entlassen worden, auch wenn einige noch über Schmerzen in den Beinen und Muskelzucken geklagt hätten, wie die Klassenpflegschaftsvorsitzende Christina Stahl sagte. Nach Angaben der Ärzte sei aber das Schlimmste überstanden: "Es ist nicht von einer weiteren Verschlechterung auszugehen", sagte Stahl.

Bleibende Schäden seien nach Einschätzung der Ärzte wohl ausgeschlossen. Am Freitag waren zunächst vier Schülerinnen der Klasse 7 b mit Lähmungserscheinungen, Übelkeit, Schwindel und Magenkrämpfen in die Kinderklinik an der Adenauerallee eingeliefert worden. Später stieg die Zahl der Betroffenen auf elf.

Laut dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Raimund Schulte ist eine Viruserkrankung der Mädchen bereits am Samstag von den Ärzten ausgeschlossen worden. Selbst gebackene Muffins einer Schülerin, so lautete die erste Vermutung, scheiden als Grund also aus. "Es ist eine toxikologische Belastung nachgewiesen worden", sagte Schulte. Auch Schulleiterin Brigitte Lenz spricht von einem "neurologischen Krankheitsbild".

Am Montag war das Gesundheitsamt bei den Mädchen und in der Schule. Die Stadt möchte die Untersuchungsergebnisse abwarten: "An Spekulationen werden wir uns nicht beteiligen", sagte Elke Palm aus dem Presseamt. Heute sollen die Mädchen weiteren toxikologischen Untersuchungen unterzogen werden. Danach dürfen sie wohl nach Hause, sagt Schulleiterin Lenz. "Weil dort die Genesung schneller geht." Seelisch seien die Mädchen guter Dinge. "Dennoch erfüllt uns das alles mit Besorgnis", sagte Lenz.

Die Spur führt wahrscheinlich in den Sportpark Nord, wo die Klasse am Freitag Sportunterricht hatte. Laut dem Vater einer betroffenen Schülerin haben die Mädchen dort Lauftraining absolviert. In einer Pause hätten sie im Gras gesessen und eine "scharfe chemische Substanz gerochen". Seine Tochter könne noch nicht wieder laufen. Er habe mittlerweile Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

Die Polizei ermittelt bereits wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung, wie Behördensprecher Robert Scholten mitteilte. Sie lässt Sand- und Rasenproben aus dem Sportpark Nord untersuchen, wo offenbar Markierungsarbeiten stattgefunden hatten. Auch die Lebensmittelproben würden noch ausgewertet, so Scholten.