Quirinusplatz in Bonn: Neun Bäume fallen für umstrittenes Bauprojekt

Quirinusplatz in Bonn : Neun Bäume fallen für umstrittenes Bauprojekt

Am Quirinusplatz entstehen vier Neubauten mit 60 Wohnungen und Geschäftsräumen. Für das jahrelang umstrittene Projekt werden nun neun Bäume gefällt.

Für das jahrelang umstrittene größere Bauprojekt am Dottendorfer Quirinusplatz können die Vorarbeiten beginnen. Die Stadtverwaltung hat eine Fällgenehmigung für neun geschützte Bäume auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Areal erteilt, das die Dottendorfer liebevoll Burgpark nennen. Fallen werden eine 19 Meter hohe Säulenpappel, zwei kleinere Esskastanien, eine 24 Meter hohe Fichte sowie weitere Fichten, eine Birke, eine Douglasie und ein Bergahorn.

Den Zustand der meisten Bäume habe ein externer Gutachter als mangelhaft eingestuft. Weil ihre Wurzelwerk in den Bereich einer geplanten Tiefgarage reiche, gebe es keine Alternative zu einer Fällung. Eine große Esskastanie und eine als Naturdenkmal unter Schutz stehende Blutbuche sollen hingegen erhalten und umfassend vor den Bauarbeiten geschützt werden.

Die in Bonn ansässige Rhegio Plus GmbH und Co. KG plant auf dem Grundstück rund 60 Wohnungen in vier Gebäuden. Dazu soll das seit Jahren leerstehende Schwesternwohnheim ebenso abgerissen werden wie das Ärztehaus an der Villenstraße 4.

Die dortigen Praxen und die Apotheke sollen in einen der Neubauten übersiedeln. Ursprünglich wollte Rhegio Plus-Geschäftsführer Lutz Michael Kelle 42 Eigentumswohnungen in gehobenem Standard bauen. Geförderter Wohnraum sei an diesem exponierten Standort nicht finanzierbar, sagte er 2015 im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

18 zusätzliche Sozialwohnungen

Während die Stadtverwaltung den Plänen des Investors erst nachgegeben hatte, fand dieser mit seinem ersten Entwurf für das baurechtlich bislang als Krankenhaus vorgesehene Gelände bei der Kommunalpolitik aber keine Mehrheit.

Nach dem Veto aus der Bezirksvertretung Bonn hat Rhegio Plus sich nunmehr in jahrelangen Verhandlungen bereiterklärt, 18 zusätzliche Sozialwohnungen zu bauen. Im Gegenzug sollen die vier Mehrfamilienhäuser mit einem zurückgesetzten Geschoss nun bis zu vier Stockwerke erhalten. Dottendorfer kritisierten in mehreren Bürgeranträgen vergeblich, dass damit die niedrigere, maximal zweistöckige Umgebungsbebauung deutlich überragt werde.

Auch die Burg Dottendorf aus dem 15. Jahrhundert und die Quirinuskirche – beides sind geschützte Baudenkmale – würden optisch beeinträchtigt. Dies widerspreche der Bausatzung der Stadt Bonn zum Erhalt des Straßenbildes. Immerhin soll das historische Wegekreuz ebenso erhalten werden wie Teile der Bruchsteinmauer an Hausdorff- und Villenstraße.

Auch von anderer Seite gibt es Kritik. Ein Antragsteller merkte an, dass für den erweiterten Neubau wie ursprünglich geplant lediglich eine Tiefgarage mit 42 Stellplätzen vorgesehen ist. Dabei fielen durch den Abriss des Schwesternwohnheims und des Ärztehauses zehn ebenerdige Stellplätze weg.

Wie Kelle dem GA berichtet, sind vor Baubeginn noch diverse Vorarbeiten nötig. So müssten Baulasten mit der Feuerwehr abgestimmt werden, um die Zufahrt zum Geburtshaus sicherzustellen. Auch ein Trafo-Häuschen müsse versetzt werden. Erst nach Ende der Frist zum Schutz von Brutvögeln werde man im Winter die Fällungen vornehmen. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im Frühjahr 2020 beginnen.

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