Psychiatrie der LVR-Klinik: Pflegepersonal wehrt sich gegen neue Entgeltverordnung

Psychiatrie der LVR-Klinik : Pflegepersonal wehrt sich gegen neue Entgeltverordnung

Einen Augenblick nur will Goethes Faust erleben, zu dem er sagen kann: "Verweile doch!" Für Willibert Pauels, aus dem Karneval bekannt als "bergischer Jung", ist dieser Gelehrte ein zutiefst depressiver Mann, den erst die Begegnung mit Gretchen in die Lage bringt, Glück zu empfinden.

Pauels bekennt sich dazu, selber unter dieser Krankheit zu leiden. Die Depression, "der schwarze Hund, der dich anspringt aus der Dunkelheit", bekämpft er seit einigen Monaten in einer psychiatrischen Klinik in Neuss, dafür hatte er auch alle seine Termine in der vergangenen Session abgesagt.

Er könne Faust verstehen, sagte Pauels bei der Sonder-Personalversammlung für die Pflegekräfte der LVR-Klinik: "Das Heilsamste neben der Medikamentierung waren die Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die mir Fürsorge entgegen gebracht haben." Das brauche Zeit.

"Es ist nicht messbar in irgendwelchen Formeln, was wichtig ist im Heilungsprozess." Deshalb wehren sich die Klinik-Angestellten gegen die Einschnitte, die das neue Entgeltsystem in der Psychiatrie mit sich bringt. Der "PEPP-Katalog" (Pauschalierende Entgelte Psychiatrie und Psychosomatik), der 2017 die bisherige Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV) ablösen soll, sieht unter anderem vor, dass die Vergütung für die Pflege eines Patienten verringert wird, je länger dieser in Behandlung ist.

Aus finanzieller Sicht wäre es also für einen Pfleger am besten, wenn der Patient so schnell wie möglich wieder entlassen wird. Eine Sparmaßnahme, die nach Ansicht der Klinik auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird. Zur Versammlung hatte die Personalratsvorsitzende Trudi Hihn neben Pauels als Betroffenem auch den Bonner SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber eingeladen.

Außerdem beteiligten sich an der Podiumsdiskussion Pflegedirektor Heinz Lepper und der stellvertretende Personalratsvorsitzende Christof Liertz. Lepper befürchtete, dass dieser Katalog die Psychiatrie um Jahre zurück wirft. Er kritisierte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der die Fachlichkeit ignoriere und nur aufs Geld schaue.

Liertz, der auch als Sprecher für die Gewerkschaft Ver.di auftrat, merkte an, dass der Weg zur heutigen PsychPV eine Arbeit von Jahrzehnten gewesen sei, die durch die Rücknahme zunichte gemacht werde. Das neue Entgeltsystem verschlechtere voraussichtlich die Behandlungsqualität. Ver.di werde sich dieses Themas annehmen.

Kelber stimmte der Kritik zu, dass die Regierung hiermit an der falschen Stelle sparen wolle. Sein Vorschlag, sich für eine eigene Enquete-Kommission zu diesem Thema einzusetzen, stieß auf breite Zustimmung beim Pflegepersonal, das im Anschluss Gelegenheit zur Diskussion hatte.

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