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"Spaßtage" am Kaiserplatz: Punkerszene sorgt mit Feier für Ärger in Bonn

"Spaßtage" am Kaiserplatz : Punkerszene sorgt mit Feier für Ärger in Bonn

Anwohner haben sich über die so genannten „Spaßtage“ der Punkerszene auf dem Bonner Kaiserplatz beschwert. Die Polizei war 15 Mal wegen lauter Musik vor Ort.

Anwohner rund um den Kaiserplatz haben am Wochenende nach eigenen Angaben kein Auge zugemacht. Laute Musik, Gegröle sowie anhaltendes Hundegebell hätten ihnen in den Nächten zu Samstag und Sonntag den Schlaf geraubt. Grund waren die „Spaßtage“ der Punkerszene, die einmal im Jahr am Kaiserplatz feiert.

Doch nicht nur der stundenlange Lärm war für viele ein Ärgernis. „Dieser zentrale Platz ist zum Saustall verkommen“, beschwert sich Renate Vollmar. Ein Zustand, den ihr Nachbar Bernhard H. Jansen bestätigt. „Im Brunnen wurde ein benutzter Grill entsorgt, überall liegen zerbrochene Glasflaschen und Kippen herum.“

Besonders ärgerlich ist für Jansen, dass sich niemand um die Beschwerden der Anwohner gekümmert hat. „Man weiß nicht, worüber man sich mehr ärgern soll, die Rücksichtslosigkeit der Punker oder die Interesselosigkeit von Ordnungsamt und Polizei“, machte er gegenüber dem GA seinem Ärger Luft. „Sollen die Punker ihren Spaß haben. Nichts dagegen. Aber müssen sie sich gerade mitten im Zentrum austoben und den nicht gerade kleinen Rest der Menschheit, der dort wohnt und arbeitet, verrückt machen?“

Polizei war 15 Mal vor Ort

Jansen beschwert sich zudem darüber, dass die Truppe einen großen Teil des Kaiserplatzes in Beschlag genommen hatte. Auf den angrenzenden Parkplätzen standen mobile Toiletten, sämtliche Bänke sowie die Wiese waren blockiert. „Viele Passanten trauten sich nicht mehr die üblichen Wege zu Bus und Bahn zu gehen, Straßencafés waren deutlich weniger frequentiert, und die Anwohner wurden um ihren Schlaf gebracht“, schimpfte Jansen.

Tatsächlich ist die Polizei am Freitag und Samstag nach Bürgerbeschwerden insgesamt 15 Mal an Ort und Stelle gewesen, bestätigt Frank Piontek von der Bonner Polizei. Dabei habe es sich ausschließlich um Klagen wegen zu lauter Musik gehandelt. Etwa 60 bis 70 Personen seien jeweils anwesend gewesen.

Am Samstagabend verlagerte sich das Treffen kurzzeitig in die Rheinaue. Dort sollen etwa 150 Punker gewesen sein. „Die Punker-Spaßtage gibt es seit vielen Jahren. Bei diesen Zusammenkünften handelt es sich aber nicht um eine Veranstaltung, die anzeige- beziehungsweise genehmigungspflichtig ist. Es gibt keinen Veranstalter, sondern die Verabredung läuft über Social-Media-Kanäle“, erläuterte Andrea Schulte vom Presseamt der Stadt. „Die Punker verhielten sich – wie in den Vorjahren – vernünftig. Anzeigen mussten nicht aufgenommen werden.“

Stadt: Punker verhielten sich vernünftig

„Es geht um Kontrolle und Einfordern des manierlichen Verhaltens im öffentlichen Raum, Spielregeln, die für alle gelten“, bemängelt Renate Vollmar. Es gehe aber auch um eine akzeptables Miteinander. „Wir wollen Beethoven-Stadt, UN-Stadt, respektable Universitätsstadt sein. Ganz gleich, ob per Bus, Bahn, U-Bahn angereist wird: Diese Stadt hinterlässt einen ungepflegten, verschmierten Eindruck.“

Sie hat sich nach den „Spaßtagen“ an Oberbürgermeister Ashok Sridharan gewandt. „Genug ist genug“, unterstreicht sie ihre Position. „Die Toleranzgrenzen sind zu hoch. Es gibt keine Rücksichtnahme mehr, und niemand kümmert sich darum, wenn Grenzen überschritten werden“, beklagt Jansen.