Kommentar zu SWB-Rückzug: Nützt es Bonn?

Kommentar zu SWB-Rückzug : Nützt es Bonn?

Die Bonner Stadtwerke wollen ihre Anteile an der Energiegesellschaft Sankt Augustin verkaufen. Im Rat formiert sich Widerstand dagegen. Einige Fraktionen bezweifeln, dass die Stadt Bonn davon profitiert.

Es mag gute Gründe für die Stadtwerke Bonn geben, ihre 45 Prozent an der Energieversorgungsgesellschaft SanktAugustin an die RheinEnergie zu verkaufen und einen Absatzmarkt der Kölner Konkurrenz zu überlassen. Es ist nachvollziehbar, dass die SWB-Geschäftsführer darüber nicht offen reden, weil es um vertrauliche Verhandlungen geht. Aber auch in der nichtöffentlichen Beratung des Finanzausschusses konnten sie einige Fraktionen nicht überzeugen, dass der Deal der Stadt Bonn zum Vorteil gereichen würde.

Ja, die SWB stehen bei den Sankt Augustinern seit langem im Wort, der Kommune zu einem eigenen Stadtwerk zu verhelfen, das den Großteil der Bürger als Grundversorger mit Strom und Gas beliefert. Diesen Job soll nun die RheinEnergie mit ihrem Kundenstamm in Sankt Augustin übernehmen. Die Alternative wäre: Die SWB verkaufen nicht und versuchen, den Kölnern für das neue Stadtwerk Kunden abzujagen. So eine Vertriebsoffensive kostet zunächst Geld und Kraft, erschließt den SWB mittelfristig aber einen Zusatzmarkt für Strom und Gas.

Wie lukrativ der ist, beweist die eigene Energie-Tochter der Stadtwerke Jahr für Jahr. Die EnW erzielt üppige Gewinne. Ärgerlich nur aus Bonner Sicht, dass davon ein erheblicher Teil an andere Miteigentümer fließt – den Rhein-Sieg-Kreis zum Beispiel. Der bekam vor Jahren 41 Prozent der lukrativen SWB-Beteiligungsgesellschaft, weil die Bonner absprachegemäß hofften, dass danach viele Kreiskommunen ihre Energieversorgung mit in die Gesellschaft einbringen würden. Das passierte aber nicht.

Alle Bemühungen der SWB, die Anteile des Rhein-Sieg-Kreises zurückzukaufen, scheiterten. Wer verzichtet schon auf eine dauerhaft sprudelnde Einnahmequelle? Nach diesen Erfahrungen ist aber auch nachvollziehbar, dass die Politiker diesmal genau darauf achten, dass Bonn am Ende selbst profitiert. Denn die finanziellen Lasten, die die Stadtwerke mit dem öffentlichen Nahverkehr zu schultern haben, sind schwer genug.

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