Planungspolitiker einig: Neue Rheinbrücke statt Südtangente

Planungspolitiker einig : Neue Rheinbrücke statt Südtangente

Die Südtangente ist praktisch begraben. Nach der Einigung der beiden Planungsausschüsse der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises, sich lediglich auf die Rheinquerung zwischen Wesseling und Niederkassel zu konzentrieren und das seit Jahrzehnten höchst strittige Projekt Südtangente komplett auszuklammern, übt die Region erstmals einen einvernehmlichen Schulterschluss in der Verkehrspolitik.

Der planungspolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion macht zwar keinen Hehl daraus, dass er in der Südtangente eine Lösung des Verkehrsproblems für die Region sieht. Aber: Die Umsetzung sei mit „erheblichen Unsicherheiten“ behaftet, und die Region müsse ein Signal setzen, um endlich verkehrspolitisch etwas durchzusetzen. Einstimmig beschlossen die Politiker zwischen Rheinbach und Troisdorf, zwischen Niederkassel und Mehlem, einer vierten Rheinbrücke in der Region den absoluten Vorrang vor allen anderen Projekten zu geben.

„Das ist das Ende der Südtangente“, so Hartwig Lohmeyer (Grüne). „Für sie gab es eh keine Chance. Es gab zu viele Widerstände gegen das Projekt.“ Auch Bert Moll (CDU), eigentlich ein Verfechter der Spange zwischen der A 565 bei Hardtberg und der A 3 bei Dambroich, sieht wenig Chancen, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Und die ist wichtig, um etwas im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) in den „vorrangigen Bedarf“ zu bekommen. Auch der Planungsdezernent des Rhein-Sieg-Kreises, Michael Jaeger, hatte schon im Vorfeld der gemeinsamen Sitzung an die Politiker appelliert, einen gemeinsamen Weg einzuschlagen.

Unterdessen hat der Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion die Unterlagen, die Grundlage für die Aufnahme eines Projekts in den BVWP sind, analysiert und einige Widersprüche entdeckt. Tatsächlich hat sich an der Linienführung der geplanten Südtangente einiges verändert. Nach der aktuellen Planung, die dem Bundesverkehrswegeplan zugrunde liegt, beginnt das „Teilprojekt Venusbergtunnel“ weiter nördlich als bisher vorgesehen. Von der B 56 in Duisdorf in einem Rutsch bis zur A 3 bei Dambroich fahren – das wäre auf der neuen Version möglich.

Mit dieser Planung würde das Katzenlochbachtal nicht berührt, jedenfalls nicht so weit südlich: Ab Konrad-Adenauer-Damm/Provinzialstraße führt eine 350 Meter lange Brücke über den Lengsdorfer Bach, um kurz vor dem Ippendorfer Weg in einen etwa 4,5 Kilometer langen Tunnel zu münden. Das Tunnelbauwerk führt laut Planung unter der Ippendorfer Allee, unter der Universitätssportanlage in einem sanften Bogen unter dem Haager Weg zwischen Sertürnerstraße und Kiefernweg und der Uniklinik (etwa unter dem Biomedizinischen Zentrum), Winzerstraße und Rochusweg, unter dem südlichen Zipfel des Südfriedhofs bis hinter die Bahngleise. Dort wird die Trasse an die A 562 in Höhe der August-Bebel-Allee am Landesbehördenhaus angebunden. Nicht mehr aktuell ist demnach die frühere Planung in Verlängerung der Südbrücke, die erst hinter dem Hertha-Platz in Dottendorf in einen Tunnel münden würde.

Am Ende der Südbrücke, auf der rechten Rheinseite, beginnt der Tunnel im Ennert und führt in einer sanften Tangente zwischen Nieder- und Oberholtorf und nördlich von Ungarten, wo das Tunnelbauwerk endet. Die Schnellstraße führt dann über die Ungarten- und Siebengebirgsstraße (L 83), wo zwischen Roleber und Stieldorf ein Knotenpunkt vorgesehen ist. Eine Brücke führt über das Lauterbachtal zwischen Birlinghoven und Rauschendorf, und die Strecke wird bei Dambroich an die A3 angeschlossen. Dahinter wird sie über einen Kreisverkehr mit der Pleistalstraße verknüpft.

Angesichts der notwendigen und aufwendigen Planungs- und Bauarbeiten bezweifeln zudem Kritiker, dass die offizielle Kostenschätzung von 650 Millionen Euro zu halten ist. Zum Vergleich: Der Ausbau der S-13-Strecke zwischen Troisdorf und Oberkassel soll rund 502 Millionen Euro kosten. Der Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion zweifelt auch die im BVWP angegebene hohe Kosten-Nutzen-Relation an. Die einzelnen Projekte seien bei der Ermittlung des Nutzens isoliert betrachtet worden. Dadurch ergebe sich ein anderer Wert, meint etwa Jürgen Klute.

Vielleicht ist das aber schon eine Diskussion von gestern? „Das Signal, das die Planungsausschüsse Bonn und Rhein-Sieg ausgesendet haben, ist ein gutes für die Verkehrsentwicklung rund um unsere Stadt“, so Helmut Redeker (SPD) „Wenn die Brücke bei Wesseling im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird, kommt unsere ohnehin nicht schlecht bediente Region sehr gut weg.“

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