Niklas Pöhler in Bonn: Kommentar zur Einstellung der Ermittlungen

Kommentar zum Fall Niklas Pöhler : Schwer zu ertragen

Für GA-Redakteur Andreas Baumann ist der Gedanke unerträglich, dass der Tod von Niklas Pöhler vermutlich ungesühnt bleibt. Vor allem, wenn es stimmen sollte, dass die Staatsanwaltschaft die Mutter nicht über die Einstellung des Verfahrens informiert hat und sie erst aus den Medien davon erfuhr.

Rhein in Flammen war schon immer ein fröhliches Familienfest. Allerdings haben Großveranstaltungen mit Zehntausenden von Besuchern unweigerlich eine Schattenseite: Sie ziehen auch Menschen an, die einen Hang zu unmäßigem Alkoholgenuss und/oder körperlicher Gewalt mitbringen. Aus gutem Grund hat die Polizei schon vorher Betretungsverbote gegen notorische Schläger ausgesprochen und in der Rheinaue deutlich Präsenz gezeigt. Dass die Beamten bei zehn Körperverletzungsdelikten einschreiten und 43 Platzverweise aussprechen mussten, belegt nachdrücklich, wie unverzichtbar dieses Sicherheitskonzept leider ist.

Hundertprozentigen Schutz kann es trotzdem nicht geben. Auf entsetzliche Weise mussten das vor drei Jahren die Familie und die Freunde von Niklas Pöhler erfahren. Der damals 17-Jährige wollte einfach nur einen schönen Abend bei Rhein in Flammen erleben – und traf auf dem Heimweg eine Gruppe aggressiver Typen, die aus nichtigem Grund über ihn herfielen. Von einem Moment auf den anderen wurde aus Niklas, dem Schüler, ein zufälliges Opfer. Es hätte auch jeden anderen treffen können. Eine Prügelattacke, die tödlich endete.

Dass der Tod dieses Jungen möglicherweise ungesühnt bleibt, ist ein unerträglicher Gedanke – nicht nur für seine Mutter. Was die Nachricht von der Einstellung des Ermittlungsverfahrens in ihr ausgelöst haben muss, lässt sich bestenfalls erahnen. Vor allem, wenn es stimmen sollte, dass die Staatsanwaltschaft die Mutter nicht über die Entscheidung informiert hat und sie erst aus den Medien davon erfuhr. Bei allem Verständnis für den Arbeitsdruck der Ermittler: Es sollte für den federführenden Staatsanwalt leistbar sein, nach einem solchen Schicksalschlag die Familie anzurufen, wenn er die Akte schließen muss.

In der Sache ist eines aber klar: Auch wenn der ehemalige Angeklagte Walid S. wohl ein unverbesserlicher Schläger ist, reichen die Beweise gegen ihn und mögliche Mittäter nicht aus. Bisher jedenfalls. Es bleibt die Hoffnung, dass irgendwann einer der Zeugen das unselige Schweigen bricht.

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

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