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Bilanz zum Sturm in Bonn: Orkan "Niklas" richtet vielerorts Schäden an

Bilanz zum Sturm in Bonn : Orkan "Niklas" richtet vielerorts Schäden an

Vielerorts entwurzelte Bäume, infolgedessen beschädigte Autos und Gebäude und damit Sachschäden in sechsstelliger Höhe - mit mehr als 100 Stundenkilometern in der Spitze hat Sturmtief "Niklas" bis Dienstagabend - begleitet von heftigen Regenschauern - auch in Bonn gewütet.

Bis Redaktionsschluss mussten Feuerwehren und Polizei stadtweit rund 60 mal sturmbedingt ausrücken, davon waren die Hälfte Einsätze, wo Bäume auf Autos gestürzt waren, so die Polizei. Laut Feuerwehr ereignete sich der folgenschwerste Einsatz an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Allee/Ollenhauerstraße, wo ein Baum auf die B 9 und die parallel verlaufende Stadtbahntrasse gestürzt war. Daraufhin musste die Friedrich-Ebert-Allee in Fahrtrichtung Süden von 14 Uhr an für zwei Stunden gesperrt werden. In Richtung Bonn-Zentrum war der Verkehr nur einspurig möglich.

[kein Linktext vorhanden]Weil der umgestürzte Baum die Oberleitung der Stadtbahnen heruntergerissen hatte, standen auch die Bahnen der Linien 66, 63 und 16. Wie die Stadtwerke berichteten, pendelten die Linien während der Reparaturarbeiten zwischen "Bad Godesberg Stadthalle" und "Max-Löbner-Straße" sowie zwischen "Bonn Hauptbahnhof" und "Heussallee". Zwischen Heussallee und Hochkreuz wurde ein Bahnersatzverkehr eingerichtet. Gegen 18 Uhr war die Oberleitung wieder repariert.

Der Sturm deckte zahlreiche Dächer ab, darunter auch teilweise das Dach der Kreuzkirche. Zur Sicherheit sperrte die Polizei kurz nach 16 Uhr das Umfeld der Kirche, dort parkende Autos wurden abgeschleppt.

Im Bonner Hauptbahnhof bildeten sich lange Warteschlangen vor den Service-Schaltern, als die Deutsche Bahn wegen Sturmschäden den Nahverkehr komplett eingestellt hatte. Auch zahlreiche Fernzüge fielen aus oder fuhren massive Verspätung ein. Viele ratlose und zum Teil verärgerte Gesichter gab es den ganzen Tag über im Bonner Hauptbahnhof. Dorothee Erdmann-Zeppernick (70) wollte nach Hameln reisen, um ihre Freundin zum Geburtstag zu besuchen. "Wir kennen uns schon seit 61 Jahren, da muss ich doch unbedingt hin.

Mal schauen, ob es klappt", sagte sie und stieg schließlich in einen Zug ein, der sie immerhin bis nach Köln bringen sollte. Sven Müller (40) hatte gar nicht mitbekommen, dass die Bahn wegen des schlechten Wetters ihren Nahverkehr eingestellt hatte. "Wieso, fährt die Bahn jetzt nur noch bei schönem Wetter?", fragte er etwas ungläubig. Der Umschüler wollte ebenfalls nach Köln. "Ich habe mir glücklicherweise einen Zeitpuffer eingebaut und fliege erst morgen von Berlin aus nach Sardinien", sagte Inke Kruse (48), die mit dem Zug in die Hauptstadt wollte. Wie die meisten anderen Fahrgäste versuchte auch sie, zunächst nach Köln zu kommen in der Hoffnung, von dort aus ihr Ziel doch noch rechtzeitig erreichen zu können.

Für Passanten war der Aufenthalt gestern draußen nicht ungefährlich. An einigen Häusern flogen Ziegel von den Dächern. Gerüstbauer brachen die Arbeit ab und sicherten ihr Material. So manch einer vermisste im Laufe des Tages auf Balkon und Terrasse Gegenstände, weil sie weggeweht worden waren. Wer sich rausgetraut hatte, wurde mit Sturmfrisuren belohnt.

In Beuel blieb gestern die Osterkirmes dicht. "Das war uns bei dem Sturm zu gefährlich", erklärte Schausteller August Kipp. Heute soll die Kirmes aber regulär wieder geöffnet haben. Und weil Familientag ist, gibt es die Fahrten zu ermäßigten Preisen, sagte Kipp.

Auch heute gehen die Aufräum- und Sägearbeiten weiter. Die Heinrich-Lützeler-Straße, die in Poppelsdorf auf die Graf-Stauffenberg-Straße stößt, bleibt wegen umsturzgefährdeter Bäume gesperrt, kündigte Elke Palm vom Presseamt gestern an. "Die Straße ist auch für Fußgänger gesperrt, denn die bruchgefährdeten Bäume müssen mit schwerem Gerät entfernt werden", sagte sie.

Baustart verschoben

Wegen der Sturmtief-Wetterlage hat die Stadtverwaltung den für Dienstag geplanten Start der Nachtarbeiten auf der Baustelle Stadtbahn-Haltestelle Stadthaus verschoben. Daher wird die Straße Berliner Platz in Richtung Kennedybrücke nicht voll gesperrt und bis auf Weiteres befahrbar sein. Ob die nächtlichen Montagearbeiten wie ursprünglich vorgesehen in der Nacht auf Donnerstag und in der Woche nach Ostern stattfinden werden, wird das Tiefbauamt nach Angaben des städtischen Presseamtes erst im Laufe des heutigen Tages entscheiden.