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Projekt gegen Überflutung: Nordunterführung am Bonner Bahnhof früher fertig

Projekt gegen Überflutung : Nordunterführung am Bonner Bahnhof früher fertig

Bereits im Juni soll das neue Abwasserpumpwerk mit Stauraumkanal an der Nordunterführung des Hauptbahnhofs fertig sein. Also zwei Monate früher als geplant. Und der kalkulierte Kostenrahmen von etwa 650.000 Euro wird eingehalten.

„Durch den vorhandenen Stahlbeton-Tunnel konnten wir uns einen Mordsaufwand ersparen“, sagte Tiefbauamtsleiter Peter Esch bei einer Ortsbesichtigung. Aufgrund des zügigen Baufortschritts werde die Baustellenampel in der Unterführung Mitte Mai abgebaut.

Bei Inbetriebnahme des neuen Pumpwerks und des 66.000 Liter fassenden Stauraumkanals sollen die mehrfachen Überflutungen der Nordunterführung der Vergangenheit angehören. Die Statistik errechnet eine nur alle 100 Jahre mögliche Regenwasserhöchstmenge von 44 Litern pro Quadratmeter und Stunde als größtmögliches Volumen. Diese Menge kann jetzt von den neuen Pumpen und vom Stauraumkanal bewältigt werden. So wird in Zukunft die Unterführung auch bei Starkregen passierbar bleiben.

Eine extreme Wassermenge von 80 Litern pro Quadratmeter und Stunde, wie sie 2013 den Verkehr lahmlegte, bezeichnet Peter Esch als „nicht beherrschbare Naturkatastrophe“, der man mit baulichen Maßnahmen kaum entgegenwirken könne. Das bestehende Pumpwerk aus dem Jahr 1983 war in wesentlichen Teilen erneuerungsbedürftig, sodass die Stadt sich entschloss, mit einer neuen Anlage den aktuell möglichen technischen Standard zu erreichen und damit die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Für das neue Pumpwerk, das außerhalb der Unterführung auf Höhe der Thomas-Mann-Straße zwischen Taxistandplatz und den Gleisen der Deutschen Bahn liegt, musste eine etwa zehn Meter tiefe Baugrube ausgehoben werden. Das neue Pumpwerk wird an einen ebenfalls neu gelegten, 33 Meter langen Stauraumkanal mit einem Durchmesser von 1,60 Metern angeschlossen. Der soll das Regenwasser von den rund 4000 Straßen-Quadratmetern von Herwarthstraße und Am Hauptbahnhof aufnehmen und mit maximal 42 Litern pro Sekunde hochpumpen. Das Wasser wird dann gedrosselt in das Kanalsystem der Stadt abgegeben.

Dass der Kanal so zügig erstellt und vergleichsweise günstig gebaut werden konnte, liegt an dem seit 1993 vorhandenen sogenannten „Posttunnel“. Er wurde für ein damals geplantes, aber nie realisiertes Postverteilzentrum gebaut und konnte nun für das Einbringen des neuen Stauraumkanals genutzt werden.

Ein Aushub für den neuen Kanal hätte nicht nur zu einer wesentlichen Verteuerung, sondern auch zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen geführt, da jedwede Erdarbeit in der Nähe oder unter dem Gleiskörper der Deutschen Bahn langwierige Gutachterexpertisen und Genehmigungsverfahren erfordert hätte.