Burka und Niqab: OB Sridharan löst Diskussion über Vollverschleierung aus

Burka und Niqab : OB Sridharan löst Diskussion über Vollverschleierung aus

Der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat in einem Interview die Vollverschleierung von Frauen abgelehnt. In Bonn gab es unterschiedliche Reaktionen auf die Aussage. Ein Überblick.

Wie sollte die Öffentlichkeit mit vollverschleierten Frauen umgehen? In Bonn und besonders in Bad Godesberg hat diese Frage schon oft die Gemüter erhitzt. Jetzt hat Oberbürgermeister Ashok Sridharan der Diskussion einen neuen Impuls gegeben. In einem aktuellen Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ vertritt er eine klare Position: Klar sei, so Sridharan, „dass eine Vollverschleierung nicht unserer Lebensart entspricht“. Von vollverschleierten Musliminnen erhoffe er sich „mehr Respekt für unsere Gepflogenheiten“.

Als Oberbürgermeister Bonns seien ihm mit Blick auf die Vollverschleierung allerdings die Hände gebunden. „Ich kann mich nicht über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik hinwegsetzen“, sagte er. In ihrer Haltung sind sich Sridharan und die ihm direkt unterstellte Integrationsbeauftragte Coletta Manemann einig. „Gesicht zeigen gehört in unserer Gesellschaft zum Miteinander. Muslime sehen das genauso“, betont Manemann. Die Vollverschleierung sei nicht religiös begründet und auch viele Muslime in Bonn störten sich an ihr.

In Bonn gab es unterschiedliche Reaktionen auf die Aussage des OB. Die Zahl der Burka- und Niqab-Trägerinnen habe in Bad Godesberg deutlich abgenommen, sagt Jürgen Bruder, Vorsitzender des Vereins Bad Godesberg Stadtmarketing. Es handele sich meist wohl um Medizintouristen. Er findet die Verschleierung nicht gut, „weil ich den Leuten gerne persönlich ins Gesicht schaue. Das Gesicht ist die Identität eines Menschen“. Das höre er auch von vielen Händlern. Für Bruder ist Integration eine Frage der Gegenseitigkeit. Nicht verschleiert zu sein, sei die Grundvoraussetzung für eine Vertrauensbasis. Wer sich aber hinter einer Maske verstecke, errege Aufmerksamkeit und schaffe Misstrauen. In der Vergangenheit hatten in Bad Godesberg auch verschleierte Mütter von Schul- und Kindergartenkindern, die also offenbar nicht nur zu Besuch in der Stadt sind, die Diskussion über Integration angefacht.

„Das Thema ist für mich eine Herzensangelegenheit, über die man diskutieren sollte“, sagt Sanaa Elaidi, Vorsitzende des Vereins Haus der Generationen in Mehlem. Verschleierte Frauen hätten die Pflicht, sich diesen Gesprächen zu öffnen. Sie verurteile Niqab-Trägerinnen aber nicht. Hinsichtlich der Religion gebe es Grundsätze, über die sich alle einig seien. Die Bedeckung der Kurven einer Frau sei im Koran beschrieben. Wie das zu handhaben sei, dazu gibt es laut Elaidi aber Interpretationsspielräume. Der Vorsitzenden ist es wichtig, dass sich auch die Verschleierten mit den anderen Lehren befassten. „Eine vollverschleierte Frau muss abwägen, was ihr Ziel ist und wie sie die Gesellschaft mitgestalten will – und wie sie mit ihr zurechtkommt.“

Forderung nach Verbot wurde in Wahlkämpfen laut

Anders als in Deutschland gilt in den meisten Nachbarländern ein Verbot der Vollverschleierung. Das laizistische Frankreich beruft sich dabei etwa auf die Prinzipien der Geschlechtergleichheit und die Freiheit von religiösem Zwang. In Deutschland wurde die Forderung nach einem Verbot zuletzt immer wieder in Wahlkämpfen laut. Bislang aber beschränken sich Vorschriften auf Lebensbereiche.

So ist etwa Amtspersonen sowie Beschäftigten von Schulen und Kindergärten eine Vollverschleierung verboten. Seit einem Jahr legt die Straßenverkehrsordnung fest, dass Autofahrer am Steuer ihr Gesicht nicht verhüllen dürfen. Derzeit läuft zudem eine Gesetzesinitiative der Justizminister der Länder, die Zeugen vor Gericht eine Verschleierung generell verbieten will.

„In der Bewertung vollverschleierter Frauen bin ich hin- und hergerissen zwischen dem Gebot der Toleranz und der Erwartung an Integration“, sagt der designierte Bonner Stadtdechant, Pfarrer Wolfgang Picken. Es sei Ausdruck unserer abendländisch-aufgeklärten Kultur, jeden Menschen in seiner Unterschiedlichkeit und seinem religiösen Selbstverständnis zu respektieren. „Von daher können und werden wir es aushalten, wenn sich vollverschleierte Frauen öffentlich zeigen.“ Damit sei unsere Kultur nicht infrage gestellt oder per se gefährdet, so Picken. Er wünsche sich aber, dass es weniger vorkommt, weil es negative Haltungen fördert.

Der Vorsitzende des Bonner Integrationsrats, Rahim Öztürker, ist der Auffassung, dass der Anteil vollverschleierter Frauen äußerst gering sei. Man müsse auch unterscheiden zwischen Medizintouristen, die aus ihrer Heimat nichts anderes kennen, und eingebürgerten Deutschen, „von denen ich finde, dass sie sich auch ihrer Umgebung anpassen sollten“, so Öztürker.

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