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Kirchen und ihre Schätze in Castell: Prächtig strahlen die Fenster

Kirchen und ihre Schätze in Castell : Prächtig strahlen die Fenster

Die Herren rechts, die Damen links. So, wie früher üblich, sitzen in der St.-Joseph-Kirche in Bonn-Castell die Geschlechter immer noch streng getrennt voneinander. Diese mittlerweile überholte "Sitzordnung" gilt allerdings nicht für die Gottesdienstbesucher.

"Nein, nur für unsere Heiligen", schmunzelt Klaus Vogel, jahrzehntelang Mitglied im Kirchbauverein der Gemeinde. Jeweils sechs prächtige Fenster ziehen sich zu beiden Seiten der Hallenkirche. Eingelassen in die hohen Rundbogennischen, entstanden sie in der Zeit von 1955 bis 1964 nach Entwürfen von Professor Wilhelm Rupprecht. Jedes Fenster besteht aus mehreren Bildern. Während im oberen Bereich der jeweilige Heilige zu sehen ist, sind darunter Szenen aus seinem Leben dargestellt. "Die Heiligen führen uns hin zum Altar und sollen uns den Weg zu Gott bereiten", stellt Vogel den Leitgedanken der bunten Glaskunstwerke vor. Während auf der "weiblichen Seite" Helena, Lioba, Hildegard von Bingen, Hedwig von Andechs, Elisabeth von Thüringen sowie Agnes und Maria Goretti zu erkennen sind, zieren auf der rechten Seite Abbildungen von Pius X. und Pius XII., Petrus Canisius, Hermann Joseph, Heinrich II., Bonifatius sowie Cassius und Florentius die hohen Fensternischen.

Ergänzt und komplettiert werden die Seitenfenster durch die große Glasrosette in der Eingangsfassade. In den Jahren 1966 bis 1971 entstand das Rundfenster mit einem Durchmesser von vier Metern nach einem Entwurf von Walter Brenner. In kräftigen Rot- und Blautönen gearbeitet, stellt es Christus umgeben von einer Vielzahl Engeln dar. Klaus Vogel kommt ins Schwärmen, wenn er das Fenster betrachtet. "So, wie die Engel zu Ehren des Herrn singen, so stimmen die Pfeifen unserer Orgel in die Loblieder ein." Denn die neue Orgel wurde so aufgebaut, dass der Blick auf die Rosette frei bleibt. "Das Ensemble der verschiedenen Fenster ist für mich der größte Schatz in unserer Kirche", so Vogel.

Mit dem Bau von St. Joseph wurde 1930 begonnen. Zwischen den beiden Weltkriegen wuchs die Bonner Bevölkerung stark an, neue Stadtviertel entstanden. Auf dem Areal des heutigen Gotteshauses standen damals Kasernen. Immer mehr Menschen siedelten sich in deren Nähe an. Nur das Eckgrundstück Graurheindorfer Straße/Kaiser-Karl-Ring blieb unbebaut. Dort sollte das markante Backsteingebäude entstehen.

Anfang der 1920er Jahre wurde der Wettbewerb ausgeschrieben, 1930 begann man mit den Arbeiten nach den Plänen der Kölner Architekten Alois Böll (Onkel des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll) und Neuhaus. Sie entwarfen die Hallenkirche mit erhöhtem Chorraum, einer hohen Holzdecke (heute Sattel- früher eine Kassettendecke) und einem an der rechten Seite vorgebauten Turm. "Unsere Kirche war damals die erste in Bonn, die sich durch moderne Stilelemente in ihrer Architektur von den bisherigen abhob", erklärt Klaus Vogel. Das Gebäude ist ohne stützende Säulen konzipiert, von jedem Platz aus hat der Besucher einen freien Blick auf den erhöhten Altar. Am 13. Dezember 1931 wurde St. Joseph geweiht und am 3. Juli 1934 konsekriert. Doch die Freude über den neuen Gemeindemittelpunkt hielt nicht lange. 1944 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff stark beschädigt. Gleich nach Kriegsende begann der Wiederaufbau anhand der Originalpläne. In den 1970er Jahren fanden dann weitere Umbaumaßnahmen im Inneren statt.

Betritt man St. Joseph, dann fällt sofort das raumgroße Mosaik hinter dem Altar auf. Ludwig Schaffrath fertigte es aus drei unterschiedlichen Steinarten, die sich in verschiedenen geometrischen Formen zusammenfügen. Dort, sowie unter dem Altar, wurden Reliquien eingelassen. Im Turm hängen sechs Glocken der Gießerei Petit und Edelbrock, die am 28. Oktober 1958 geweiht wurden. Als Glockenpatrone wählte man Joseph, Pius X., Heinrich, Maria, Hedwig und Hildegard.

Auch wenn St. Joseph für Vogel eine ganz besondere Kirche ist, so hat er doch noch Wünsche. "Es wäre schön, wenn wir den Zugang zu unserer Krypta und der Totengedächtniskapelle im Untergeschoss behindertengerecht gestalten könnten." Und noch etwas liegt ihm am Herzen. "Wir müssen ein gutes Bewachungssystem installieren lassen", fordert er. Denn Metalldiebe haben in jüngster Vergangenheit nicht nur die bronzenen Josephfigur vom Brunnen auf dem Kirchenvorplatz gestohlen, sie haben auch die schweren Türknöpfe aus Metall abmontiert. "Und auch an anderen Stellen hat man bereits versucht, Bauteile abzumontieren", ergänzt er.