Inklusion in Bonn: "Politik hat bei Inklusion Offenen Ganztag vergessen"

Inklusion in Bonn : "Politik hat bei Inklusion Offenen Ganztag vergessen"

Anlässlich des zum 1. August geltenden Rechtsanspruchs für Kinder mit Behinderung auf einen Platz an einer Regelschule haben der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Verein "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen" die Landesregierung heftig kritisiert.

Während die Begleitung eines Kindes im Unterricht durch einen Integrationshelfer gesichert sein soll, sei sie es in der Nachmittagsbetreuung und in Ferienzeiten im Rahmen der Offenen Ganztagsschule (OGS) keineswegs. Der Paritätische fordert deshalb die Landespolitik auf nachzubessern.

"Bei der Einführung der schulischen Inklusion hat der Gesetzgeber den Offenen Ganztag nicht bedacht. Hier fehlen verlässliche Regelungen. Diese Lücke im System macht Kindern mit Behinderung und ihren Eltern unnötig das Leben schwer", sagt Susanne Seichter, Geschäftsführerin des Paritätischen in Bonn.

Schon heute gebe es immer wieder Schwierigkeiten an Schulen, die bereits gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung anböten. Mit dem Rechtsanspruch würden diese Probleme zunehmen. Meist gelinge es Eltern, einen Integrationshelfer für den Unterricht zu organisieren, entsprechende Anträge beim zuständigen Sozialamt seien in der Regel erfolgreich.

Schwierig werde es, wenn das Kind das Nachmittagsangebot der OGS oder die Ferienbetreuung nutzen wolle und auch dann Begleitung brauche - hier werde die Finanzierung oft nicht bewilligt.

Der Knackpunkt sei die rechtliche Grundlage für die Bewilligung. Denn die sei eng an den Begriff der "schulischen Bildung" geknüpft. Ob die OGS-Angebote aber Teil der schulischen Bildung seien oder nicht, habe der Gesetzgeber nicht eindeutig geklärt.

Seichter fordert deshalb: "Hier muss das Land dringend nachbessern. Der Offene Ganztag muss als schulisches Bildungsangebot anerkannt und der OGS-Erlass entsprechend angepasst werden. Handelt das Land nicht, bleiben die betroffenen Familien vom Gutdünken der Kommunen abhängig. Wer Inklusion ernst meint, der muss sicherstellen, dass die benötigten Leistungen auch in Anspruch genommen werden können."

Der Paritätische, ehemals Paritätischer Wohlfahrtsverband, in Bonn bildet das Dach für rund 100 gemeinnützige Organisationen, die mit 148 Einrichtungen und Diensten auf allen Feldern sozialer Arbeit tätig sind.

Darunter sind neun Angebote des Offenen Ganztags. "Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen" ist ein Verein zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Er bietet Beratung an in den Bereichen Integration/Inklusion in Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Arbeitsleben und selbstständige Wohnformen.

Mehr von GA BONN