"Herber Verlust" in Bonn: Puppenkönig-Schließung bewegt Bonner Kaufleute

"Herber Verlust" in Bonn : Puppenkönig-Schließung bewegt Bonner Kaufleute

Die Nachricht von der anstehenden Schließung des traditionsreichen Spielzeuggeschäfts Puppenkönig bewegt die Bonner Bürger. Viele verbinden mit dem Unternehmen Kindheitserinnerungen.

Die Nachricht von der bevorstehenden Schließung des Spielwarengeschäfts Puppenkönig bewegt viele Bürger. Auch Bonner City-Kaufleute zeigen sich betroffen von der Entscheidung des Inhabers Alfred Westenhöfer, seinen Laden voraussichtlich im November für immer dicht zu machen.

Das Traditionshaus an der Gangolfsstraße in der City, das erst vor sechs Jahren sein 100-jähriges Bestehen in Bonn gefeiert hatte, schließt zum Ende des Jahres ( der GA berichtete). Die Mitarbeiter sind über diesen Schritt bereits informiert. Über die Gründe und seine Pläne für die eigene Immobilie mit etwa 1700 Quadratmetern Nutzfläche hatte Geschäftsinhaber Alfred Westenhöfer sich, wie berichtet, zunächst ausgeschwiegen. Am Donnerstag sprach er die Gründe offen an: „Der Internethandel setzt uns Spielwarenhändlern immer mehr zu. Wir sind davon von allen am meisten betroffen. Rund 50 Prozent der Spielwarenverkäufe passieren heute online“, weiß er. Ein weiterer Grund: Beide Töchter leben nicht mehr in Bonn, die eine ist nach Österreich, die andere nach Berlin gezogen. Eine von ihnen sollte eigentlich seine Nachfolge im Geschäft antreten, doch sie habe sich anders entschieden, sagte Westenhöfer, der im Sommer 65 wird.

„Der Einzelhandelsverband bedauert zutiefst, dass das alteingesessene Spielwarenunternehmen Puppenkönig nach 106 Jahren am Ende dieses Jahres seine Tore für immer schließt“, erklärte Jannis Vassiliou am Donnerstag. Der Chef des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen weiter: „Für die Innenstadt Bonns, für Tausende Kinder und Eltern ist das ein weiterer herber Attraktivitäts- und Qualitätsverlust.“ Die Bonner dürften nicht zulassen, dass ihre Stadt auch immer mehr von der neuen „Ego-Art“ geschädigt werde. Vassiliou meint damit, dass sich immer mehr Kunden in den Fachgeschäften auf Kosten von Arbeitsstellen beraten ließen, um dann bei Unternehmen, die teilweise in Deutschland nicht steuerpflichtig sind, online einzukaufen, „weil sie dabei ein paar Euros einsparen“. Dabei nähmen diese Verbraucher nicht nur die Schädigung der Umwelt in Kauf, welche durch den ständig zunehmenden Lieferverkehr verursacht werde. Sie beförderten damit auch die Verödung der Innenstädte, ist Vassiliou überzeugt. Der Einzelhandelsverbandsvorsitzende, der in der Sternstraße ein Juweliergeschäft betreibt, verbindet sein Bedauern über die Schließung von Puppenkönig auch mit einem Seitenhieb gegen die Stadtverwaltung: „Leider nimmt die Bonner Stadtverwaltung den Einzelhandel und seine Probleme nicht ernst und unterstützt beispielsweise durch Einschränkungen der Erreichbarkeit der Innenstadt diesen Zerstörungstrend.“

Auch Karina Kröber zeigte sich über die Nachricht der anstehenden Schließung des traditionsreichen Spielwarengeschäftes bestürzt. „Ich hatte gehofft, es findet sich vielleicht doch noch ein Nachfolger.“ Schließlich handle es sich um ein traditionsreiches Unternehmen, das sich auch viel in die Stadtgesellschaft eingebracht habe. Kröber erinnerte an den einstigen Kinder- und Jugendtreff „Kopfstand“, den Puppenkönig stets mit unterstützt habe. Der Treff war im früheren Siemenshaus am Mülheimerplatz beheimatet, an dessen Stelle heute das neue Haus der Bildung steht. Eltern konnten dort ihre Kinder während des Einkaufsbummels betreuen lassen. „Die Modelleisenbahn in der Vorweihnachtszeit oder die Männerspielabende – das waren schon tolle Events, die uns fehlen werden“, sagte Kröber , die mit ihrer Schwester Tanja Kröber das ebenfalls traditionsreiche Optik- und Hörakustikgeschäft „Kröber – Hören und Sehen“ am Friedensplatz führt.

Bianca Quadt gehört das Spielwarengeschäft „Ludus“ in der Friedrichstraße sowie das von ihrem Großvater 1955 gegründete Spielzeuggeschäft Struck an der Friedrich-Breuer-Straße in Beuel. Bei „Ludus“ verkauft Quadt Spielwaren des gehobenen Niveaus: „Wir führen dort so gut wie kein Plastikspielzeug“, erklärt sie. Anders als manche jetzt vielleicht meinten, freue sie sich überhaupt nicht über die Schließung von Puppenkönig: „Konkurrenz belebt doch das Geschäft, erst die Vielfalt macht die Attraktivität einer Innenstadt aus“, sagt die erfahrene Geschäftsfrau.

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