In der Nachbarschaft brodelt es: Probleme am afghanischen Konsulat in Ückesdorf

In der Nachbarschaft brodelt es : Probleme am afghanischen Konsulat in Ückesdorf

Warteschlangen, Wildparker, Streitereien: Polizei und Ordnungsamt werden oft zum afghanischen Konsulat in den Liebfrauenweg gerufen. Den Nachbarn ist das Spektakel ein Dorn im Auge.

Der Liebfrauenweg wirkt beschaulich. In der Anliegerstraße sind hübsche, zum Teil neue Häuser zu finden – eine begehrte Wohnlage, wie es scheint. Doch der Schein trügt, denn innerhalb der Nachbarschaft brodelt es. Ärger, Verzweiflung und Polizeieinsätze prägen das Leben in der Straße. Grund dafür ist das afghanische Konsulat, das in einem Klinkerbau montags bis donnerstags in der Zeit zwischen 9 und 16 Uhr afghanische Staatsbürger empfängt.

In der Vergangenheit war die Straße schon öfter in die Schlagzeilen geraten, weil es immer wieder zu Polizeieinsätzen kam. Die Anwohner ärgerten sich über vermüllte Vorgärten oder hatten Schwierigkeiten, durch Wildparker einen Parkplatz zu finden. Rund 40 Anlieger hatten in der Vergangenheit in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) die für sie unerträgliche Situation beschrieben. Besonders zum Jahresanfang sei die Situation angespannt gewesen, weil dort täglich 40 bis 50 Menschen vor dem Konsulat warteten, um sich neue Pässe zu besorgen. Das Konsulat betreut afghanische Staatsbürger, die in mehreren deutschen Bundesländern leben. Auf seiner Webseite bietet das Konsulat zwar eine Terminvereinbarung an, viele der Besucher nutzen diese aber nach GA-Informationen nicht, sondern kommen einfach ohne Termin nach Ückesdorf – dies würde unter anderem die großen Menschenansammlungen verursachen.

Die Situation habe sich in den vergangenen Wochen laut einer GA-Leserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, verschärft. Fast jede Woche würde es laut ihrer Aussage zu Einsätzen der Polizei oder des Ordnungsamtes kommen. Erst vor wenigen Wochen habe es einen Tumult gegeben. „Direkt vor den Garagen gab es eine Schlägerei. Es gab einen wahnsinnigen Lärm, ich bin direkt ins Haus – es war zu gefährlich“, berichtet sie. Die Polizei sei schnell mit zwei Fahrzeugen vor Ort gewesen. Auch das Ordnungsamt sei gekommen. Als die Polizei abgerückt sei, sei die Schlägerei weitergegangen. „Mein Vater wollte dazwischengehen und schlichten“, berichtet die Frau. Der ältere Mann sei dabei von einem Konsulat-Besucher zur Seite genommen worden. „Er meinte, dass er seine Landsleute kenne und es für mich besser sei, wenn ich mich nicht einmische. Es sei viel zu gefährlich. Der Mann meinte es gut mit mir“, berichtet der ältere Herr dem GA.

Doch die Gewalt sei nur ein Problem. „Die Afghanen kommen in Scharen hierher und müssen sehr, sehr lange warten, bis sie mal in das Konsulat können“, so die Leserin, „natürlich müsse man dann auch einmal auf die Toilette“. Oftmals würden die Geschäfte in den Vorgärten oder Hecken verrichtet. Windeln würden ebenfalls auf dem Grün landen. „Die Mütter schicken ihre Kinder zum Spielen in die Gärten. Rücksicht wird keine genommen“, sagt sie. Einige der Anwohner würden schon darüber nachdenken, ihre Häuser zu verkaufen – viele hätten Angst vor einem Wertverlust ihrer Immobilien.

Dass es nun vermehrt zu Gewalttätigkeiten kommen würde, kann die Bonner Polizei gegenüber dem GA nicht bestätigen. „Den Einsatz am 9. Juli gab es, da wurden wir zu einer Schlägerei gerufen. Vor Ort hatte es sich allerdings als verbale Auseinandersetzung dargestellt, es wurden auch keine Anzeigen gefertigt“, erklärte Polizeisprecher Frank Piontek. Die Polizei habe die Lage vor dem Konsulat im Blick und würde dieses auch in die Streifenfahrten einbeziehen.

Auch die Stadt Bonn kann eine aktuelle Verschlimmerung der Zustände nicht feststellen. „Das Ordnungsamt kontrolliert den Bereich um das Konsulat regelmäßig, unhaltbare Zustände, wie beschrieben, sind aktuell aber nicht bekannt. Bei den meisten Einsätzen des Ordnungsamtes handelt es sich um Parkverstöße“, sagte Andrea Schulte vom städtischen Presseamt. Es würde keine öffentlich-rechtliche Vorschrift geben, die den Aufenthalt auf dem Gehweg verbiete, erklärte sie. „Das Ordnungsamt wird weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Gegebenheiten vor Ort richten“, so Schulte.

Dem Auswärtigen Amt in Berlin sind die Zustände an dem afghanischen Konsulat bekannt. „Der Fall ist dem Auswärtigen Amt bekannt. Das Ordnungsamt der Stadt Bonn ist informiert und hat mitgeteilt, dass es sich vor Ort um eine Lösung bemüht. Sollte dies im Einzelfall erforderlich sein, hat auch das Auswärtige Amt die Möglichkeit, auf die jeweilige Vertretung einzuwirken und um Abhilfe zu bitten“, heißt es aus dem Amt. Eine GA-Anfrage ließ das afghanische Konsulat unbeantwortet.

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