Ein Kompromiss in Grau: Neuer Kiosk am Remigiusplatz in Bonn ist fertig

Ein Kompromiss in Grau : Neuer Kiosk am Remigiusplatz in Bonn ist fertig

Der neue Kiosk auf dem Remigiusplatz ist fertig und zieht Blicke auf sich - doch vermutlich nicht unbedingt solche, die die Verantwortlichen sich erhofft hatten. Echt ist allerdings die Begeisterung der Passanten für die eingebauten Toiletten.

Rechteckig, praktisch und auch gut? Handwerker legten am Montagmorgen letzte Hand an den neuen Kiosk auf dem Remigiusplatz. Das umstrittene Gebäude soll nicht nur dem Verkauf von Zeitungen und Süßigkeiten dienen. Es enthält zudem rückwärtig einerseits ein neues barrierefreies WC mit Wickeltisch und separatem Urinal als Ersatz für die versiffte unterirdische Anlage. Die Benutzung kostet 50 Cent. Das Urinal ist kostenfrei.

Andererseits wurde der Kiosk in den neuen Beethoven-Rundgang integriert: Auf zwei Seiten der mausgrauen Fassadenplatten sind Informationen zur Kindheit und Jugend des Bonner Komponisten, zu seiner Taufkirche, die einst an dieser Stelle stand, sowie ein Plan mit seinen Wohnhäusern aufs Glas gedruckt.

Für das Gebäude waren ursprünglich Kosten in Höhe von 325.000 Euro im städtischen Haushalt veranschlagt worden. Wie Kristina Buchmiller aus dem Presseamt berichtet, habe aber nur eine Baufirma ein Angebot eingereicht - für 520.000 Euro. In Verhandlungen habe die Stadt die Summe schließlich auf 360.000 Euro senken können. Die Kosten für die Infotafeln hat die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft übernommen.

Zur Erinnerung: So gestaltete sich bis vor Kurzem die Situation auf dem Remigiusplatz rund um den Kiosk. Foto: Benjamin Westhoff

Gleich am Montag zog das durchaus etwas futuristische Gebäude manch neugierigen Passanten-Blick auf sich. "Ein Kiosk ist das Letzte, was an dieser Stelle nötig war", meinte ein jüngerer Passant, der lieber nur seinen Vornamen Nils verrät. Ein städtisches WC hätte man auch anders und günstiger bauen können, glaubt er.

Remigiusplatz: „Nur ein Riesenrad passt hier überhaupt nicht“

Edgar Finger aus Bonn ist selbst Musiker. Interessiert studierte er die Bilder zu Beethoven. "Dass man auf die Bedeutung des Platzes aufmerksam macht, finde ich gut. Beethovens Bedeutung für Bonn kann man gar nicht überschätzen", meinte er. Der Platz habe insgesamt sehr gewonnen. Nur ein Riesenrad passe hier überhaupt nicht. "Dafür hätte Beethoven deutliche Worte gefunden".

Ein Bonner mittleren Alters war mit seiner Verwandtschaft aus Hamburg in der City unterwegs. Für ein Jahr sei der Kiosk schon in Ordnung, meinten die drei. Aber als Dauerlösung hielten sie das nüchterne Design für nicht so passend. "Immerhin lassen sich Graffiti gut entfernen", erklärte die Dame im Trio pragmatisch. Um die Gestaltung des Gebäudes war es in der Bezirksvertretung Bonn im Sommer zu einer erheblichen Kontroverse gekommen. Kritiker aus den Reihen der Grünen erinnerten die ursprünglichen Pläne mit den vorgesehenen schiefergrauen Fassaden an ein Mausoleum. Die Jubiläumsgesellschaft und die Stadtverwaltung hatten sie ursprünglich passend zu den Stelen des Beethoven-Rundgangs ausgesucht. Die Kioskfenster sollten gelb abgesetzt werden.

Kiosk in Bonner Innenstadt: Ein Traum in ...Grau?

Nachdem die Bezirksvertretung auf ihr Entscheidungsrecht gepocht hatte, hatte das Planungsbüro sieben alternative Farbvarianten vorgeschlagen, darunter Gelb und Rot. Die grellen Farben wurden schon aus Rücksicht auf die benachbarten Baudenkmale verworfen. Schließlich legte sich eine große Mehrheit aus elf Vertretern von SPD, Grünen, Linken, Piraten und dem Bürger-Bund auf das jetzige Hellgrau fest. CDU und FDP plädierten mit sieben Stimmen dagegen für ein helles Beige. Einem Mitglied der Bezirksvertretung gefiel keine der vorgeschlagenen Farben.

Bezirksbürgermeisterin Brigitta Poppe-Reiners (Grüne) freut sich über das Ergebnis. "Wir wollten keine Blackbox für Bonn", sagte sie dem GA. Die dezenteren Farben und das zurückhaltende Design ließen dem Platz selbst seine Wirkung.

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Wolfgang Maiwaldt (CDU) nahm den schlanken Neubau noch am Montag persönlich in Augenschein. "Ich hätte Beige nach wie vor harmonischer gefunden", sagte er dem GA. Aber insgesamt bringe der Neubau eine deutliche Aufwertung für den Platz.

Und auch mit der grauen Farbgebung könne er sich anfreunden. Schließlich finde die sich in einigen der umliegenden Fassaden wieder. Als Ergänzung wünscht er sich nach wie vor, dass der Umriss der verlorenen Remigiuskirche im Pflaster des Platzes sichtbar gemacht wird - ähnlich wie bei Sankt Martin neben dem Münster. "Diese Idee gebe ich noch nicht auf", betonte er.

Vor allem gebe es nun in der Fußgängerzone eine funktionierende Toilette, freut sich Maiwaldt. Als nächstes müsse der Reisebusparkplatz am Hofgarten dringend ein WC erhalten. Für das Beethoven-Jahr 2020 mit den erwarteten Gästescharen wird daraus allerdings wohl nichts mehr.

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