Puppenkönig Bonn: Räumungsverkauf hat begonnen

Räumungsverkauf bei Puppenkönig in Bonn : Die letzten Teddys müssen raus

Das Bonner Traditionsgeschäft Puppenkönig an der Gangolfstraße schließt nach mehr als 100 Jahren für immer. Ab sofort hat der Räumungsverkauf begonnen und lockt Schnäppchenjäger.

Als Alfred Westenhöfer Anfang des Jahres die Schließung von Puppenkönig zum November ankündigte, war die Resonanz überwältigend. Sogar frühere Kunden, die heute im Ausland wohnen, meldeten sich bei dem Inhaber des traditionsreichen Spielwarengeschäftes und drückten ihm ihr Bedauern aus. Seit Donnerstag läuft der Räumungsverkauf in dem Geschäft an der Gangolfstraße.

Der große Ansturm blieb zunächst aus, so hatten die beiden Sicherheitsleute, die Westenhöfer vorsorglich am Eingang postiert hatte, einen eher gemütlichen Vormittag. Dennoch waren die drei Geschäftsetagen gut besucht. Viele Kunden nutzten die Rabatte von 20 bis 50 Prozent auf Spielwaren, Modellbaukästen und Kinderkleidung, um schon einmal Weihnachtsgeschenke für die eigenen Kinder, Enkelkinder oder den Nachwuchs von Verwandten und Freunden zu besorgen. Nicht wenige verließen den Laden mit vielen Tüten bepackt. „Ich habe bei den Spielen zugegriffen“, sagte Maria Birkler (59), die eigens aus Köln nach Bonn gekommen war, um das eine oder andere Schnäppchen bei Puppenkönig zu machen.

Noch vor sechs Jahren hatte das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen in Bonn gefeiert. Doch Westenhöfer machte mehr und mehr der Internethandel zu schaffen. „Der Internethandel setzt uns Spielwarenhändlern immer mehr zu. Wir sind davon von allen am meisten betroffen. Rund 50 Prozent der Spielwarenverkäufe passieren heute online“, hatte er damals gegenüber dem GA erklärt. Seitdem die Nachricht von der bevorstehenden Schließung die Runde macht, erfahren der Inhaber und seine Mitarbeiter viel Zuspruch von Kunden, die allesamt das Aus von Puppenkönig sehr bedauern. Als weiteren Grund für die Schließung nannte Westenhöfer, inzwischen 65, dass seine beiden Töchter als Nachfolgerinnen nicht zur Verfügung stünden. Beide lebten nicht mehr in Bonn, die eine in Österreich, die andere in Berlin.Nun ist der Schlussstrich gezogen. Je nachdem wie sich der Räumungsverkauf entwickelt, will Westenhöfer Mitte November endgültig die Türe schließen.

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

Seit 1947 an der Gangolfstraße

Die denkmalgeschützte Immobilie hat er als Eigentümer inzwischen verkauft. An wen, dürfe er noch nicht sagen. Auch wisse er nicht, was denn in den Geschäftsräumen geplant sei. „Ich glaube, das weiß auch der neue Eigentümer noch nicht so genau.“ Auf die Frage, was er mit seiner neu gewonnen Freizeit anfangen wolle, lachte er. „Auch wenn das Geschäft geschlossen ist, werde ich zunächst noch viel mit der Abwicklung zu tun haben.“

Neu für ihn und seine Frau ist allerdings das freie Wochenende. „Wir hatten ja bisher stets eine Sechs-Tage-Woche. Die wenigsten können nachvollziehen, wie das ist, nie an einem Samstag frei zu haben.“

Mit Puppenkönig schließt ein weiteres alteingesessenes und familiengeführtes Haus in der City. Seit 1947 befindet sich das einst in Köln gegründete Spielwarenfachgeschäft an der Gangolfstraße. Neben den Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser bleibt dann in der Innenstadt künftig nur noch „Ludus“ an der Friedrichstraße.

Mit Puppenkönig schließt eines der letzten alteingesessenen und familiengeführten Häuser in der City: Zuletzt sorgte die Firma Carthaus an der Remigiusstraße für Schlagzeilen, als sie nach 160 Jahren ihr Fachgeschäft für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren schloss.

Das Medienunternehmen Carthaus konzentriert sich mittlerweile beispielsweise auf das Verlegen von Telefon- und Adressbüchern wie "Das Örtliche" und berät in Sachen Onlinemarketing. Dass in Bonn Geschäfte wie Puppenkönig schließen, bewegt Bonner Bürger wie Kaufleute. Über Generationen hinweg verbinden Menschen schöne Erinnerungen und haben sie mit dem GA geteilt.

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