Mordprozess gegen Cellisten: Pianistin hatte Angst um ihr Leben

Mordprozess gegen Cellisten : Pianistin hatte Angst um ihr Leben

Die von ihrem Ehemann getötete Pianistin Kate de Marcken hatte schon lange Angst um ihr Leben.

Das wurde am dritten Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 55-jährigen Cellisten des Bonner Beethovenorchesters erschreckend deutlich, als Freunde des Opfers in den Zeugenstand traten.

Der Musiker, der als erster an diesem Tag als Zeuge gefragt ist, kennt den Angeklagten Sergey K. und die Getötete schon seit 17 Jahren. Der Pianist blickt hinüber zum Angeklagten, als er das sagt, doch Sergey K. hält den Blick gesenkt und schaut ihn nicht an.

Dem 47-jährigen Zeugen vertraute Kate de Marcken, wie der erklärt, an, dass ihr Mann sie misshandelte. Und dass sie Angst um ihr Leben habe. Denn Sergey habe nach einer Prügelattacke zu ihr gesagt: "Beim nächsten Mal bringe ich dich um." Mit versteinerten Mienen hören Mutter und Bruder des Opfers, die als Nebenkläger am Prozess teilnehmen, dem Zeugen zu.

Seine Freundschaft zu Sergey sei schon lange zerbrochen, sagt der Zeuge, denn er habe dessen Verhalten Kate gegenüber nicht ertragen: "Bald nach der Geburt von deren Sohn hat sich gezeigt, dass Sergey eine Abneigung gegen Kate entwickelt hat."

Auch seine Freundin, so der Zeuge, habe Sergey nicht mehr sehen wollen, "weil er zu Kate so missachtend war" und sie sogar in Gesellschaft gedemütigt und beleidigt habe. Dabei sei sie ein "tolle Mutter" gewesen. Und sie habe darunter gelitten, dass der Sohn, der heute 13 ist, die "Missstände" mitbekam und zunehmend dem "schlechten Beispiel seines Vaters folgte", zur Mutter immer frecher wurde und sie sogar schlug.

Und der Zeuge widerspricht der Aussage des Angeklagten, dass seine Frau den Jungen überfordert habe und erklärt: Sergey sei immer kontrollierender und bestimmender geworden und habe festlegen wollen, wie Kate mit dem Kind umging. "Mir kommt es wie eine Ausrede vor, wenn er nun erklärt, der Streit sei darum gegangen, dass Kate zu streng war." Vielmehr sei Sergey sehr streng gewesen.

Im Freundeskreis habe man eine ganze Zeit Angst um Kates Leben gehabt, doch die habe sich dann gelegt, als nichts passiert sei. "Dass es dann im Oktober passierte, hat unsere Sorge auf schockierende Weise bestätigt", sagt der Zeuge leise. Natürlich würde er sich jetzt fragen, ob er ihr nicht noch eindringlicher zur Trennung hätte raten sollen.

Wie groß Kates Angst vor ihrem Mann war, schildert auch eine andere Freundin. Die 38-Jährige berichtet, wie dominant Sergey war, und dass er gedroht habe, ihr den Sohn wegzunehmen.

Kate habe sich ständig von ihm bedroht gefühlt und ihr berichtet, er habe sie so gewürgt, so dass sie keine Luft mehr bekommen habe. "Sie hatte Todesangst", sagt die Zeugin, die auch Cellistin ist. Sie habe ihr geraten, zur Polizei zu gehen.

Diesen Rat gab auch die Kosmetikerin ihrer langjährigen Kundin. Unter Tränen schildert die 35-Jährige, wie die Pianistin, mit der sie ein freundschaftliches Verhältnis gehabt habe, mit Verletzungen und blauen Flecken bei ihr erschien und von der Gewalt ihres Mannes sprach: "Kate hatte ständig Würgemale unter ihren Halstüchern." Der Angeklagte blickt auch sie nicht an.

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