Chaos auf Baustelle in Bonn: Probleme im Grund der Beethovenhalle lange bekannt

Chaos auf Baustelle in Bonn : Probleme im Grund der Beethovenhalle lange bekannt

Die Stadt Bonn hat bestätigt, dass die Sanierung der Beethovenhalle frühestens 2022 beendet sein wird. Unterdessen wurde bekannt, dass schon 1996 eine Untersuchung neben der Halle gezeigt hat, wie problematisch der Baugrund ist.

Die schwierige Beschaffenheit des Baugrunds an der Beethovenhalle ist der Stadtverwaltung seit mindestens 23 Jahren bekannt. Das geht aus einer nichtöffentlichen Mitteilung an den Rat von 1996 hervor. Mauerreste und Hohlräume im Untergrund haben, wie berichtet, zur Steigerung der Sanierungskosten beigetragen, die auf 102 Millionen Euro prognostiziert sind, aber nach Einschätzung des Projektsteuerers „deutlich“ steigen werden (siehe „Stadt räumt Verzögerung bis 2022 ein“).

SPD will die Rechnungsprüfer einschalten

1996 hatte die Stadt die Halle um den Südtrakt erweitert. Schon beim Ausschachten zeigte sich der Mitteilung zufolge, dass ein Drittel des Aushubs aus Basaltresten der historischen Stadtmauer, Ziegeln, Betonplatten und altem Mauerwerk bestand – die Beethovenhalle ist auf den Trümmern der ehemaligen Uniklinik errichtet worden. Ein Gutachter habe in zwei bis neun Metern Tiefe „heterogene, nicht tragfähige Auffüllungen“ festgestellt. Die Lasten des Neubaus und der Randbereiche des Altbaus sollten deshalb mit Betonpfählen auf darunterliegende Sand- und Kiesschichten abgeleitet werden.

„Der Umfang der damaligen Maßnahme ist nicht mit dem Umfang der laufenden Sanierung zu vergleichen“, erklärt Stadtsprecherin Monika Hörig. „Abgesehen von der Ausschachtung im Bereich des Südtraktes fanden damals keine nennenswerten Erdarbeiten statt, die weitere Erkenntnisse zum Baugrund hätten liefern können.“

Rundgang durch die Beethovenhalle

Sämtliche Bestandsunterlagen zur Beethovenhalle seien 2013 und 2014 digitalisiert, sortiert und allen Projektbeteiligten der 2015 beschlossenen Sanierung zur Verfügung gestellt worden, darunter auch alle Bodengutachten. Das Berliner Architektenbüro, das die Stadt mit der Projektplanung beauftragt hat, habe die Unterlagen in Papierform erhalten.

Ob die Untersuchungsresultate aus dem Jahr 1996 dabei waren, scheint aber unklar zu sein. In einer Mitteilung aus dem Büro des politisch verantwortlichen Stadtdirektors Wolfgang Fuchs an den GA heißt es: „Die konkret vorgefundene Baugrundsituation war nicht zuletzt deshalb, weil sie seinerzeit bei Erstellung des Gebäudes sowie bei der Erweiterung in den 1990er Jahren nicht in den Planunterlagen dokumentiert worden ist, in dieser Form nicht vorhersehbar.“

Vor dem Sanierungsstart Ende 2016 seien 172 Untersuchungen mittels Bohrungen durchgeführt worden – koordiniert vom Objekt- und vom Tragwerksplaner. Dabei seien auch der Baugrund geprüft worden. All das habe aber „nicht die Ergebnisse geliefert, wie sie letztlich im Baugrund vorgefunden worden“ seien. Die Verwaltung sei immer davon ausgegangen, so das Presseamt, „dass der Objektplaner und vor allem der Tragwerksplaner alle aus den seinerzeit übergebenen Unterlagen resultierenden Erkenntnisse im Rahmen seiner Planung berücksichtigt hat“.

Die SPD hält die Probleme für „hausgemacht“. „Eine so deutliche Kostensteigerung lässt uns befürchten, dass der schwierige Untergrund nicht eingeplant war“, sagt Fraktionschefin Angelika Esch. Gemeinsam mit den Sozialliberalen haben die Genossen eine Sondersitzung des Rates beantragt (Montag, 18. März, um 18 Uhr im Stadthaus). Die SPD will zudem das Rechnungsprüfungsamt einschalten. Der Bürger Bund Bonn fordert Oberbürgermeister Sridharan auf, dem Stadtdirektor die Verantwortung für die Beethovenhalle zu entziehen. Gegen leitende städtische Mitarbeiter müssten disziplinarrechtliche Schritte geprüft werden.

Das Beethovenfest stellt sich unterdessen darauf ein, auch 2021 und 2022 das World Conference Center Bonn (WCCB) als Ersatzspielstätte zu nutzen. „Eine weitere Hauptspielstätte wird von der Festivalleitung nicht erwogen“, teilte Sprecherin Barbara Dallheimer mit.

Vor einem Jahr hatte die Stadt bereits Aufträge für rund 50 Millionen Euro vergeben. Wie viel jetzt noch ausstehe, werde ermittelt, teilte Stadtsprecherin Monika Hörig mit. Zusätzlich sei zum Beispiel mit Materialpreissteigerungen, höheren Personalkosten und Forderungen der Planer und Berater für „Leistungswiederholungen infolge von Kündigungen“ zu rechnen. Die Stadt selbst prüft wie berichtet, ob sie den Objektplaner kündigt und einen Neustart versucht. Dazu äußerte sich das Presseamt nicht.

Mehr dazu gibt es in unserem Thema zur Beethovenhalle.