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Preise auf dem Bonner Weihnachtsmarkt: Nicht nur die Speisen sind gesalzen

Preise auf dem Bonner Weihnachtsmarkt : Nicht nur die Speisen sind gesalzen

Die Preise für viele Leckereien auf dem Weihnachtsmarkt sind hoch. Eine Familie gibt locker 34 Euro für einen Imbiss aus. Die Kunden stehen trotzdem Schlange. Das sagen Familien, Standbetreiber und die Stadt zu den Preisen.

Er gehört in der Adventszeit einfach dazu, der Bummel über den Weihnachtsmarkt. Auch der Imbiss an Bratwurst- oder Reibekuchenstand und natürlich das Glas Glühwein sind für viele schon allein ein Grund für einen Besuch. Doch so manchem Besucher könnte inzwischen angesichts der Preise der Appetit vergehen.

Familie Franz ist zu viert auf dem Bonner Weihnachtsmarkt unterwegs. „Wenn jeder von uns nur eine Bratwurst mit Pommes isst und etwas dazu trinkt, sind wir doch schon mindestens 34 Euro los“, sagt Mutter Monika, als sie an einem Imbissstand am Friedensplatz die Preise studiert. Dort kostet die Wurst mit Pommes sechs Euro. Wer eine Krakauer Bratwurst haben will, zahlt schon 6,50 Euro. Der Becher Glühwein ohne Extras dagegen ist überall noch wie im Vorjahr für 2,50 Euro zu haben.

„Bis jetzt hat sich kaum jemand über die Preise beschwert“, sagt einer der Mitarbeiter an dem Bratwurststand, wo Familie Franz auch trotz ihrer Kritik ihre Bestellung aufgibt. „Ganz selten sagt einer mal, dass es schon teuer ist, aber Qualität hat eben ihren Preis“, gibt der Mann zu bedenken. Außerdem seien auch für sie als Schausteller die Preise gestiegen, vor allem für Energie- und Lebensmittel.

Händler argumentieren mit Qualität

Marcel Rüwe und Michelle Levy aus Köln sind erstmals mit einem Crêpe-Stand auf dem Weihnachtsmarkt vertreten und können gut nachvollziehen, dass der Bummel dort gerade für Familien mit Kindern ein ganz schönes Loch in die Haushaltskasse reißen kann. Dass ihre Crêpes mit drei Euro und mehr aus Kundensicht aber auch einen stolzen Preis haben, erklären sie ebenfalls mit der Qualität. „Wir benutzen nur Originalprodukte“, versichert Michelle Levy.

Deutlich teurer als im vorigen Jahr sind die obligatorischen drei Reibekuchen, die jetzt beinahe überall 3,50 anstatt drei Euro kosten, und zwar ohne Apfelmus, das extra zu zahlen ist. Eine Preissteigerung um immerhin 20 Prozent in nur einem Jahr. „Das liegt daran, dass die Kartoffelpreise so gestiegen sind“, erklärt Anita Schutz, die ihren Stand gegenüber der Pyramide am Münster betreibt.

Gestiegene Preise sind auch für Gerti Lorenz der Grund, ihren Flammlachs im Brötchen, das sogenannte Matrosenbrötchen, nun für sieben anstatt wie vergangenes Jahr für sechs Euro zu verkaufen. „Die Preise für Lachs sind um 50 Prozent gestiegen“, sagt sie. „Sie sind auf einem 30-Jahres-Hoch. Deshalb müssen wir einen Euro mehr pro Portion nehmen.“ Wer im Internet nachschaut, findet diese Angaben bestätigt. Unisono sagen die meisten Schausteller aber, weniger Kunden hätten sie trotz der einen oder anderen Preiserhöhung nicht. „Sehen Sie selbst, die Schlange ist wie immer lang“, sagt eine Reibekuchenverkäuferin in der Bude am Sterntor und zeigt auf die vielen hungrigen Wartenden.

Standgebühren sanken um 5,2 Prozent

„Wir haben keinen Einfluss auf die Preisgestaltung der Schausteller“, erklärt Markus Schmitz vom städtischen Presseamt. Das sei jedem selbst überlassen. An den Tarifen für die Standgebühren jedenfalls liegen die höheren Preise bei Reibekuchen und Co sicher nicht. „Das Marktamt konnte in diesem Jahr die Standtarife sogar um 5,2 Prozent senken, weil Überschüsse aus den Vorjahren zur Kostendeckung eingesetzt werden mussten“, sagte er.

Hintergrund: Die Einnahmen der Stadt Bonn über die Standtarife müssen die Kosten für den Weihnachtsmarkt auf jeden Fall decken. Entstehen Überschüsse, muss die Stadt sie innerhalb der nächsten drei, vier Jahre wieder für die Kostendeckung des Weihnachtsmarkts aufwenden. „Eine Tarifsenkung bedeutet aber nicht, dass die Teilnahme für die Beschicker zwingend günstiger wird als im Vorjahr, da sie gegebenenfalls durch eine höhere Anzahl an Tagen entsprechend höhere Kosten haben“, so Schmitz. Allerdings haben sie dann natürlich auch höhere Einnahmen.