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Autos in Serie geknackt: Polnische Diebesbande steht vor Bonner Landgericht

Autos in Serie geknackt : Polnische Diebesbande steht vor Bonner Landgericht

Weil sie in Serie Autos in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis geknackt und über die Grenze nach Polen gefahren haben sollen, stehen mehrere Männer vor dem Bonner Landgericht. Sie gingen nicht immer professionell vor.

Keine zwei Minuten brauchten die Diebe, um die verschlossenen Autos aufzubrechen, den Bordcomputer zu knacken und die wertvolle Beute übergangsweise an einem sicheren Ort zu parken, bis sie über die Grenze nach Polen gefahren wurde und damit spurlos aus dem Blickfeld der Ermittlungen verschwand. Vor dem Bonner Landgericht müssen sich seit Mittwoch ein 58-jähriger Pole und sein 35-jähriger Sohn wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls sowie Hehlerei in 18 Fällen verantworten. Mit auf der Anklagebank sitzt ein 36-jähriger Landsmann, der die gestohlenen Pkw über die polnische Grenze gefahren haben soll. Gegen ein weiteres Bandenmitglied, das noch auf freiem Fuß ist, wurde in Polen ein Auslieferungsantrag gestellt.

Beim Prozessauftakt liefen Vater und Sohn überraschend getrennte Wege: Während der 58-Jährige – als Schleuser vorbestraft – zu den Vorwürfen weiter schweigt, hat sein Sohn gestanden. Zudem berichtete er ausführlich aus der professionellen Diebeswerkstatt: Wie er mit dem Vater ausschwärmte und vor allem nach drei bevorzugten Autotypen (VW T5, Citroen C3/C4 und Peugeot 508) Ausschau hielt.

Kuriere ohne Führerschein

Fündig wurden sie vor allem in Bonn, auch im Rhein-Sieg-Kreis und einmal in Sinzig. Um den Transfer in den Osten so unauffällig wie möglich zu machen, statteten sie die erbeuteten Autos mit polnischen Kennzeichen aus, die sie zuvor bei anderen Fahrzeugen abmontiert hatten. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Den gestohlenen Fahrzeugen wurde sofort das GPS-System ausgebaut, damit sie nicht weiter verfolgt werden konnten. Wenn die Box nicht gefunden wurde, erzählte der Sohn gestern, hatten sie die Beute stehen gelassen, meist am Wegesrand oder im Wald.

Da Vater und Sohn keinerlei Risiko eingehen wollten, in den gestohlenen Autos erwischt zu werden, wurden die Fahrzeuge später durch beauftragte Fahrer über die Grenze kutschiert, die pro Fahrt einen Lohn von rund 350 Euro bekommen haben sollen. Aber da das Duo den Komplizen misstraute, wurden sie bei den Fahrten nicht nur „eskortiert“, sondern auch mit billigen Mobiltelefonen ausgestattet. So erfuhren die Kuriere erst an der polnischen Grenze den endgültigen Abstellort. Dennoch ging manche Fahrt schief: Vor allem, weil der Sohn und auch der angeklagte Mittäter keine gültige Fahrerlaubnis hatten, flogen sie bei Kontrollen auf. „Wie peinlich ist das denn, keinen Führerschein haben, wenn man Autos klaut?“, wunderte sich am Mittwoch der Kammervorsitzende. „Da ist man doch gleich dran.“

Für die Angeklagten schief ging auch, dass bereits sehr früh ein ehemaliges Bandenmitglied in eine Polizeikontrolle geraten war und gesungen hatte. Sechs Monate lang waren sie aufwendig observiert worden, bis sie im März 2018 festgenommen wurden. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft.