Roboter in der Logistik: Post DHL testet Zustellung mit E-Buggys

Roboter in der Logistik : Post DHL testet Zustellung mit E-Buggys

Der Bonner Konzern entwickelt Roboterwagen mit dem französischen Startup Effidence. Die vollautomatisierten Fahrzeuge sollen künftig Postboten bei der Auslieferung unterstützen.

Die Deutsche Post DHL Group wird mit dem französischen Startup-Unternehmen Effidence die Zustellung mit Roboterwagen entwickeln. Das teilte Matthias Heutger, Senior Vice President Strategy, Marketing and Innovation bei DHL, dem General-Anzeiger mit.

In welcher Form die Entwicklungszusammenarbeit mit Effidence laufen wird, stehe noch nicht fest, sagte Heutger. Ende 2014 hatte der Postkonzern das Startup StreetScooter zu hundert Prozent übernommen, das im Umfeld der Technischen Hochschule in Aachen entstanden war. Streetscooter stellt Elektrofahrzeuge her, mit denen Pakete ausgeliefert werden. Derzeit sind 1200 der gelben E-Autos im Flottentest. Laut Heutger gibt es viele Anfragen bei Streetscooter von anderen Firmen, etwa Handwerksbetrieben, die den kostengünstigen Kastenwagen im Arbeitsalltag nutzen wollen. Ob man auch für Dritte bauen würde, ließ Heutger dahingestellt. Immerhin sollen im nächsten Jahr schon 10 000 Stück produziert werden.

Einen Prototyp von Effidence, den Effibot, hat DHL bereits im Lagerbetrieb getestet. Die Nutzung auf der Straße stellt den Hersteller vor neue Herausforderungen, denn dort müssen Bordsteine genommen, Asphalt- ebenso wie Pflaster- und Schotterwege gefahren sowie Hindernisse jeder Art erkannt und eventuell umfahren werden. Dafür ist der Effibot mit Sensoren und Kameras bestückt, auf Knopfdruck folgt er dem Zusteller wie ein treuer Hund. Wenn bewegliche Hindernisse seinen Weg kreuzen, bleibt er stehen. Regenfest muss das elektrisch betriebene Fahrzeug ebenfalls sein. Wie Heutger erläutert, hat das Roboterzeitalter in der Logistikbranche gerade erst begonnen. Während Industrieroboter in Fabriken bereits in den 1960er Jahren einzogen, konnte der Mensch in der Lagerhaltung, Kommissionierung und Zustellung bisher nicht durch Maschinen ersetzt werden, weil die Abläufe zu komplex waren. Die heutige Computertechnik – ultraschnelle Prozessoren, ständig wachsende Speicherkapazitäten, eine ausgeklügelte Sensortechnik und sinkende Hardwarekosten – lässt Roboter technisch und ökonomisch sinnvoll erscheinen. Dass die denkende Maschine den Menschen künftig weitgehend ersetzt, glaubt Heutger nicht. „Die Stellenprofile werden sich ändern. Wir sehen den Roboter eher als kollaborierenden Partner.“ Ein Partner, der schwere Lasten abnimmt und Tätigkeiten mit endlosen Wiederholungen auch 24 Stunden erledigen kann, ohne zu ermüden.

Der Einsatz von Robotern bei der Post ist auch eine Antwort auf eine alternde Belegschaft. Zudem sagen Studien in den kommenden 15 Jahren einen Arbeitskräftemangel in Deutschland von zehn Millionen Menschen voraus. Die Lücke könnten Maschinen ausfüllen. Ein Prototyp Roboter mit zwei Greifarmen, der Bewegungsabläufe vom Menschen lernen kann, indem er diese mittels Sensoren „abguckt“, ist bei der Post bereits in einigen Lagern weltweit im Testbetrieb. Ein weiteres Pilotprojekt läuft seit vier Monaten mit „Augmented Reality“. Datenbrillen unter anderem von Google liefern dem Mitarbeiter die Informationen über Warenbestellungen – Produktnummer, Stückzahl, Lagerort im Regal. Sogar der Scanner ist in die Brille integriert, so dass kein Gerät in die Hand genommen werden muss. Heutger: „So kann man die Angst vor der Technisierung verlieren.“