Traditionsgeschäft an der Gangolfstraße: Puppenkönig in Bonn schließt nach mehr als 100 Jahren

Traditionsgeschäft an der Gangolfstraße : Puppenkönig in Bonn schließt nach mehr als 100 Jahren

Das Spielwarengeschäft Puppenkönig an der Gangolfstraße wird für immer schließen. In dieser Woche wurden die Mitarbeiter über das Ende des Traditionshauses informiert.

Noch vor wenigen Wochen drückten sich Kinder und Erwachsene die Nase am Schaufenster platt und bewunderten die Winterlandschaft, durch die eine Modelleisenbahn ihre Kreise zog. Zum 93. Mal hatten die Mitarbeiter von Puppenkönig in der Vorweihnachtszeit die große Eisenbahn aufgebaut. Es war das letzte Mal. Voraussichtlich im November wird das Traditionshaus an der Gangolfstraße schließen. 2013 hatte das 1873 in Köln gegründete Unternehmen noch sein 100-jähriges Bestehen in Bonn gefeiert.

Auf die Frage nach dem Grund für die Schließung gab sich Inhaber Alfred Westenhöfer zugeknöpft. Dazu wolle er zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, erklärt er dem GA. Nur die Schließung des Spielwarengeschäfts zum Ende des Jahres bestätigte er. Und dass er seine Mitarbeiter darüber am Dienstag informiert habe. Auf die Frage, welche Pläne er mit seiner Immobilie hegt – es handelt sich um ein 1910 errichtetes, repräsentatives Gebäude mit sechs Etagen und Rundbögen im Erdgeschoss – schwieg Westenhöfer.

Ebenso wenig beantworten wollte er die Frage nach der Zahl der betroffenen Mitarbeiter, wovon dem Vernehmen nach einige bereits seit mehreren Jahrzehnten bei Puppenkönig beschäftigt sind. In einem GA-Bericht zum 100. Geburtstag in Bonn hatte der Geschäftsmann noch von 30 Mitarbeitern gesprochen. „Das war vor fünf Jahren. Da hat sich natürlich einiges verändert“, sagte Westenhöfer am Mittwoch.

Im Zuge der Jubiläumsfeier hatten er und seine Frau Mechthild angekündigt, dass ihre Tochter in den Startlöchern stehe, um in der dritten Generation das Spielwarengeschäft fortzuführen. Damals hatte Westenhöfer in einem Gespräch mit dem GA aber auch über den zunehmenden Internethandel und die großen Spielwarendiscounter geklagt, die es Fachgeschäften immer schwerer machten, auf dem Markt zu bestehen. Ein Vorteil sei deshalb die eigene Immobilie.

Babypuppe, Eisenbahn und Legosteine - mit dem Geschäft sind Erinnerungen verbunden

Das Haus an der Gangolfstraße war im Krieg kaum zerstört worden – und zum Markenzeichen des Spielwarengeschäfts geworden. Ob die erste Babypuppe, die Eisen- oder Carrera-Bahn, bunte Lego-Bausteine, das große Feuerwehrauto, die Spielesammlung oder das Gesellschaftsspiel Lotti Karotti, ja, und heute natürlich auch Computerspiele: Kaum ein Kind aus Bonn und der Region, das sich am Geburtstag oder an Weihnachten nicht über ein Spielzeug von Puppenkönig freuen kann.

Aber auch die Großen sind in dem Haus an der richtigen Adresse, gibt es für Bastler doch alles, was das Herz begehrt. Legendär, die von Westenhöfer in jüngster Vergangenheit initiierten und stets ausgebuchten Männerspielabende.

Mit Puppenkönig schließt eines der letzten alteingesessenen und familiengeführten Häuser in der City: Zuletzt sorgte die Firma Carthaus an der Remigiusstraße für Schlagzeilen, als sie nach 160 Jahren ihr Fachgeschäft für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren schloss. Das Medienunternehmen Carthaus konzentriert sich mittlerweile beispielsweise auf das Verlegen von Telefon- und Adressbüchern wie "Das Örtliche" und berät in Sachen Onlinemarketing.

Puppenkönig wurde als „Spielwaren-Haus Puppenkönig“ 1873 in Köln von P.H. Virnich gegründet. 1913 wurde die Filiale in Bonn eröffnet. Seit 1947 ist das Haus an der Gangolfstraße 8 bis 10 zu Hause. Der Vater des heutigen Inhabers, Alfred Fritz Westenhöfer, war in dem Unternehmen zunächst als Buchhalter beschäftigt, 1967 wurde er Alleininhaber.

Erinnerungen an den Puppenkönig

Haben Sie Erinnerungen an oder alte Fotos vom Puppenkönig? Dann schicken Sie uns doch eine Mail an bonn@ga-bonn.de.

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