9,3 Millionen Euro für DHL-Neubau: Post kauft riesiges Areal im Bundesviertel

9,3 Millionen Euro für DHL-Neubau : Post kauft riesiges Areal im Bundesviertel

Ein größeres Bauprojekt hat das Bundesviertel seit vielen Jahren nicht gesehen: Die Stadt Bonn verkauft der Deutschen Post DHL Group ein 11.500 Quadratmeter großes Areal. Der DHL-Neubau im Bonner Bundesviertel soll Platz für 2500 Arbeitsplätze bieten.

Der DPDHL-Konzern will in fußläufiger Entfernung zur Bahnhaltestelle UN-Campus ein mächtiges Bürogebäude mit etwa 2500 Arbeitsplätzen errichten, um dort Mitarbeiter unterzubringen, die bisher in diversen Mietobjekten in Bonn tätig sind. Zum Vergleich: Im Post Tower arbeiten etwa 2200 Frauen und Männer. Der Rat stimmte dem Geschäft, das der Stadt 9,3 Millionen Euro bringen soll, am Montag in nicht-öffentlicher Sitzung zu, wie jetzt durchsickerte.

Die Post plant in dem Neubau laut der vertraulichen Beschlussvorlage der Stadtverwaltung die Zentrale ihres Konzernbereichs DHL. „Wir freuen uns, dass wir vom Rat die Zusage bekommen haben, die Grundstücke in der Baunscheidtstraße kaufen zu dürfen“, erklärte Postsprecherin Hannah Braselmann am Donnerstag lediglich. „Wir sind mitten im Prozess vielfältiger Abstimmungen und können daher keine weiteren Details zur Verfügung stellen.“

Der Konzern hatte das Projekt allerdings schon im April 2018 angekündigt. Geplant sei ein langgestrecktes Gebäude mit fünf Etagen sowie Staffelgeschoss und 52.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, hieß es damals. Und: Die Investition werde bei „deutlich mehr als hundert Millionen Euro“ liegen.

Die Post wünschte sich einen Baustart 2020, was wohl nicht mehr zu schaffen sein dürfte. Zwar ist der Architektenwettbewerb schon abgeschlossen und ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Das Verfahren kann aber bis zu zwei Jahre dauern. Und die Ratsmehrheit hatte Wert darauf gelegt, dass zunächst die Rahmenplanung für das gesamte Bundesviertel steht. Das ist nun der Fall (siehe Infokasten „Der Rahmenplan“).

Bürger Bund Bonn hält Verkaufspreis für zu niedrig

Insgesamt ist das Baufeld an der Baunscheidtstraße 3-9, 13 und 15 rund 16.000 Quadratmeter groß. Die Post benötigt für ihr Projekt noch benachbarte Flächen anderer Eigentümer – darunter auch der städtischen Vebowag, die mit ihrer bisher dort angesiedelten Verwaltung umziehen soll. Der Kaufpreis für die städtischen Grundstücke ist ein vorläufiger und richtet sich nach der tatsächlichen Bürofläche, die später genehmigt wird. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte wird den Betrag danach endgültig festlegen. Eine Anzahlung von 2,5 Millionen Euro ist zum 30. Januar 2020 fällig – dann gehen Nutzungsrechte und Pflichten für das Areal auf den Konzern über.

Anders als bei früheren Grundstücksverkäufen am Hauptbahnhof und am Bonner Bogen sichert sich die Stadt diesmal besser gegen altlastenbedingte Mehrkosten ab, die vom Erwerber vom Kaufpreis abgezogen werden könnten. Laut Beschlussvorlage ist dieses Risiko im Vertrag auf eine Höchstsumme von einer Million Euro zu Lasten der Stadt gedeckelt. Sollte die Altlastenentsorgung mehr als zwei Millionen Euro kosten, hat die Post wiederum ein Rücktrittsrecht. Die Stadt will einen Gutachter damit beauftragen, die Maßnahmen an Ort und Stelle zu überprüfen.

Gegen den Verkauf stimmten im Rat einige Grüne und Linke sowie der Bürger Bund Bonn (BBB). Der BBB hält den Verkaufspreis für zu niedrig und fürchtet eine Verschärfung der Verkehrsprobleme im Viertel, wie dem vertraulichen Protokoll der Sitzung zu entnehmen ist.

Dieses Video ist Teil der Kooperation von GA und WDR.

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