Nach tödlichem Unfall von 25-Jähriger: Probleme bei Einführung des Abbiegeassistenten in Bonn

Nach tödlichem Unfall von 25-Jähriger : Probleme bei Einführung des Abbiegeassistenten in Bonn

Die Fahrzeuge von Bonner Stadtverwaltung, Stadtwerken und Bonnorange sollen mit Abbiegeassistenten ausgestattet werden, damit Fußgänger und Radfahrer besser geschützt sind. Ein Feuerwehrfahrzeug wird testweise nachgerüstet.

Immer wieder kommt es im Straßenverkehr bei Abbiegevorgängen zu gefährlichen Situationen, insbesondere dann, wenn Lastwagen oder Busse abbiegen möchten. Radfahrer oder Fußgänger, die sich seitlich an den Fahrzeugen aufhalten, werden leicht übersehen. Erst Anfang Juni starb eine junge Radfahrerin bei einem schweren Unfall am Heinrich-Böll-Ring, als der Fahrer eines Lastwagens rechts abbiegen wollte. Anfang Juli wurde eine 84-jährige Radfahrerin in Bad Honnef von einem Lastwagen erfasst und lebensgefährlich verletzt.

CDU, FDP und Grünen hatten deshalb gemeinsam einen Dringlichkeitsantrag gestellt, dass städtische Fahrzeuge, Fahrzeuge der Stadtwerke Bonn und die Müllfahrzeuge von Bonnorange mit den sogenannten Abbiegeassistenten ausgerüstet werden sollen. „Solange es noch keine bundesgesetzliche Vorschrift zum verpflichtenden Einsatz technischer Abbiegeassistenten gibt, wäre es gut, wenn Stadt, Bonnorange und Stadtwerke mit gutem Beispiel vorangehen und freiwillig etwas für die Erhöhung der Verkehrssicherheit tun“, schrieben die Fraktionen.

Auf Ausreden der Fahrzeughersteller, dass es noch keine mit den Abbiegeassistenten gekoppelten automatischen Bremssysteme gebe, wollten sich die Politiker dabei nicht einlassen. „Notfalls könnte die Nachrüstung durch den Einsatz von Produkten anderer Anbieter erfolgen“, schreiben sie und geben der Verwaltung die Richtung vor. Doch so leicht scheint eine Nachrüstung nicht zu sein.

„Es sieht es so aus, dass die beiden Hersteller, deren Busse wir aktuell im Einsatz haben, erst ab dem Modelljahr 2019/2020 Abbiegeassistenten mit einem gekoppelten automatischen Bremssystem anbieten“, erklärte Michael Henseler von den Stadtwerken Bonn (SWB). Nachrüstungen würden die beiden Hersteller MAN und Evobus derzeit noch nicht anbieten. „Es wird zur Zeit geprüft, ob Nachrüstlösungen bei Bestandsfahrzeugen überhaupt möglich sind“, so Henseler. Bei einer aktuell laufenden Ausschreibung für 23 neue Dieselbusse hätten die SWB die Hersteller aufgefordert, in ihren Angeboten die automatischen Bremssysteme optional zu berücksichtigen. „Die Lieferzeit beträgt aktuell etwa zwölf Monate. Die Fahrzeuge könnten demnach frühestens Mitte 2020 in Bonn eingesetzt werden.“

Zwölf städtische Fahrzeuge haben Assistenten

Die Stadt hat derzeit zwölf Fahrzeuge im städtischen Fuhrpark, die mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet sind, heißt es aus dem Presseamt. „Drei Fahrzeuge des Theaters kommen in den nächsten Tagen hinzu“, sagte Marc Hoffmann. Entgegen der von der Verwaltung ermittelten Kosten von geschätzt 400.000 Euro für die Umrüstung von mehr als 210 städtischen Fahrzeugen, hat die Politik nur 200 000 Euro bereitgestellt. „Verwaltungsintern wurde beschlossen und in verschiedenen Stellungnahmen auch mitgeteilt, dass bei den Nachrüstungen die Fahrzeuge der Feuerwehr, die weniger Einsätze vorweisen, erst einmal zurückgestellt werden, und dafür der Großteil der städtischen Fahrzeuge auf den Weg gebracht wird“, sagte Hoffmann. „Sofern weitere Mittel bereitgestellt werden, sollen die Feuerwehrfahrzeuge dann in einem zweiten Schritt nachgerüstet werden.“ Eine Umrüstung koste pro Fahrzeug zwischen 1900 und 2800 Euro, bei Neuanschaffungen bis zu 8000 Euro – was vor allem neue Lastwagen inklusive Notbremsassistent betreffe.

Feuerwehrfahrzeuge seien laut Hoffmann etwas komplizierter umzurüsten. Die Spezialfahrzeuge hätten verschiedene Aufbauten und dadurch unterschiedliche Platzverhältnisse. „Die Verwaltung wird im Sommer versuchsweise ein Fahrzeug umzurüsten, um Erfahrungen zu sammeln.“

Bonnorange hat derzeit drei Lastwagen mit elektronischen Abbiegeassistenten ausgestattet. Sollte es technisch möglich sein, sollen drei weitere Fahrzeuge noch in diesem Jahr mit dem Sicherheitssystem ausgestattet werden. „Fahrzeuge, die in unserem Betrieb ersatz- und neubeschafft werden, werden direkt mit dem Abbiegeassistenten ausgestattet“, sagte Jasmin Mangold von Bonnorange dem GA. Elf Fahrzeuge seien derzeit in der Beschaffung, die dann ebenfalls mit der neuen Technik ausgerüstet sind.

Wie die SWB erklärt auch Bonnorange, dass bestehende Fahrzeuge nur sehr schwer nachgerüstet werden können. „Fahrzeuge, die momentan nicht über einen Abbiegeassistenten verfügen, könnten nur sehr aufwendig und kostenintensiv nachgerüstet werden, und erreichen dann nicht die Qualität der Technik, wie neue Fahrzeuge, die bereits mit der Technik eingekauft werden“, so Mangold. Man habe sich daher dazu entschieden, den Fuhrpark nach und nach über Neubeschaffungen auszutauschen und „somit dann überall die Abbiegeassistenten standardmäßig verbaut zu haben“.

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