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Online-Kurse auch in Zukunft: Neustart an der Bonner Volkshochschule läuft schleppend

Online-Kurse auch in Zukunft : Neustart an der Bonner Volkshochschule läuft schleppend

Die kurzfristige Öffnung der Volkshochschule im Mai hat einen großen organisatorischen Aufwand verursacht. Das ist bis heute zu spüren. Online-Kurse nehmen zu, Präsenzunterricht soll trotzdem bleiben.

Als der Lockdown begann, musste die Volkshochschule (VHS) mehr als 700 Kursangebote mit gut 10 000 Teilnehmern absagen. Der Termin für die Öffnung kam dann relativ kurzfristig. „Am 1. Mai um 21 Uhr haben wir die Nachricht bekommen, dass wir am 4. Mai aufmachen werden“, erzählt Ingrid Schöll, Direktorin der VHS in Bonn.

Innerhalb einer Woche habe sie mit ihren Kollegen in einem großen Kraftakt Hygienepläne und Raumkonzepte erstellt – keine leichte Aufgabe. Schließlich finden die Kurse ja nicht nur im Haus der Bildung in der Innenstadt und an den Standorten in Bad Godesberg und Duisdorf statt, sondern noch in vielen weiteren kleineren Bildungseinrichtungen. Für jede musste überprüft werden, ob der Hygieneplan der VHS dort angewendet werden kann. „Der Landesregierung war anscheinend nicht klar, wie komplex die Kursstruktur in der Volkshochschule ist“, sagt Schöll.

Die immer wieder geänderten Vorgaben des Landes machten es Schöll nicht gerade leicht. „Wir mussten unsere Raumkonzepte zweimal ändern“, sagt sie. „Ständig haben wir überlegt, wie viele Leute können in einen Raum rein.“ Die Kurse, in denen die Teilnehmerzahl gering genug war, konnten wieder anfangen. Die Frage war dann: Was ist mit den Kursen, deren Teilnehmerzahl über der Maximalanzahl in Räumen liegt? Einem Teil der Angemeldeten den Kurs dann abzusagen, kam für Schöll nicht in Frage.

Ein Leser meldete sich bei unserer Zeitung und beschwerte sich, dass weder er noch andere Teilnehmer knapp drei Wochen nach der Öffnung der VHS darüber informiert wurden, ob und wann ihr Kurs wieder stattfindet. Die Kurse alle neu zu organisieren, sei eine „irre Kleinarbeit“ gewesen, sagt Schöll. „Ich kann die Verwaltung und die pädagogischen Mitarbeiter nur loben.“ Kein Kurs laufe mehr normal. Allein im Bereich Sprachen werden mehrere Hundert Kurse angeboten.

Das Haus der Bildung ist nur noch für Kursteilnehmer zugänglich, die sich am Eingang eintragen müssen. Für Besucher ist das Haus derzeit gesperrt. „Wir könnten sonst die Infektionsketten nicht zurückverfolgen“, erklärt Schöll diesen Schritt.  Sie hofft, dass es im Herbst keine Eingangskontrollen mehr gibt. „Im Moment sind es ja nur wenige. Aber wenn 20 oder 30 Kurse anfangen, dann können sich Schlangen vor dem Eingang bilden.“

Der Präsenzunterricht hat sich in Corona-Zeiten nun stark gewandelt. „Die Teilnehmer sitzen jetzt in Frontalbestuhlung, das didaktische Konzept musste komplett den Corona-Bedingungen angepasst werden. Man macht ja auch Spiele oder gibt mal ein Blatt rum.“ All das sei nicht mehr möglich. „Wir müssen aktuell die Pädagogik aus der Feuerzangenbowle machen“, erklärt Schöll. In dem Filmklassiker aus dem Jahr 1944 wird der damals noch völlig normale Frontalunterricht gezeigt.

Eine Möglichkeit war dann, die Kurse online weiterlaufen zu lassen. „Da muss ich meinen Kolleginnen und Kollegen ein Kompliment aussprechen“, sagt Schöll. „Wir haben über 130 Online-Kurse. Die allermeisten im Sprachbereich, aber auch im Integrationsbereich.“ In kurzer Zeit mussten sie sich die Kompetenzen für den digitalen Unterricht aneignen.

Online-Kurse auch in Zukunft an VHS

Die Reaktion der Teilnehmer war dabei sehr differenziert. „Die Teilnehmerin eines Arabisch-Kurses war begeistert davon, wie gut der Unterricht auch online weiterhin funktioniert.“ Es werde aber niemand dazu gezwungen. Es gebe auch Leute, die es für die Übergangszeit gut fänden, aber später wieder zum Analogen zurückkehren wollen. „Bis wir wieder in der Lebhaftigkeit einer Gruppenatmosphäre arbeiten können, wird es noch eine Weile dauern.“

Der Online-Unterricht wird auch in Zukunft Bestandteil an der VHS bleiben. „Wir werden das weiter anbieten“, sagt Schöll. „Nicht nur, weil wir weiter für die Krise gerüstet sein wollen, sondern weil wir bei unseren online-affinen Teilnehmern merken, dass es sehr gut angenommen wird.“ Auch da niemand weiß, was in Zukunft noch passieren wird, müsse die VHS immer in der Lage sein, zweigleisig zu fahren. Das sei eine zentrale Lehre aus der Krise. „Wir müssen beide Wege mitdenken.“ Die klassische Volkshochschule sei aber immer eine analoge. „Deshalb werden wir versuchen, die VHS in ihrer alten Form, soweit es geht, im Herbst hochzufahren.“

Schöll bedauert es sehr, dass in diesem Sommer kein Programmheft erscheinen wird. „In diesem Jahr wird es das erste Mal in meiner 30-jährigen Laufbahn kein gedrucktes Heft geben.“ Die Planung werde noch bis in die Sommerferien hineinlaufen.