Parken in Bonn: Sensoren überwachen Parkzeit vor Supermärkten

Supermarktkunden werden kontrolliert : Sensoren überwachen Autos auf Bonner Parkplätzen

Auf einigen Parkplätzen in Bonn wird die Parkzeit mit elektromagnetischen Feldern überwacht. Dies soll vor allem Fremdparker fernhalten. Wird die Zeit überschritten, muss der Halter des Fahrzeugs zahlen.

Wer bei Discountern oder Lebensmittelsupermärkten regelmäßig mit dem Auto zum Einkaufen fährt, hatte sich längst daran gewöhnt, die Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe zu legen. Andernfalls gab es ein Knöllchen. Bis zu 30 Euro waren fällig, wer länger als über die meist vorgegebene Zeit von 90 Minuten dort parkte.

Seit einigen Monaten gelten auf einigen Parkplätzen in Bonn - etwa an der Karlstraße und an der Brühler Straße - neue Regeln: Da ist die Parkscheibe obsolet, stattdessen messen im Boden eingelassene Sensoren die zulässige Parkzeit von 90 Minuten.

Wird diese überschritten, muss der Halter des Fahrzeugs ebenfalls zahlen: Rund 30 Euro. Den Parkplatz an der Karlstraße überwacht die Stuttgarter Firma Park & Control. Es handelt sich um den Parkplatz an der alten Bushalle in der Karlstraße, wo die Kunden von Edeka Vogl, des Elektro-Markts Conrad Elektronic, des DM-Drogeriemarkts und des Fitness-Studio Donna‘s parken. Dort ist das neue System bereits seit einigen Monaten in Betrieb. „Wir haben bisher sehr gute Erfahrung damit gemacht“, sagt der Edeka-Filialleiter, der namentlich nicht genannt werden will.

Bei dem System mit den Parkscheiben habe es stets viel Ärger gegeben, weil oftmals schlichtweg vergessen wurde, sie rauszulegen. „Das war natürlich sehr ärgerlich für die Kunden, wenn sie bei uns eingekauft haben und dann nochmal zu Conrad sind, wo sie sich länger aufgehalten haben. Wenn sie das nachweisen konnten, wurde das Knöllchen selbstverständlich storniert.“ Zuständig für die Parkraumbewirtschaftung sei der Hauseigentümer, erklärte der Filialleiter. „Wir haben uns oft darüber beschwert, dass die Kundenparkplätze von Fremdparkern blockiert werden“, berichtet der Filialleiter. Darunter seien viele, die ihre Autos auf dem Parkplatz an der Karlstraße abgestellt hätten, um dann mit dem Bus in die City zu fahren. Zudem habe die Autobahnnähe dazu geführt, dass der Parkplatz gerne als Park&Ride-Platz genutzt wurde. „Mit der neuen Regelung bleiben die Fremdparker größtenteils fern und es gibt seitens unserer Kunden kaum noch Beschwerden“, so der Filiallleiter.

Ist Parkzeit überzogen, meldet der Sensor es der Cloud

 Die Sensoren sind etwa 20 Zentimeter lang, schwarz, in den Boden eingelassen und fallen auf den ersten Blick kaum auf. Durch Veränderungen im elektromagnetischen Feld nehmen die Sensoren wahr, ob ein Auto über ihnen parkt und wie lange schon. Ist die Parkzeit überzogen, meldet der Sensor es der Cloud, erklärte ein Sprecher des Unternehmens Park & Control. Ein Mitarbeiter, der in der Regel mehrere Parkplätze in der Nähe überwacht, könne daraufhin entsprechend reagieren.

Er gewähre aber zusätzlich eine Karenzzeit von weiteren zehn Minuten, bevor er einen Strafzettel ausstelle. Die Parkplatzüberwachung inklusive Ausstattung kosten den Auftragnehmer nichts, so der Sprecher von Park & Control. „Die Kosten übernehmen komplett wir.“

Auch an der Brühler Straße, wo neben Aldi noch weitere Läden tägliche viele Kunden anziehen, gilt die neue Parkregelung mit den Sensoren. Eine Mitarbeiterin des Lebensmittel-Discounters berichtet, dass der Parkplatz vor allem freitags, wenn Hunderte Gläubige zum Freitagsgebet in der nahegelegenen Al-Muhajirin-Moschee anreisten, völlig überfüllt war. Und das oft den ganzen Tag über. „Die meisten Muslime reisen offensichtlich von weiter an und sind da natürlich mit dem Auto unterwegs“, hat die Frau beobachtet.

Kundin Anna Skrobol jedenfalls freut sich über das neue System. „Ich habe die Parkscheibe oft vergessen“, sagt sie. Ein bisschen mulmig ist ihr aber dennoch: „Ich finde, es ist schon eine Art Überwachung“, so die 32-Jährige. Sie frage sich, welche Daten die schwarzen Sensorboxen wohl speicherten. Diese Frage treibt auch andere Kunden um. - „Sensible personenbezogene Daten können die Sensoren, wohl kaum erfassen“, ist sich ein anderer Kunde sicher. Rentner Georg Bloch hat ebenfalls Verständnis für das System: „Hier sind viele Fremdparker, davor wollen die sich wohl schützen.“