Jugendgewalt in Bonn: Polizei verspricht mehr Präsenz

Jugendgewalt in Bonn : Polizei verspricht mehr Präsenz

Aus Anlass des Todes von Niklas P. trafen sich Vertreter der Stadt, der Polizei, der Schulen, der Kirchen und der Jugendträger am Runden Tisch. Die Polizei soll in der gesamten Stadt ihre Präsenz verstärken.

Den Reden sollen jetzt schnell Taten folgen: Unmittelbar nach dem ersten runden Tisch gegen Jugendgewalt am Monatg Morgen im Alten Rathaus sind Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) und Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa mit den Ergebnissen vor die Presse getreten. So soll die Präsenz der Polizei und der städtischen Ordnungsdienste in Bad Godesberg erhöht werden. Außerdem soll mit den Stadtwerken noch einmal intensiv über weitere Möglichkeiten zur Videoüberwachung gesprochen werden. Die Polizei, die an enge rechtliche Vorgaben gebunden ist, will in Abstimmung mit der Stadt prüfen, ob und welche Bereiche im Stadtgebiete videoüberwacht werden können.

Anlass für das Treffen mit Vertretern der Bonner Stadtverwaltung, der Polizei, der Kirchen, Schulen und der freien Jugendträger war der gewaltsame Tod des Bad Breisiger Schülers Niklas (17) nach einer Prügelattacke vor drei Wochen am Rondell an der Rheinallee in Bad Godesberg. Der mutmaßliche 20-jährige Täter sitzt in Untersuchungshaft (siehe unten). Ursula Brohl-Sowa sagte, in einem ersten Schritt sollen zwei sogenannte Jugendkontaktbeamte – ähnlich wie sie bereits in Tannenbusch eingesetzt werden – nun auch in Bad Godesberg ihren Dienst auf der Straße versehen. Außerdem will sie Polizeianwärter im dritten Ausbildungsjahr vermehrt auf Fuß- und Fahrradstreife durch den Stadtbezirk schicken. „Wir werden alles tun, um den Bad Godesbergern ein Stück mehr Sicherheit zu geben.“

Die Stadt wird nach Angaben des Oberbürgermeisters kurzfristig das Rondell so umgestalten, dass es besser beleuchtet und einsehbarer wird. Aber auch andere Stellen in ganz Bonn, sogenannte „subjektive Gefahrenzonen“ sollen durch kräftige Grünschnitte und eine bessere Beleuchtung offener gestaltet werden.

„Wir machen jetzt was“, versprach Sridharan. „Das, was wir in Bad Godesberg erlebt haben, darf sich dort und in Bonn nicht mehr ereignen.“ Brohl-Sowa verwies darauf, dass man der Kriminalstatistik zufolge nicht von einer gesteigerten Gefahr in Bad Godesberg sprechen könne. Die Jugendkriminalität trete immer in Wellen auf.

Eine weitere Vereinbarung des Runden Tisches ist die Gründung eines Arbeitskreises, der sich mit der Prävention gegen Jugendgewalt in der gesamten Stadt Bonn befassen soll. Er soll wie auch der zweite runde Tisch noch vor der Sommerpause tagen. Der Godesberger Dechant Wolfgang Picken, der Niklas beerdigt und den runden Tisch maßgeblich mitinitiiert hat, lobte die „konstruktive Atmosphäre“ der Gesprächsteilnehmer und zeigte sich mit den ersten Ergebnissen zufrieden. „Es ist richtig, dass wir dabei den Blickwinkel nicht allein auf Bad Godesberg, sondern auf die ganze Stadt richten wollen“, sagte Picken. Damit die Maßnahmen Erfolg haben, seien Stadt und Polizei allerdings auf „den Rückenwind“ des Landes angewiesen, betonte der Geistliche.

Vertreter der Moscheengemeinde fehlten im Rathaus. Sie waren dem OB zufolge eingeladen, mussten aber aufgrund des kurzfristig angesetzten Termins absagen. Coletta Manemann, städtische Integrationsbeauftragte, sagte, auch unter den Muslimen bestehe große Bereitschaft, am Konzept zur Gewaltkonzeption mitzuarbeiten. „Sie haben doch auch Kinder, um die sie sich sorgen, und sie wollen wie wir alle in Frieden leben.“

Für Donnerstag, 2. Juni, hat die CDU-Landtagsfraktion eine Aktuelle Viertelstunde im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags beantragt. Nach dem Tod von Niklas P. will sie von Landesregierung wissen, was diese für mehr innere Sicherheit in Bad Godesberg tun wolle.

Die Rechtsextremistin Melanie Dittmer will am Samstag, 18. Juni, erneut in Bad Godesberg demonstrieren – am Rondell, an dem Niklas P. tödlich verletzt wurde. Das Bündnis „Bonn stellt sich quer“ hat ebenfalls ab 12.30 Uhr zur Gegendemonstration aufgerufen. Treffpunkte sind unter anderem am Rondell und am Theaterplatz.