Kommentar: Nur noch der Stern glänzt

Kommentar : Nur noch der Stern glänzt

Das ehemals renommierte Bonn-Center hat Patina angesetzt. Der Glanz vergangener Tage ist verblasst - bis auf den Mercedes-Stern. Obwohl bereits seit 2009 in der Insolvenz, konnte die Betreibergesellschaft aus Düsseldorf die drohende Pleite lange Zeit vor der Öffentlichkeit verbergen.

Erst der Auszug der Post und der damit verbundene Leerstand haben die Schwierigkeiten sichtbar gemacht. Wer mit dem Auto über die Reuterbrücke südwärts fährt, kann durch komplette Etagen durchblicken. Das Bonn-Center mutet in Teilen wie eine Geisterstadt an.

Viele der verbliebenen Mieter sind zu Recht beunruhigt: Kunden bleiben aus, Kassen bleiben leer. Bevor das Szenario einer Zwangsversteigerung auf sie zukommt, begeben sich die ersten Mieter bereits auf die Suche nach Alternativstandorten. Jeder Weitere, der das Hochhaus verlässt, hämmert den nächsten Sargnagel in das Bonn-Center.

Dass der beauftragte Immobilien-Spezialist in Berlin nach dreieinhalb Jahren des Nachdenkens noch keine Idee zur Rettung des Bonn-Centers entwickelt hat, stimmt nachdenklich. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn ist jetzt gefordert, Hilfestellung zu leisten.

Die Idee, dort ein Studentenwohnheim einzurichten, hat auf den ersten Blick Charme. Aber: Dazu benötigt man einen solventen Investor, der bereit ist, mehrere Millionen Euro in die Hände zu nehmen. Also: Kreativität und unternehmerische Risikobereitschaft sind gefragt, um das Bonn-Center zu retten. Das Engagement lohnt sich. Denn: Eine Bauruine mit der Topadresse Bundeskanzlerplatz 2-10 ist kein Aushängeschild für eine internationale Stadt wie Bonn.

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