Drei verschiedene Varianten: Politik ist uneins über Entsorgung des Bonner Klärschlamms

Drei verschiedene Varianten : Politik ist uneins über Entsorgung des Bonner Klärschlamms

Über Klärschlamm und seine künftige Entsorgung gibt es in der Kommunalpolitik derzeit eine Kontroverse. Das Thema ist komplex, die Entscheidung weitreichend. Die Verwaltung hat jetzt drei verschiedene Varianten vorgestellt.

CDU und FDP sprachen sich nun im Umweltausschuss dafür aus, auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage an der Immenburgstraße eine zusätzliche Anlage für den Klärschlamm zu bauen. Die Grünen als Koalitionspartner und die SPD in der Opposition haben noch keine klare Haltung. Dass die Klärschlammentsorgung die Politik bis zur Ratssitzung im Juni beschäftigen wird, liegt am Zeithorizont. Die Verwaltung bringt drei Modelle ins Spiel.

Strategie 1 schlägt eine Kooperation mit Erftverband, Wasserverband Eifel-Rur und den Stadtentwässerungsbetrieben Köln vor. Bonn hätte einen Anteil von 11,4 Prozent. Anfallende Kosten würden von einer GmbH getragen. Die gemeinsame Verbrennungsanlage soll nach jetziger Vorstellung in Düren gebaut werden. Laut gesetzlicher Vorgabe darf Klärschlamm nicht mehr mit anderen Abfällen zusammen verbrannt werden. Unter anderem soll dadurch der Wertstoff Phosphor, der darin enthalten ist, sichergestellt werden (siehe „Phosphat aus Klärschlamm“). Bislang verfügt nur Bonn über eine Monoverbrennungsanlage. „Die anderen Partner müssen dringend eine Lösung finden“, erläutert Tiefbauamtseiter Peter Esch. Daraus resultiere der Zeitdruck für eine Entscheidung.

Strategie 2 hat die Instandsetzung der bestehenden Monoverbrennungsanlage an der Kläranlage am Salierweg in Graurheindorf zum Ziel. Laut Esch kann die Anlage höchstens noch zehn Jahre lang betrieben werden. Dort werden pro Jahr insgesamt 8000 Tonen Klärschlamm aus den vier Bonner Kläranlagen verbrannt. Rund 30 Millionen Euro müsste die Stadt in den Neubau investieren.

Investitionen tragen die SWB

Strategie 3 schlägt einen neuen – also einen vierten – Verbrennungsofen auf dem Gelände der Müllverwertungsanlage (MVA) in der Weststadt vor. Dann will die SWB Verwertung, eine städtische Tochter, aus Wirtschaftlichkeitsgründen das Volumen von 8000 Tonnen auf 35 000 Tonnen pro Jahr aufstocken und auch Klärschlamm aus der Region annehmen und verbrennen. Die Investitionen tragen die SWB.

Die Verwaltung favorisiert das Modell einer Verbrennungsanlage an der MVA und an zweiter Stelle eine Kooperation. „Die Entscheidung liegt aber bei der Politik. Es ist alles offen“, sagt Esch. Das sahen Politiker im Umweltausschuss jedoch anders. Sie kritisierten beispielsweise das von den externen Gutachtern angelegte Vergleichsverfahren in einer Bewertungsmatrix. Durch die Normierung würden Äpfel und Birnen verglichen.

Es kam auch der Vorwurf, die von der Verwaltung favorisierte Strategie sei schöngerechnet. Dagegen verwahrte sich MVA-Chef Manfred Becker entschieden. „Am MVA-Standort können wir Synergien bündeln. Wir können beispielsweise den Dampf aus der Klärschlammverbrennung dem Heizkraftwerk zuliefern.“ Immerhin habe der MVA-Aufsichtsrat, in dem Politiker sitzen, dieser Lösung Anfang März „aus Überzeugung“ zugestimmt.

Brigitta Poppe-Reiners (Grüne) fehlte die Ausgewogenheit in der der Darstellung aller Varianten, vor allem ausführliche Infos zum Kooperationsmodell. Zweiter Punkt ihrer Kritik ist der fehlende Wirtschaftsplan. Zudem hätten die Pläne für das MVA-Gelände Auswirkungen auf die Stadtteilentwicklung und die Anwohner, das sei in der Analyse zu berücksichtigten.

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