Till Macke über Helmuth Macke: Pikante Familiengeschichten aus den 1930ern

Till Macke über Helmuth Macke : Pikante Familiengeschichten aus den 1930ern

Til Macke erzählt im Bonner Macke-Haus Spannendes über den Vetter seines berühmten Großvaters. Helmuth Macke brannte kurz nach seiner Heirat mit einer Bildhauerin durch.

Die Hängung sei schon etwas pikant, bemerkte Til Macke schmunzelnd. Kuratorin Ina Ewers-Schultz hatte nämlich in der aktuellen Sonderausstellung im Macke-Haus drei Werke von Helmuth Macke ziemlich nah beieinander platziert: Im letzten Teil der Ausstellung „Helmuth Macke im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“ finden die Besucher ein Selbstporträt des Künstlers neben einem Aquarell Hanna Cauers, während direkt gegenüber eine Zeichnung Mackes Frau Margarethe zeigt.

Das pikante daran: Helmuth Macke lernte Margarethe 1930 auf dem Weg zur Verleihung des Rom-Preises kennen, das Paar heiratete wenige Tage darauf noch in Italien. Der frischgebackene Ehemann brannte jedoch noch vor den Flitterwochen mit der Bildhauerin Hanna Cauer durch, die ihm wiederum erstmals bei der Preisverleihung über den Weg lief.

Diese und viele weitere Episoden und Geschichten aus dem Leben des Expressionisten, der nie den Ruhm seines Vetters August erreichte, konnten die Zuhörer eines Publikumsgesprächs im Vortragssaal des im Winter eröffneten, vergrößerten Museums „Macke-Haus“ erfahren. Auf dem Podium saß neben Augusts Enkel Til Macke und Kuratorin Ina Ewers-Schultz noch der Kunsthistoriker Burkhard Leismann, der seit den 1980er Jahren ein intimer Kenner von Helmuth Mackes Leben und Werk ist.

Trotz der unrühmlichen römischen Episode verbrachte Helmuth Macke den Rest seines Lebens dann doch an der Seite seiner Frau. Das Paar begab sich zu Beginn der Nazizeit in eine Art inneres Asyl und lebte in einer alten Mühle am Bodensee, die es selber restauriert hatte, und wo die beiden der finanziellen Not gehorchend, eine Pension betrieben. Was Helmuth allerdings an Margarethe fand, habe er wie viele andere nicht verstehen können, so Til Macke: Er selbst habe sie bei einem Besuch als nicht sehr umgängliche Frau kennengelernt.

Anlässlich des 125. Geburtstags und 80. Todestags des 1891 geborenen und 1936 bei einem Segeltörn auf dem Bodensee ums Leben gekommenen Helmuth Macke startete 2016 in Konstanz eine Ausstellungstournee, die nun in Bonn ihren Abschluss findet und noch bis zum 17. Juni besucht werden kann. „Das besondere Gespräch“ mit Til Macke gehörte zum Begleitprogramm.

Er habe sich im Unterschied zu seinen drei Schwestern in der privilegierten Position befunden, dass seine Großmutter Elisabeth, die Frau und spätere Witwe August Mackes, ihm als ältesten Enkel noch alle Geschichten erzählt habe, so Til Macke. Das geschah wohl auch, weil sie dieselben Geschichten nicht immer wieder erzählen wollte“, so der Enkel. Er habe lange Zeit an dem Ort gelebt, an der sich jetzt der Erweiterungsbau des Museums und der Vortragssaal befinden. Rüber zu seiner Großmutter seien es nur wenige Schritte gewesen.

Mit der Eröffnung des erweiterten Museums sei für ihn ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, so Til Macke nach der Veranstaltung: Man verdanke den Bau unter anderem auch dem ehemaligen Außenminister und FDP-Politiker Guido Westerwelle, der noch kurz vor seinem Tod in Berlin Mittel eingeworben hätte.

Wie man es dann geschafft habe, auf dem relativ kleinen Grundstück eine solche Vielfalt von Möglichkeiten zu realisieren und dabei noch den Altbau zu integrieren, sei aus seiner Sicht einfach perfekt gelungen.