Bombendrohungen gegen Bonner Hauptbahnhof: Polizei geht nach Drohanrufen von einem Täter aus

Bombendrohungen gegen Bonner Hauptbahnhof : Polizei geht nach Drohanrufen von einem Täter aus

Am Mittwoch wurde der Bonner Hauptbahnhof ein drittes Mal in Folge gesperrt. Ein herrenloser Koffer entpuppte sich später als harmloser Gegenstand. Bei den vorherigen Bombendrohungen geht die Polizei mittlerweile von einem Täter aus.

Es ist Mittwochvormittag, kurz nach elf Uhr, da erreicht die Polizei ein Notruf aus dem Bonner Hauptbahnhof. Ein Reisender hat auf Bahnsteig 1 – gleich gegenüber dem Eingang zum DB-Infoschalter – zwei herrenlose Koffer entdeckt. Es dauert nur wenige Minuten, bis es auf dem Bahnsteig von Beamten der Bundespolizei nur so wimmelt. Kurze Beratung und der Bahnhof wird evakuiert und gesperrt – nach den Bombendrohungen am Sonntag und am Dienstag ist es das dritte Mal in dieser Woche. Erst Stunden später gegen 15.30 Uhr kommt die Entwarnung: In den Koffern befinden sich lediglich einige zerknüllte Kleidungsstücke und Lebensmittel.

Ein 46-Jähriger hatte sich gegen 14.45 Uhr bei der Bundespolizei vor Ort gemeldet und erklärt, bei den Koffern handele es sich um seine Gepäckstücke, berichtet wenig später Bundespolizeisprecher Christian Große-Onnebrink den vor dem Bahnhof versammelten Medienvertretern.  Nach längerer Vernehmung öffnen Polizisten schließlich die ominösen Koffer. Kurz darauf hebt  die Polizei die Sperrung wieder auf.

Um wen es sich bei dem Mann genau handelt und warum er seine Koffer dort mehrere Stunden unbeaufsichtigt abgestellt hat, bleibt unklar. „Der Einsatz muss noch nachbereitet werden“, heißt es seitens der Polizei.

Aufgrund des Kofferinhalts, der nach der Öffnung des Bahnhofs eine Zeit lang noch auf dem Bahnsteig verstreut herumliegt, bis ihn Mitarbeiter der Deutschen Bahn mit einer Schubkarre einsammeln, mutmaßen manche Beobachter, es könne sich um einen Mann handeln, der überwiegend auf der Straße lebt und sein Hab und Gut in den Koffern verstaut hat. Zu dieser Mutmaßung will die Polizei sich indes ebenfalls nicht äußern. 

Unklar bleibt auch, ob der Mann mit Strafe oder Regressforderungen rechnen muss. Immerhin sind die Beamten am Mittwochnachmittag wie schon zuvor am Dienstag und am Sonntag stundenlang mit einem Großaufgebot vor Ort,  und im Nah- und Fernverkehr der DB kommt es  zu massiven Behinderungen und Verspätungen.

Als nach dem Einsatz von Sprengstoffspürhunden und einer ersten Begutachtung durch Sprengstoffexperten die Bundespolizei eine ernsthafte Gefahr nicht gänzlich ausschließen kann, riegeln die Beamten das Gelände sogar weiträumig um den Bahnhof ab. Auch das Maximiliancenter muss komplett geräumt werden. Selbst die Bäckerei Merzenich auf der Ecke des Centers in Höhe Poststraße/Maximilianstraße wird evakuiert – Gäste wie Verkaufspersonal stehen etwas ratlos auf der Straße. 

Nahverkehr kam zum Erliegen

Nun kommt der komplette Nahverkehr mit Bussen, Straßenbahnen und Taxen, der bis dahin noch ungehindert rollen konnte, vor dem Hauptbahnhof zum Erliegen. Autofahrer aus Richtung Kaiserplatz kommend biegen kurzerhand vor den Augen der Polizei verbotenerweise in den Fußgängerbereich der Maximilianstraße und dann in die Gangolfstraße ein, um sich so den Weg durch die Fußgängerzone aus der City raus zu suchen. Für kurze Zeit sieht es aus, als breche gleich ein Verkehrschaos rund um den Busbahnhof aus, doch dann lenken Mitarbeiter des Ordnungsamts und Polizeibeamte die Autofahrer von der Maximilianstraße in Richtung Südunterführung.

Foto: Lisa Inhoffen

Derweil umringen zahlreiche Menschen mit Koffern und Rucksäcken bepackt die Mitarbeiter der DB, die vor den Flatterbändern stehen,  mit denen die Polizei das Gelände abgesperrt hat, unermüdlich Auskunft geben und, so gut es geht, den gestrandeten Reisenden mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die meisten reagieren verständnisvoll. Eine ältere Frau dagegen regt sich auf: „Ich wollte eigentlich gestern Abend mit dem Zug verreisen. Wegen der Sperrung habe ich die Fahrt auf heute verschoben. Jetzt stehe ich schon wieder hier und komme nicht weg.“ In der Nähe beobachtet Philipp (12) dagegen recht gelassen das Geschehen. Der Junge geht in Bonn zur Schule und wohnt in Bodendorf. Auch er kommt nun nicht weg. Ein Polizist hat ihm ein Handy geliehen, damit Philipp seine Eltern verständigen kann. „Mein Guthaben war aufgebraucht“, sagt der Junge. Jetzt wartet er auf seine Mutter, sie will ihn mit dem Auto abholen.

Neuigkeiten bezüglich der Bombendrohungen von Sonntag und Dienstag

Am Abend berichtet der Bonner Polizeisprecher Robert Scholten dem GA, die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei habe hervorragend funktioniert. Auch hat Scholten Neuigkeiten bezüglich der Bombendrohungen von Sonntag und Dienstag: „Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass es sich um ein und denselben Täter handeln könnte.“ 

Einen Mitschnitt  des zweiten Anrufs, der laut Scholten von einer Telefonzelle am Bischofsplatz getätigt wurde, hat die Polizei ins Netz gestellt. Der erste Anruf am Sonntag erfolgte, wie berichtet,  von einer Telefonzelle an der Poppelsdorfer Allee. „Wir gehen davon aus, dass der Täter aus dem Umfeld rund um den Hauptbahnhof kommt“, so Scholten.

 Ein Mann aus der Szene rund um den Kaiserbrunnen, der täglich an der Unterführung zur Popallee sitzt, glaubt, der Täter komme aus der Drogenszene. „Der will sich bestimmt rächen, weil da die Polizei so oft kontrolliert.“ Fest steht: Den Anrufern drohen harte Strafen und auf jeden Fall werden sie, so Scholten,  für die Kosten der Einsätze in Höhe von mehreren Zehntausend Euro herangezogen werden.