Kommentar zu den versteinerten Vorgärten: Öde Flächen

Kommentar zu den versteinerten Vorgärten : Öde Flächen

Schotterbeete sind in den Vorgärten immer häufiger zu sehen. Die Stadt Bonn will sie jedoch nicht dulden, weil sie klimafeindlich sind und Insekten keine Nahrung bieten. Ein Kommentar zu den "öden Flächen".

Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Erst wird den Leuten ein Haus mit Garten verkauft. Dann empfiehlt ihnen ein findiger Bauunternehmer, den Vorgarten mit Beton oder Plastikfolie hermetisch abzuriegeln. Mittenrein vielleicht noch ein liebloser Busch. Fertig ist der Schottergarten.

Dass manche Eigentümer trotzdem zugreifen, weil sie den Aufwand des Gärtnerns scheuen, ist verständlich. Allerdings sollte sich jeder bewusst sein, dass er mit seinem Handeln das Mikroklima in Bonn weiter aufheizt, bei Starkregen womöglich selbst irgendwann nasse Füße bekommt und zudem weder Insekten noch Mitmenschen eine Freude bereitet.

Vor einem Urteil sollte man allerdings genau hinsehen, wie das Beispiel der Beete vor der Beethovenhalle zeigt. Hier wurde mit Bedacht gehandelt. Allerdings ist die Stadt Bonn im großen Maßstab selbst nicht immer ein gutes Vorbild. Am augenfälligsten ist das wohl auf dem Platz der Vereinten Nationen vor dem World Conference Center Bonn (WCCB). Hier wurde mitten im Bundesviertel ein riesiger, völlig unbelebter Platz ohne jede Aufenthaltsqualität geschaffen.

In der Dauerhitze wirkt der Stein wie ein Hitzespiegel, der die Sonnenwärme bis weit in die Nacht in die Luft zurückgibt – und das in direkter Nachbarschaft zum Weltklimasekretariat. Hier ist Entsiegelung und intelligente Beschattung wohl ebenso dringend geboten wie in den steinernen Vorgärten in Röttgen. Nicht einmal genügend Fahrradständer gibt es am WCCB für die Klimabewegten, die ohne Auto kommen.