Stadtrat verabschiedet Parkraumkonzept: Parken auf dem Venusberg in Bonn kostet bald

Stadtrat verabschiedet Parkraumkonzept : Parken auf dem Venusberg in Bonn kostet bald

Der Stadtrat hat jetzt ein Parkraumkonzept für den Venusberg verabschiedet. Bis zum Jahresende sollen die entsprechenden Zonen markiert sowie Automaten und Schilder aufgestellt sein.

Ob das eigene Auto direkt vor der Haustür stehen muss, ist für Barbara Dreymann keine Grundsatzfrage. Für die Mitbegründerin der Initiative Venusberg ist klar, dass auch die Anwohner Kompromisse machen müssen, wenn die verfahrene Parksituation im Bereich zwischen Haager Weg, Kiefernweg, Robert-Koch- und Sigmund-Freud-Straße anders – besser – geregelt werden soll. Daher beurteilt sie das jetzt im Stadtrat verabschiedete Parkraumkonzept für den Venusberg als „einen Schritt in die richtige Richtung“. Der Suchverkehr werde reduziert, „das ist für uns Anwohner eine Entlastung“, sagt sie. Und dass es klare Verhältnisse gebe, wo wie lange geparkt werden darf, wie viel es kostet und dass vom Ordnungsamt kontrolliert wird.

Ganz anders wertet das der Bürger Bund Bonn. Er hat in der Ratssitzung – wie auch AfB – gegen das Parkraumkonzept gestimmt. „Statt zu reduzieren, sollten für die Anwohner mehr Parkplätze als bisher zur Verfügung stehen. So ist das eine Verschlimmbesserung; der Parkdruck wird sich verschärfen“, behauptet Johannes Schott. Etwa 150 von insgesamt rund 1450 Parkplätzen fallen im öffentlichen Raum auf dem Venusberg künftig weg.

Wie Helmut Haux, Verkehrsexperte im Planungsamt erläutert, hat der beauftragte Gutachter ursprünglich weitaus mehr Parkplätze gestrichen, um Fußgängern, Radfahrern und auch dem Busverkehr größeren Raum zu lassen. „Der Parkplatz ist ein rares Gut in der Stadt“, ist auch Haux bewusst. Allerdings sei es für Bonner relativ ungewohnt, dass Parkraum bewirtschaftet wird. Ziel der Maßnahme auf dem Venusberg sei, die Konkurrenz um Parkplätze zwischen den Bewohnern des Venusbergs sowie den Mitarbeitern und des Universitätsklinikums Bonn (UKB) dauerhaft zu entspannen. Das Parken wird in Zukunft in einigen Bereichen kostenpflichtig; die Anwohner sind ausgenommen.

Initiative, UKB und Verwaltung definierten Maßnahmen

Seit 2016 hat ein vom Stadtplanungsamt beauftragter Gutachter das Angebot und die Nachfrage nach Parkplätzen untersucht. Der Anstoß kam von der Anwohnerinitiative Venusberg, als das Bebauungsplanverfahren für ein Eltern-Kind-Zentrum am UKB startete. „Damit verbunden mussten wir mit noch mehr Verkehr und Parkplatzsuchenden rechnen“, erläutert Barbara Dreymann.

Initiative, UKB und Verwaltung setzten sich an einen Runden Tisch und definierten Maßnahmen. Eine davon ist das Parkraumkonzept. Wie sich bei der Untersuchung bestätigte, sind die Parkplätze im Wohngebiet sowie in den Parkhäusern des UKB tagsüber vollständig ausgelastet. Mitarbeiter des Klinikums, Patienten und Besucher weichen in die Wohngebiete aus. In Folge werden häufig die Gehwege zugeparkt, der Straßenraum wird unübersichtlich, Busse kommen nicht durch.

Die Umsetzung des Parkraumkonzeptes ist Detailarbeit: Parkscheinautomaten und Schilder aufstellen, Zonen markieren - das wird noch eine Weile dauern. Haux schätzt bis Ende des Jahres. Außerdem schreibt die Verwaltung zwei neue Stellen für Ordnungspersonal aus. „Die Personalkosten werden sich aller Erwartung nach durch die zu erzielenden Verwarnungsgelder mindestens selbst tragen“, ist man sich im Stadthaus sicher.

Parkscheibe auf dem Waldau-Parkplatz

Das Gebiet zwischen Robert-Koch-Straße im Norden, Haager Weg im Westen, Sigmund-Freud-Straße im Osten und dem Kottenforst südlich des Kiefernwegs wird in unterschiedliche Zonen unterteilt. Das Parken wird westlich des Haager Weges zeitlich auf maximal zwei Stunden begrenzt und an den Hauptverkehrswegen sowie in UKB-Nähe stellenweise kostenpflichtig. Auf dem Waldau-Parkplatz müssen Besucher künftig wochentags die Parkscheibe auslegen; montags bis freitags darf dort maximal vier Stunden geparkt werden.

„Wir werden sehen, ob das praktikabel ist“, sagt Barbara Dreymann. Auch Verkehrsexperte Haux sagt, dass die Situation unter Beobachtung stehe, damit negative Effekte nachjustiert werden können. Das große Ziel des Runden Tisches ist laut Dreymann die Reduzierung des Individualverkehrs, der nur über zwei Verbindungen, Haager Weg oder Robert-Koch-/Siegmund-Freud-Straße auf den Venusberg gelangen kann. „Sie wirken wie Nadelöhre. Da ist auch die Busfrequenz nicht beliebig erweiterbar.“ Sie setzt auf Entlastung durch eine Seilbahn vom UN-Campus hoch zum Venusberg mit möglicher Anbindung über den Rhein.

Laut Haux soll das Ergebnis einer standardisierten Kosten-Nutzen-Analyse für die Seilbahn in diesem Sommer vorgestellt werden. „Es ist etwas schwierig, weil es keine direkt vergleichbaren Projekte gibt.“