Bonner SPD-Politikerin gestorben: Politiker schockiert nach Tod von Bärbel Richter

Bonner SPD-Politikerin gestorben : Politiker schockiert nach Tod von Bärbel Richter

Die Bonner SPD-Fraktionschefin ist völlig unerwartet am Samstagmorgen im Alter von 60 Jahren gestorben. Wegbegleiter reagieren tief betroffen.

Bärbel Richter ist tot. Die Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion ist am Samstagmorgen plötzlich und unerwartet im Alter von 60 Jahren in ihrem Haus in Bad Godesberg gestorben. Ihre Ehefrau, die Bad Godesberger Vize-Bezirksbürgermeisterin Hillevi Burmester, ihre Weggefährten, Genossen und Freunde trauern um eine tatkräftige Sozialdemokratin, der die Geschicke ihrer Wahlheimat Bonn, vor allem aber das Wohl ihrer Mitbürger ein Anliegen waren.

Bärbel Richter stammte gebürtig aus Weimar. Mit drei Jahren flüchtete sie mit ihrer Familie in den Westen. Sie wuchs in Stuttgart auf, studierte in München und Freiburg und kam 1990 nach Bonn, wo sie seither als Archivarin für die Friedrich-Ebert-Stiftung tätig gewesen ist. Ihre Freizeit widmete sie nahezu vollständig ihrem politischen Engagement, das sie nicht nur in ihrer Partei und im Rat, sondern auch in den Friesdorfer Vereinen ausübte. Blieb dann doch noch etwas Zeit übrig, schätzte sie gesellige Abende mit Freunden, spielte Doppelkopf, Tennis oder handarbeitete. Gerne und oft reiste sie mit ihrer Frau nach Schweden, zuletzt in diesem Sommer.

Richter, die mit 19 in die SPD eingetreten war, gehörte dem Stadtrat seit 2004 an. 2012 wählte die Fraktion sie als Nachfolgerin von Wilfried Klein zur Vorsitzenden. Gerade heraus, wie sie stets war, erklärte sie nach der Wahl: „Ich wollte gerne in die erste Reihe treten.“

Ihr Herz schlug vor allem für die Kultur. Sie setzte sich unter anderem vehement für den Bau des Festspielhauses ein. Bei den Ratskollegen genoss sie den Ruf einer kompetenten und scharfzüngigen Politikerin, die in Auseinandersetzungen mal aufbrausend, aber auch gelassen sein konnte. Und vor allem versöhnlich: Am Ende mancher erbitterten Debatte im Rat war es meistens Bärbel Richter, die dem politischen Gegner als erste die Hand reichte.

„Der plötzliche Tod von Bärbel Richter hat mich tief betroffen und schockiert“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „Bärbel Richter war mir stets eine hoch geschätzte Gesprächspartnerin, auf deren vertrauensvollen Umgang auch mit heiklen Themen ich mich immer verlassen konnte – eine Eigenschaft, die sie ganz besonders auszeichnete. Ihr Tod ist ein Verlust, für mich als politischen Verantwortlichen, für den Stadtrat und für die Stadt.“

„Ich bin schockiert von der Nachricht vom Tod unserer Ratsfraktionschefin“, sagte der SPD-Parteichef Gabriel Kunze. Richter habe unendlich viel für die SPD geleistet. „Wir werden sie sehr vermissen.“ Entsetzt reagierten auch politische Weggefährten Richters aus anderen Parteien. „Mit ihrem Tod verliert der Rat eine leidenschaftliche und redegewandte Stadtverordnete. Ich wünsche ihrer Frau und Familie in dieser schwierigen Zeit Kraft“, sagte Christos Katzidis (CDU). „Bei allen inhaltlichen Differenzen habe ich mich mit Bärbel Richter menschlich gut verstanden. Sie war in der Politik eine verlässliche und verbindliche Partnerin“, sagte Werner Hümmrich (FDP).