Schreibwerkstatt in Bonn: Pflegende Angehörige schreiben sich die Last von der Seele

Schreibwerkstatt in Bonn : Pflegende Angehörige schreiben sich die Last von der Seele

Eine Schreibwerkstatt in Bonn will pflegenden Angehörigen helfen, mit der körperlich und psychisch anstrengenden Situation umzugehen.

Kreative Tätigkeiten wie malen, tanzen, wandern oder Musik machen können helfen bei beruflichem Stress oder der Verarbeitung belastender oder traumatischer Situationen. Wie man diesen Ausgleich auch über das Schreiben erreichen kann, das will Stefan János Wágner vom Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mit der Schreibwerkstatt „pflegende!schreiben“ Menschen, die in einem Pflegeberuf tätig sind sowie auch pflegenden Angehörigen, vermitteln.

Die Schreibwerkstatt befasst sich mit den Spannungsfeldern, in denen sich Pflegende tagtäglich bewegen, je nachdem woher sie ihre Motivation beziehen: zwischen Liebe und Verzweiflung einerseits oder Idealismus und Überforderung andererseits. „Ich möchte Impulse geben“, sagt Wágner. Letztlich dienen die Termine dem Brainstorming über die eigene Lage, denn geschrieben wird Zuhause.

Wágners Credo: „Die Menschen müssen sensibilisiert werden, was Pflege überhaupt heißt und was diejenigen antreibt, die dort tätig sind.“ Wobei er vor allem die Ehrenamtlichen meint und nicht diejenigen, die in einem Pflegedienst tätig sind. Er stellt Fragen in den Raum an denen sich die Schreiblehrlinge hochhangeln können: Was ist es, was mich müde macht? Wie viel Raum darf die Pflege einnehmen? Wie viel Platz gebe ich der Pflege? Was möchte ich mitteilen? Und er animiert dazu, Spannungsfelder aufzubauen: zwischen Liebe und Verzweiflung oder zwischen Idealismus und Überforderung.

Andrea Siedler ist eine der Teilnehmerinnen bei der ersten Schreibwerkstatt. Sie pflegt seit 14 Jahren ihren Ehemann. Sie liest viel über die Pflege auf Facebook, schreibt auch manchmal Beiträge. Sie hat aber oft das Gefühl, dass das, was sie zu sagen hat, entweder niemanden interessiert oder zu persönlich ist. „An die Schreibwerkstatt habe ich die Erwartung, dass ich aus dem Druck und der Müdigkeit herausgeholt werde und in die Kreativität kommen kann.“

„Mir ging es nicht hauptsächlich um das Schreiben“, erklärt André Klein, „mir ging es darum, Kontakte zu anderen Pflegenden zu bekommen.“ Er hat viele Geschichten im Kopf, doch ihm fehlt die Kreativität, diese aufzuschreiben. „Vielleicht ist das hier ein Ansporn“, hofft er.

Wágner hat den Teilnehmern zugesagt, dass man sich zukünftig regelmäßig treffen werde, und er verspricht: „Dann können sie sich alles von der Seele schreiben.“

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