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Nutrias in Bonn: Weiße Sumpfbiber in der Rheinaue entdeckt

Population unbedenklich : Stadt Bonn macht keine Jagd auf Nutrias in der Rheinaue

In der Bonner Rheinaue gibt es schon seit einiger Zeit eine Population von Nutrias, auch Sumpfbiber genannt. Nun haben sich ein paar ganz besondere Exemplare dazu gesellt: weiße Nutrias. Was es damit auf sich hat und warum die Tiere die Kommunalpolitik beschäftigt.

Wenn Petra Schmidt in der Mittagspause durch die Rheinaue spaziert, dann hält sie die Augen offen.  „Ich sehe da oftmals mehr als die meisten Leute, die in der Rheinaue unterwegs sind“, sagt die Hobbyfotografin, die im nahegelegenen Bundesumweltministerium tätig ist und oft ihre Kamera bei den Spaziergängen dabeihat. Zuletzt hat sie etwas ganz Besonderes vor die Linse bekommen: weiße Nutrias. Sie stammen aus Züchtungen, weiß Schmidt, und sind möglicherweise entlaufen. Offensichtlich haben sich die possierlichen Tierchen aber gut in die Gemeinschaft ihrer seit langem auch in der Rheinaue etablierten Artgenossen mit dem rötlich-braunen Fell integriert.

Ursprünglich stammt die Nutria - auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt -  aus Südamerika,   schreibt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf einer Webseite zu den Nutrias. Die Tiere beschäftigen aktuell auch die Bonner Kommunalpolitik. So hatte der Stadtrat im vorigen Jahr ein Fütterungsverbot in der Rheinaue beschlossen. „Wasservögel und Nutrias vermehren sich durch eine übermäßige Fütterung zu stark“, hieß es zur Begründung.

Diese Übervölkerung führe dazu, dass übermäßig viel Tierkot in das Wasser gelange und nicht mehr natürlich abgebaut werden könne. Das könne zum Umkippen von stehenden Gewässern führen. Außerdem könnten sich durch Kot und verdorbene Lebensmittel Bakterien bilden, die für Wasservögel giftig sind. „Die Tiere verenden dann innerhalb kurzer Zeit.“

Für den nächsten Bürgerausschuss liegt ein Bürgerantrag vor, der sich gegen eine Bejagung der Nutrias in der Rheinaue ausspricht, da die Population stark zurückgegangen sei. Der Antragsteller will auch beobachtet haben, wie Spaziergänger ihre Hunde auf die Nutrias gehetzt hätten. Würde man die Tiere sich selbst überlassen, so würde der Bestand auf natürliche Weise geregelt, so der Antragsteller. Hobbyfotografin Petra Schmidt sieht das ähnlich. Das Problem liegt aus ihrer Sicht beim Menschen: „Ich sehe immer wieder, dass die Tiere trotz Verbots gefüttert werden. Das ist das eigentliche Übel“, kritisiert sie.

Nach Auskunft von Markus Schmitz vom Presseamt lässt die Stadt die Nutrias nicht bejagen. „Die aktuelle Population der Nutrias ist aus Sicht der Stadt nicht bedenklich. Allerdings stellt die Stadt seit kurzem fest, dass sie Obstbäume und andere Gehölze anfressen. Die Bäume sollen deshalb mit einem Draht geschützt werden“, erklärt Schmitz.

Hinsichtlich der Einhaltung des Fütterungsverbots  spreche der Stadtordnungsdienst   Parkbesucher beim Verstößen an. „Im Regelfall werden Familien mit Kindern angetroffen, die – zumeist unbewusst – gegen das Fütterungsverbot verstoßen.“ Auf Verwarnungsgelder konnten die Mitarbeiter bislang meist verzichten, da sich die Eltern oder Begleitpersonen in der Regel einsichtig gezeigt hätten. „Lediglich in zwei Fällen, davon eine unerlaubte Nutriafütterung in der Rheinaue, wurde eine Anzeige geschrieben, da sich die betroffenen Personen uneinsichtig gezeigt haben“, sagt Schmitz.