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Prozess in Bonn: 23-Jährige gesteht Messerangriff auf schlafenden Ex-Freund

Messerangriff auf Ex-Freund in Bonn : Frau googelte „Wie töte ich einen Menschen mit einem Messer“

Eine 23 Jahre alte Frau muss sich seit Donnerstag wegen versuchten heimtückischen Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Bonner Landgericht verantworten. Am ersten Prozesstag räumte die Frau die Vorwürfe ein.

Die gemessene, ernsthafte Weise, in der die Angeklagte über ihre Tat berichtete, ließ niemanden im Gerichtssaal kalt. Nüchtern und analytisch zeichnete sie das Bild einer Frau, die offenbar berechtigte Angst empfindet, zu einer Gefahr für ihre Mitmenschen geworden zu sein. Seit Donnerstag muss sich eine 23-jährige Frau aus Beuel vor dem Bonner Schwurgericht wegen versuchten Mordes an ihrem früheren Lebensgefährten verantworten.

Die Tat geschah am 5. September vergangenen Jahres in der Souterrainwohnung eines Mehrfamilienhauses in einem ruhigen Wohnviertel im Osten Beuels. Wie so oft habe sie nicht schlafen können, sei aufgewühlt und unsicher gewesen, habe große Angst vor ihrer ungewissen Zukunft gehabt, gab die 23-Jährige an. Offenbar hatte sie sich wenige Monate zuvor von ihrem Lebensgefährten getrennt, mit dem sie sich noch immer die Wohnung teilte, die jedoch zum Ende des Monats gekündigt war. Ihre Ausbildung hatte sie bereits zum Ende des Vormonats vorzeitig beendet: Sie war ohnehin wegen einer schweren Depression krankgeschrieben.

In der depressiven Stimmung, in der sie sich an jenem Abend befand, hätte sie normalerweise zu einem Joint gegriffen, gab sie vor Gericht an. Da aber nichts im Haus gewesen sei, habe sie drei Tabletten eines Beruhigungsmittels genommen und ein Glas Whisky getrunken. Als sie dennoch nicht in den Schlaf finden konnte, habe sie sich neben die Schafcouch gestellt und ihren schlafenden Ex-Partner einfach nur angesehen. Warum wisse sie nicht, sie habe sich das selber gefragt, sich aber zunächst außerstande gesehen wegzugehen. „Plötzlich waren alle Emotionen verschwunden“, sagte sie der Kammer.

Frau googelte „Wie töte ich einen Menschen mit einem Messer“

Dann habe sie „Wie töte ich einen Menschen mit einem Messer“ gegoogelt. Nach einer Zeitspanne, für deren Dauer sie kein Gefühl gehabt habe, habe sie ein Küchenmesser geholt und mehrfach auf ihren Partner eingestochen. Als der aufwachte, habe sie zum Telefon gegriffen und den Notruf 110 angerufen. Dann lief sie weg.

Offenbar waren der Frau neben Suizid- auch zuvor schon Mordgedanken gekommen: „Ich kann mir nicht erklären, warum ich eine absolut unschuldige Person – jemand der mir nichts getan hat – so verletzen wollte“, gab sie an. Bereits eine Woche zuvor hatte sie wegen ähnlicher Fantasien Rat bei einem Bekannten gesucht. Sie habe Angst vor sich selber verspürt. Der Freund war mit ihr daraufhin zur Polizei gegangen, wo man ihr die LVR-Klinik empfohlen habe. Dort wendete sie sich hin, fühlte sich jedoch auch bei einer diensthabenden Ärztin nicht ernstgenommen.

Nach ihrem derzeitigen Zustand befragt, gab die Angeklagte an, sie habe mehr als je zuvor das Bedürfnis zu leben. Auch mit Gedanken an Selbstmord trage sie sich nicht mehr, weil sie es verdient habe, verurteilt zu werden.

(dpa)