Pferde-App bei Höhle der Löwen: Idee aus Bonn überzeugt Carsten Maschmeyer

Gründerinnen schließen Deal ab : Pferde-App aus Bonn überzeugt bei „Höhle der Löwen“

Zwei Gründerinnen aus Bonn sind in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ aufgetreten und durften sich über einen Deal freuen. Bis dahin war es allerdings ein harter Weg und viel Überzeugungsarbeit - denn mit Pferden wussten die Investoren nicht viel anzufangen.

Pferde – damit hat keiner der Investoren in der siebten Folge der sechsten Staffel in „Die Höhle der Löwen“ etwas am Hut. Dafür jedoch umso mehr die 38-jährige Christina Terbille und ihre 35-jährige Kollegin Sarah Wendlandt aus Bonn. Die beiden sitzen schon ihr ganzes Leben lang im Sattel und brennen merklich für den Reitsport. So wurde 2018 die Idee zur „PferdeApp“ geboren. „Ganz klar: Der Reitsport ist noch nicht in der digitalen Welt angekommen. So bleiben wird’s nicht, es wird andere geben, aber wir wollen die besten darin bleiben. Dafür brauchen wir Löwen auf unserer Seite“, sagt Wendlandt vor dem Pitch.

Von der Show waren die Gründerinnen positiv überrascht, sagt Wendlandt im Nachgang der Sendung: „Alle waren sehr freundlich, und was wir nicht gedacht hätten: dass tatsächlich vor allem der Moment vor den Löwen genauso ist, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Und die Löwen wissen auch tatsächlich nichts von den Ideen, bis man seinen Pitch beginnt“, so Wendlandt.

„PferdeApp“ ist schon am Markt und hat erste Kunden

Seit Anfang des Jahres ist die Anwendung verfügbar, sechs Ställe sind seither eingestiegen. Weitere Kunden stünden aber vor dem Abschluss. Der Markt sei riesig, 15.000 Ställe gebe es alleine in Deutschland. Zudem setze der Reitsport jährlich 6,7 Milliarden Euro um. Für 15 Prozent der Unternehmensanteile wollten Wendlandt und Terbille 150.000 Euro.

Als Unternehmens- respektive Steuerberaterin kennen sie sich mit Zahlen bestens aus . Bis zur letzten Sekunde bleibt es spannend, denn dass das Reitgeschäft den „Löwen“ persönlich so fremd ist, scheint eine unüberwindbare Hürde. Carsten Maschmeyer äußert schon früh während des Pitches, dass er wegen einer Pferdehaarallergie wohl nicht der geeignete Investor sei.

Da steht ein Pferd im Studio: Lebensechte Simulation für Ralf Dümmel

Die „PferdeApp“ optimiert Projektmanagement für Stallbetreiber. Nicht nur können detailliert Daten über die einzelnen Tiere erfasst werden. Auch Mitarbeiter sollen über den Service verwaltet werden, Schichtpläne eingetragen und Aufgaben auch kurzfristig zugewiesen werden. Eine Anwendung auf dem Smartphone des Mitarbeiters soll den Ablauf insgesamt beschleunigen. Abgerechnet werden die Kunden des Dienstes durch ein monatliches Abo-System. 3,50 Euro werden pro Pferd und Monat fällig, egal, wie viele Angestellte das Unternehmen hat. Ein Hof mit 100 Pferden müsste also monatlich 350 Euro überweisen, rechnen die Bonnerinnen vor. Auch private Pferdebesitzer sollen künftig Kunden werden. Auch sie sollen 3,50 Euro im Monat zahlen.

Investor Ralf Dümmel muss als Chef eines fiktiven Pferdebetriebs herhalten. Er muss planen, wie jedes Pferd auf dem Hof bewegt, trainiert, gefüttert und gesundheitlich versorgt wird. Die Koordination funktioniere in vielen Betrieben noch auf dem analogen Weg: Taschenkalender, Aushänge, Tafeln. Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch wenig flexibel. Zwar schlägt sich Dümmel nicht schlecht, die restlichen „Löwen“ haben dennoch allen Grund zur Belustigung. Schnell wird das alltägliche Chaos deutlich, mit dem Pferdehalter sich konfrontiert sehen.

Grundstruktur ermöglicht branchenübergreifende Anwendung

Zwar loben alle „Löwen“ den Unternehmergeist und finden warme Worte für die Idee und die Präsentation - lehnen aber dennoch ab.Terbille räumt ein, dass sie das mit den Finanzen schon ganz gut hinbekämen - doch vor allem beim Marketing wünschten sie sich Hilfe. Eine Marke aufzubauen, das falle ihnen schwer, eröffnen sie den Investoren. Dann ziehen die Bonnerinnen ihr Ass aus dem Ärmel: Die Struktur der App sei nämlich so konzipiert, dass sie auch auf viele andere Branchen adaptierbar sei, zum Beispiel Hotels, Pflege, Facility Management. Aufgaben morgens in einem Meeting zu verteilen, aber vielleicht auch kurzfristig noch Änderungen an diesen vorzunehmen, finde an vielen Stellen Nutzen.

Pferde-Investor trotz Allergie: Maschmeyer lässt sich begeistern

Dieses Argument ist wohl das Zünglein an der Waage für Maschmeyer. In letzter Sekunde macht er eine 180-Grad-Drehung und sagt den Bonnerinnen seine Unterstützung zu, stellt aber zwei Bedingungen. Einerseits müssen sie versprechen, mit der „PferdeApp“ über den Reitsport hinaus zu expandieren. Andererseits fordert er für das Investment von 150.000 Euro 24,9 Prozent der Anteile. „Zwei so kompetente Gründerinnen haben mich dazu bewegt, aus meiner Absage eine Zusage zu machen.“ Nach einer kurzen Besprechungspause schließen die Bonnerinnen den Deal mit einem nicht minder glücklich wirkenden Maschmeyer ab.

„Die Höhle der Löwen“ läuft in elf Folgen der sechsten Staffel immer dienstags, 20.15 Uhr auf Vox. Alle Beiträge zur Sendung finden Sie in unserem Thema.

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